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Veröffentlicht: 19.06.2017, 11:01 Uhr

Online-Versand Der Preis verwirrt den Kunden


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Entsprechende Pricing-Software wird von diversen Firmen immer weiter verfeinert. Doch trotz aller Datensammelei und selbstlernender Algorithmen bleibt es ein schwieriges Unterfangen, die Zahlungsbereitschaft jedes Kunden zu erkennen. Was ist beispielsweise von jemandem zu halten, der mit einem Porsche Cayenne zum Supermarkt fährt? „Das sagt nur etwas über die Zahlungsbereitschaft beim Autokauf aus“, sagt Ökonom Schleusener.

Eine andere Legende besagt, dass Apple-Nutzer für das gleiche Produkt einen höheren Preis zahlen müssen als Kunden, die es über einen normalen PC kaufen. Manche Stichproben legen tatsächlich nahe, dass es einen Unterschied beim Preis macht, ob jemand sein Hotel oder seinen Flug übers Smartphone oder am Heimcomputer bucht. Doch eine entsprechende Analyse des amerikanischen Reiseportals Orbitz hat sich als wenig aussagekräftig erwiesen.

Letztlich kam sie zu keinem anderen Ergebnis, als dass Apple-Nutzern von Reiseveranstaltern eine höhere Zahlungsbereitschaft unterstellt wurde und ihnen deshalb teurere Unterkünfte nahegelegt wurden; PC-Nutzer dagegen erhielten zunächst günstige Unterkünfte angeboten. Nicht der Preis war also unterschiedlich, sondern die Reihenfolge der unterbreiteten Vorschläge.

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Dazu kommt, dass das theoretisch Vorstellbare an praktische Grenzen stößt. Wird doch bei der Differenzierung zwischen Apple- und PC-Nutzern vorausgesetzt, dass ein Verbraucher stets auf dasselbe Betriebssystem zurückgreift. Was aber geschieht, wenn jemand unterwegs auf seinem iPhone nach einem Produkt sucht, es aber erst später daheim auf seinem PC bestellt? Er würde argwöhnisch, wenn er zwei verschiedene Preise angezeigt bekäme, und sich fragen, welcher nun der gültige ist.

Online-Shops und Reiseportalen sind zudem Grenzen gesetzt, weil sie unter ständiger Beobachtung stehen. So sind Verbraucher den ständig schwankenden Preisen nicht hilflos ausgeliefert, sondern können sie sogar zu ihrem Vorteil nutzen. Das geht zum einen über Preisvergleichsportale wie Idealo oder Billiger.de, auf denen die Produkte günstiger sind als auf den Internetseiten der Hersteller. Die Logik dahinter ist einfach: Stammkunden suchen gezielt auf der Herstellerseite, sie müssen nicht überzeugt werden. Neukunden dagegen sollen auf Portalen über einen günstigeren Preis gewonnen werden.

Mit Portalen zum niedrigsten Preis

Zum anderen gibt es Portale, die für Kunden automatisch das jeweils beste Angebot herausfinden. Deren Algorithmus überrumpelt sozusagen den Algorithmus des Händlers. So kann man bei „Meinpreiswecker.de“ einen Preis angeben, den man für ein bestimmtes Produkt bei Amazon bezahlen möchte. Sobald dieser niedrigere Wunschpreis erreicht ist, bekommt der Kunde eine Mail. Das Portal „Dreamcheaper.com“ durchforstet fortlaufend die besten Preise auf den gängigen Buchungsportalen.

Sobald ein Hotelpreis nach der Buchung zurückgeht, storniert der Algorithmus automatisch und bucht aufs Neue zum reduzierten Preis. Der Reisende kann sich also sicher sein, in der ausgewählten Herberge immer zum günstigsten Preis zu übernachten. Von der Differenz behält Dreamcheaper 20 Prozent für sich. Durch derartige Portale habe es „eine gewisse Machtverschiebung hin zum Verbraucher gegeben“, sagt die Sachverständige Lucia Reisch. „Die Macht kann aber zurückgehen, wenn sich eine personalisierte Preispolitik auf breiter Basis durchsetzt.“

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