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Online-Banking Die Bank flüchtet ins Netz

 ·  Schon heute gibt es mehr Online-Konten als sonstige Girokonten. Das ist für die Kunden bequemer und günstiger. So finden Sie das richtige Konto

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Commerzbank-Chef Martin Blessing ist nicht zu beneiden. Seit er im Amt ist, muss er regelmäßig schlechte Nachrichten verkünden. Ein Restrukturierungsprogramm jagt das nächste. Vergangene Woche war es wieder so weit. Vor allem das Privatkundengeschäft mit seinen Filialen muss umgebaut werden, um profitabel zu werden. Das Resultat scheint schon festzustehen: weniger Jobs - und weniger Filialen.

Denn immer weniger Kunden brauchen noch eine Filiale. Sie wickeln ihre Bankgeschäfte lieber gemütlich zu Hause über das Internet ab oder unterwegs mit dem Smartphone. Das spart Zeit und macht unabhängig von den nicht gerade großzügigen Öffnungszeiten der Banken. Schon rund die Hälfte aller Girokonten in Deutschland wird online geführt, mehr als 28 Millionen Deutsche erledigen ihre Finanzgeschäfte über das Netz. Seit Jahren steigt diese Zahl. Denn immer mehr sind wie selbstverständlich im Internet unterwegs, zunehmend sogar auch Rentner. Dann ist die Hürde für das Online-Banking nicht mehr so hoch.

Genauso gut, nur billiger

Es gibt ja auch fast keinen Grund mehr, in die Filiale zu laufen. Online-Banken wandeln sich immer mehr zu vollwertigen Banken mit den gleichen Angeboten wie die Filialbanken: Überweisungen, Daueraufträge, eigene Kreditkarte oder das Tagesgeldkonto - all das gibt es auch im Netz. Und auch viel günstiger als in der Filiale. Das Girokonto kostet in der Regel nichts mehr, die Dispozinsen bei Kontoüberziehung sind viel niedriger, die Tagesgeldkonditionen besser, und die Kreditkarte gibt es oft kostenlos.

Sogar das Depot kann im Internet geführt werden. Aktien, Fonds und Zertifikate sind hier günstiger zu erwerben als in der Filiale. Preisnachlässe von mehr als 50 Prozent sind üblich. Das spart bei großen Wertpapieraufträgen richtig viele Euro an Provisionen. Zudem werden auch Depotgebühren fast gar nicht mehr verlangt.

Man muss wissen, was man tut

Allenfalls für wenig finanzerfahrene Kunden hat das Filialkonto noch einen vermeintlichen Vorteil: Dort bekommen sie nämlich noch eine Anlageberatung, wenn sie Fragen zur Geldanlage haben. Allerdings steht die Qualität regelmäßig in der Kritik. Denn die Beratung zielt selten darauf ab, die Wünsche des Kunden optimal zu erfüllen, sondern die Einnahmen der Bank zu steigern. Daher werden vor allem die Finanzprodukte verkauft, die die höchsten Provisionen abwerfen. Auch wenn sie vielleicht nicht zu den Zielen des Kunden passen.

Bei den Online-Banken gibt es in der Regel gar keine Beratung. Das ist auch ein Grund, warum sie billiger sind - neben dem Verzicht auf die teuren Immobilien, in denen die klassischen Banken ihre Filialen unterbringen.

Online-Banken verlangen den mündigen Kunden, der sich schon ein bisschen mit der Geldanlage auskennt und selbst entscheidet, wie er sein Depot aufbaut und welche Wertpapiere er dazu am besten kauft. Dabei wird ihm mit vielen Kursinformationen, Bewertungskennzahlen und Analysteneinschätzungen geholfen. Bei einigen Anbietern kann er auch die zu ihm passenden Musterdepots selbst erstellen.

Aber es wird auch geholfen

Einige wenige Online-Banken wie Comdirect und Cortal Consors bieten sogar mittlerweile eine telefonische Anlageberatung an. Dann werden zwar höhere Gebühren fällig, die aber immer noch unter denen der Filialen liegen.

Zudem ist die Beratung bei den Internetbanken unabhängiger von einzelnen Fonds- oder Zertifikateanbietern. Damit steigt die Chance, die wirklich beste Geldanlage empfohlen zu bekommen - unabhängig von den Interessen der Bank. Für einfache Fragen gibt es zudem bei allen Online-Banken die kostenlose telefonische Hotline. Ganz anonym sind die Anbieter also nicht.

Interessant sind auch Mischmodelle wie etwa bei der Postbank oder der Targobank. Hier können die Kunden zu wettbewerbsfähigen Preisen ein Online-Konto nutzen und sich trotzdem in der Filiale beraten lassen. Andere Filialbanken haben zwar auch Online-Konten im Angebot, sie sind aber teurer als die reinen Online-Banken, die meist sogar im Besitz der Filialbanken sind. So gehört die Comdirect Bank mehrheitlich zur Commerzbank, Maxblue zur Deutschen Bank und Cortal Consors und DAB Bank zu ausländischen Konzernen.

Keine Angst vor Hackern und Phishern

Ein Grund lässt manchen dann aber doch zögern, ein Online-Konto zu eröffnen: die Sicherheit. Immer wieder werden Fälle bekannt, bei denen Betrüger Zugang zum Konto bekommen und davon Geld überweisen. Sie leiten auf gefälschte Websites um, die denen der Banken täuschend ähnlich sehen. Dort fordern sie zur Eingabe von Passwort und Transaktionsnummern (Tan) auf, die sie dann abgreifen und selbst benutzen. Regelmäßig fallen Kunden darauf rein.

Doch die Sicherheitslage bessert sich. Zum einen ist die Haftung nach einem neuen Gesetz nun beschränkt, solange nicht vorsätzlich gehandelt wurde. Zum anderen investieren die Banken verstärkt in die Sicherheit. Zunehmend finden kleine Geräte Verbreitung, die am Computer eine TAN erzeugen. Die muss man dann am Bildschirm eingeben, um Transaktionen ausführen zu können. Die Papierlisten mit TAN-Nummern verlieren an Bedeutung.

Preiskampf

Wer derzeit zu einer Online-Bank wechseln will, ist gut dran. Der Wettbewerb unter den Anbietern ist groß. Er wird derzeit noch durch neu nach Deutschland kommende ausländische Banken verschärft, die vor allem mit höheren Tagesgeldzinsen locken, sonst aber nur ein Schmalspurprogramm bieten.

Die etablierten deutschen Anbieter kontern mit besonderen Offerten für Neukunden. Sie reichen von erhöhten Tagesgeldzinsen für einige Monate, zeitlich befristetem kostenlosen Wertpapierhandel bis hin zu Barprämien. Comdirect zum Beispiel zahlt in regelmäßigen Aktionen Prämien von bis zu 150 Euro, wenn Fondsanteile zu der Bank verlagert werden. Das gilt sogar für bisherige Kunden.

Solche Angebote sollten aber nicht den Ausschlag für die Wahl der Online-Bank geben. Wichtiger sind die Preise für die Dienstleistungen und das Angebot insgesamt. Viel bieten die großen Banken wie ING-Diba, Comdirect, DAB oder Cortal Consors. Nur für den Wertpapierhandel gibt es Anbieter wie Flatex, die neben der Netbank und der DKB die einzigen sind, die eine einheitliche Gebühr unabhängig vom Gegenwert des Auftrages berechnen. Das macht sie bei Anlagebeträgen von mehr als 5000 Euro unschlagbar günstig.

Da der Online-Broker kein Girokonto im Angebot hat, braucht der Kunde ein zweites Konto, über das er an das Geld aus seinem Flatex-Depot kommt. Das kann auch ein Konto bei einer Internet-Bank sein, muss es aber nicht. Ein bisschen Filiale ist eben auch in der Online-Welt immer möglich.

Die passende Online-Bank finden

1. Die Grundsatzfrage. Vor der Grundsatzentscheidung für eine Online-Bank steht die Frage, ob der Kontakt zur Filiale noch nötig ist. Zum Beispiel, weil man gelegentlich eine Beratung in Anspruch nehmen will und mit der Qualität zufrieden ist. Oder weil man zu wenig Ahnung von Finanzgeschäften hat, um das allein zu machen. Wer die Filiale nicht ganz aufgeben will, kann ein Online-Konto bei einer Bank einrichten, die auch ein Filialnetz hat, zum Beispiel die Postbank oder die Targobank. Das ist dann aber nicht die günstigste Variante.

2. Bedürfnisse prüfen. Wer sein Girokonto bei seiner alten Filialbank belässt, kann auch nur den Wertpapierhandel über das Internet abwickeln. Dann kann er reinen Online-Brokern wie Flatex vertrauen, die kein Girokonto anbieten, aber besonders günstig sind. Wer auch die Bankgeschäf- te online abwickeln will, setzt eher auf Allrounder wie Comdirect oder ING-Diba. Oder Spezialisten wie die DKB, die aber dafür im Wertpapierhandel weniger als die Konkurrenten bietet.

3. Sonderangebote nutzen. Ist die Wunschbank ausgewählt, sollte der Interessent nach aktuellen Angeboten dieser Bank für Neukunden fahnden - oder nachfragen, wann damit zu rechnen ist.

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Jahrgang 1971, Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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