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Aktualisiert: 20.06.2017, 11:16 Uhr

Private Krankenkassen Otto von Bismarcks digitale Erben

Zum ersten Mal seit Jahrzehnten gibt es eine neue private Krankenversicherung. Bei Ottonova läuft alles digital, vom Vertragsabschluss bis zur Rechnung. Dadurch soll es für Versicherte billiger werden.

von
© Rüchel, Dieter Ottonova setzt voll auf Onlinekommunikation mit Kunden, unter anderem mit eigener App.
 
Ottonova iist die erste Neugründung einer Krankenversicherung seit 17 Jahren
 
Die Gründungsgenehmigung von Ottonova steht noch aus

Roman Rittweger liebt die Symbolik. Für sein neuestes Projekt hat er sich den kommenden Mittwoch ausgesucht, den 21. Juni. Es ist der Tag, an dem 1883 Otto von Bismarck in Deutschland die Krankenversicherung einführte. Rittweger will exakt 134 Jahre später seine private Krankenversicherung starten, Ende des Jahres sollen dann noch private Zusatzversicherungen zum Beispiel für Zahnersatz für die gesetzlich Versicherten hinzukommen. Den Namen hat er passend gewählt: Ottonova. Es ist die erste Neugründung einer Krankenversicherung seit 17 Jahren.

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Rittweger verspricht wie viele Start-ups Visionäres: „Ich will die erste vollständig digitale Krankenversicherung anbieten.“ Und er will damit die Branche aufmischen. Zielgruppe: die jungen, internetbegeisterten Anwälte, Wirtschaftsprüfer oder Berater zwischen 25 und 40 Jahren. Was die Fintechs für die Bankenwelt, will er für die Krankenversicherungen sein. Die Aufnahme von Neukunden erfolgt nur online, ganz ohne Makler und Filialen, der Kunde kommuniziert über die Ottonova-App im Smartphone, Rechnungen und Kostenvoranschläge von Ärzten sollen bis zu bestimmten Summen vollautomatisch geprüft und verarbeitet werden. Die vollelektronische Ausrichtung soll neue Dienstleistungen für den Versicherten ermöglichen – zum Beispiel eine persönliche elektronische Patientenakte – und die Verwaltungskosten reduzieren. Die Beiträge sollen dadurch niedriger als bei den meisten Konkurrenten liegen.

Aufsichtsbehörde Bafin prüft das Start-up

Solche Versprechen sind nicht leicht umzusetzen. Die Auflagen für die Gründung einer Krankenversicherung sind hoch, nicht ohne Grund hat es so lange niemand mehr geschafft. Das geht schon mit dem Geld los. Die Finanzierung für die ersten drei Jahre muss gesichert sein. Dazu musste Rittweger 40 Millionen Euro einsammeln. Er hat das mit sechs namhaften Investoren geschafft, darunter Tengelmann Ventures, STS Ventures des Onvista-Finanzportal-Gründers Stephan Schubert und Holtzbrinck Ventures, die ihr Geld unter anderem in Zalando und Flixbus gesteckt haben. Sie halten drei Viertel der Anteile, den Rest die Gründer – neben dem Chef Rittweger noch zwei andere – und die leitenden Mitarbeiter von Ottonova.

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Ob dieses Geld wirklich drei Jahre reicht, das wurde sehr intensiv mit der Aufsichtsbehörde Bafin diskutiert. Die Bafin will auch wissen, ob die Tarife auskömmlich kalkuliert sind, so dass nicht baldige Preiserhöhungen drohen. Dazu schätzt Ottonova mit ihren Aktuaren die zu erwartenden Ausgaben, indem sie für ihre erwarteten Versicherten Krankheitswahrscheinlichkeiten annimmt, die die Bafin aufgrund von Branchenerfahrungen vorgibt. Da die neue Versicherung noch keine Kunden hat, können auch nicht die Beiträge der einen Versicherten alle Krankheiten der anderen bezahlen, wie das bei etablierten Konkurrenten der Fall ist. So muss eine Rückversicherung verpflichtet werden, die bei großen Erkrankungen die Finanzierung übernimmt.

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