Was bisher geschah: Peter Maier hat ein Grundstück in der Nähe von Frankfurt von seiner Oma geerbt. Mit Freundin Eva Engel will er dort ein Haus bauen. Sie haben einen Architekten und einen Energieberater zu Rate gezogen, die den Bau des KfW-Effizienzhauses planen und Finanzierungsangebote eingeholt.
Seit Peter Maier sich entschlossen hat zu bauen, träumt er oft davon. Immer ist er mit Eva und den Kindern in dem schönen Haus in Hornau. Doch in jüngster Zeit ist der Traum nicht mehr so angenehm. Mal sind Steinläuse im Gemäuer, mal klafft plötzlich ein Loch in der energetisch versiegelten Wand oder sickert Wasser unter der Tür durch. Und tagsüber beschäftigen ihn vor allem die Zahlen. Seit seine Freunde und Kollegen wissen, dass sie bauen wollen, hört er täglich neue Schreckensgeschichten von Berufsunfähigkeit, Beziehungen, die am Geld zerbrechen, Zwangsversteigerungen und Privatinsolvenzen.
Sein Kollege Horst Klar, dessen Frau sich mit Baufinanzierungen auskennt und dem er in der Kaffeeküche die Finanzierungsalternativen erklärte, findet Maiers Vorhaben „mutig“. Kurz und gut, Peter Maier ist verunsichert. Das Schlimmste ist, dass er sich nicht traut, mit Eva zu reden. Jedes Mal, wenn er das Thema Haus anschneidet, sprudelt sie los und schwärmt von der dreiteiligen Ledergarnitur im Wohnzimmer, der Teak-Dekorküche von Poggenpohl und dem Kinderbett von Sauthon.
Das erträumte Haus kommt zu teuer
Im Büro hat er dann einmal seine Pause genutzt und seine Daten in den Eigenheimrechner auf der von ihm genutzten Internetseite eingegeben. Das Ergebnis verstärkte seine Zweifel. Soll das Haus in 30 Jahren mit monatlich 1000 Euro abbezahlt sein und bliebe der Zins die ganze Zeit über bei 3,33 Prozent, darf das Haus alles in allem nur noch rund 295.000 Euro kosten. Selbst wenn sie es zu 2,65 Prozent schafften, wären nur 313.000 Euro statt wie geplant 350.000 Euro drin.
Dabei hat Peter Maier schon vorsorglich 10.000 Euro für die neue Einrichtung eingeplant, denn mit dem Mobiliar aus der Zweizimmerwohnung im Frankfurter Stadtteil Bergen-Enkheim ist das Haus nicht zu bewohnen. Dabei kostet schon Evas Traumküche mindestens doppelt so viel.
Eva muss ran
Als Eva und er eines Abends wieder einmal vor dem Fernseher sitzen und seine Freundin ihm vorschwärmt, wie die Kinder auf der Kettler-Gartenschaukel zwischen den Eichbäumen im Garten herumtollen, weiß Maier, dass er jetzt bremsen muss. „Eva“, sagt er, „wir müssen reden – über das Haus.“ „Ja“, sagt Eva, „können wir uns das überhaupt leisten?“ „Wenn du so denkst, warum vergoldest du dann ständig die Wasserhähne?“, entfährt es Peter Maier. „Damit du es endlich auch merkst“, erwidert Eva. Die beiden beschließen, jetzt einen Berater heranzuziehen. Zwei Tage später sitzen Eva und Peter beim Finanzierungsberater Haus & Bau. Der Berater sieht die Problematik, doch er ist optimistisch. „Es ist nicht ganz einfach, aber möglich. Wir müssen es nur etwas anders anpacken.“ Die Zukunft sehe ja nicht schlecht aus, und vom Schlimmsten dürfe man bei einer langfristigen Zukunftsplanung ohnehin nicht ausgehen. Als Lehrerin werde Eva mit Sicherheit nach einer Babypause wieder arbeiten gehen können. Also gehe es letztlich darum, einige Jahre zu überbrücken.
© Kircher Burkhardt
Er erkundigt sich nach den Familienverhältnissen und schlägt einen neuen Termin vor, bei dem auch die Eltern des Paares dabei sein sollen. Da der bald dreiköpfige Haushalt über 1800 Euro verfügen sollte und die Monatsrate rund 950 Euro betragen wird, muss die Einkommenssituation verbessert werden. Evas Eltern sind zwar selbst ein bisschen knapp, doch 150 Euro können sie und Maiers ihren Kindern in den kommenden Jahren zuschießen. Und wenn Eva ein Gewerbe anmeldet und Nachhilfestunden gibt, wären das noch einmal wenigstens 100 Euro für die Familienkasse.
Mit der richtigen Baufinanzierung klappt es doch
Das entspannt die Situation, und Peter Maier hat zum ersten Mal wieder das Gefühl, dass doch noch etwas aus dem Haus werden kann. Jetzt müsse aber die Finanzierung noch optimiert werden, sagt der Berater. Für den KfW-Kredit sollten sie die Tilgung so lange wie nötig aussetzen. Das ist bis zu acht Jahre lang möglich. Für das Hypothekendarlehen seien zwei Prozent Tilgung für den Anfang zu viel. Stattdessen sollen Peter und Eva mit einem Prozent Tilgung anfangen und sich ein Tilgungssatzänderungsrecht einräumen lassen. „Dann können sie später, wenn mehr Geld vorhanden ist, entsprechend schneller tilgen.“ „Was ist mit einem Sondertilgungsrecht?“, will Peters Vater wissen. Das solle man mit berücksichtigen, aber auch nicht zu hoch hängen, solange nicht absehbar sei, dass alsbald größere Summen zur Verfügung stünden, sagt der Berater. Zudem könne der KfW-Kredit jederzeit vollständig zurückgezahlt werden.
Voller Hoffnung fahren die sechs zu Evas Eltern. Doch am Kaffeetisch sagt Evas Mutter plötzlich: „Eines verstehe ich nicht. Wer bezahlt jetzt die ganze Einrichtung und den Gartenbauarchitekten?“ Das ist der Moment, in dem Peter wieder der Mut verlässt. Es ist plötzlich sehr still. Eva schaut unglücklich drein. Auch die Heimfahrt nach Bergen-Enkheim verläuft recht einsilbig. Schließlich sagt Eva: „Es hilft nichts. Entweder muss das Haus kleiner werden, oder wir sparen bei der Einrichtung.“ „Oder beides“, sagt Peter.
Abstriche machen
Zu Hause angekommen, setzen sie sich mit den Bauplänen an den Küchentisch. Peter ist sich schnell klar, wo sie ansetzen müssen. „Wir können die Einrichtung immer ändern. Ist das Haus zu klein, wird das nicht so einfach“, sagt er. Eva sieht das etwas anders. Sie möchte nicht in einer großen Studentenbude leben, sagt sie. Nun geht es Zug um Zug: Statt einer Markenküche muss es wohl zunächst eine Küchenzeile einer weit verbreiteten Möbelkette sein. Die Terrasse wird vorläufig gestrichen, und den Garten soll erst einmal kein Architekt planen, sondern von Eva und ihrer gartenverrückten Mutter bepflanzt werden. Statt Parkett kommt nur Teppichboden ins Wohnzimmer.
Langsam beginnt das Paar Spaß an der Sache zu bekommen. Im Internet entdeckt Eva eine preiswerte Musterküche mit Essplatz für 2300 Euro. Kommende Woche will sich Peter noch einmal mit dem Architekten und dem Energieberater treffen, um auszuloten, was ohne Probleme später noch an- und eingebaut werden kann. „Das Schöne ist“, sagt Eva mit ein wenig Zweckoptimismus, „dass wir uns in den kommenden Jahren immer über etwas Neues freuen können.“ „Das nächste Mal fangen wir aber andersherum an“, sagt Peter dagegen selbstkritisch. „Erst müssen wir wissen, was wir uns leisten können. Dann können wir das Haus planen.“
Sehr geehrter Herr Cao Ky,
Aysen Aysen (AyAy)
- 24.03.2012, 08:08 Uhr
Gesamtkosten
Tobias Metzger (Logik-Ratio)
- 22.03.2012, 16:56 Uhr
Traumküche vs. Sternerestaurant
Renee Claude (recla)
- 22.03.2012, 14:40 Uhr
Immer noch ein Wolkenkuckucksheim
Marvin Parsons (mapar)
- 22.03.2012, 14:09 Uhr
Also vor so einem Haus sollte dann unbedingt auch ein Porsche stehen.
Und ein A8 Avant, mit AHK.
Ralf Kleemann (aikon123)
- 22.03.2012, 12:49 Uhr