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Niedrige Erträge : Lebensversicherer bieten magere Verzinsung

Haben schon höherere Zinsen erlebt: Rentner in Dresden Bild: dpa

Die Überschussbeteiligung sinkt auf einen Tiefstand. Den Kunden werden durchschnittlich nur noch 3,6 Prozent verbindlich gutgeschrieben. Doch die Belastungen sind ungleichgewichtig verteilt.

          Der Niedrigzins am Kapitalmarkt lässt die Erträge für Lebensversicherungskunden weiter schmelzen. Die laufende Verzinsung ihrer Verträge ist für dieses Jahr doppelt so stark zurückgegangen wie im vergangenen Jahr. Durchschnittlich schreiben die Anbieter für 2013 nur noch 3,61 Prozent auf den Sparanteil der Verträge gut, wie aus einer Studie der Ratingagentur Assekurata hervorgeht, die am Donnerstag vorgestellt wurde. Im vergangenen Jahr waren es noch 3,91 Prozent gewesen.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doch die Belastungen sind auf verschiedene Kundengruppen ungleichgewichtig verteilt. Denn diese profitieren in unterschiedlichem Maße von verschiedenen Gewinnkomponenten der Versicherer. Neben der laufenden Verzinsung, die sich aus dem Garantiezins und dem Zinsüberschuss zusammensetzt, gewähren diese zum Ende der Laufzeit einen Schlussüberschuss und eine jährliche Gutschrift auf die stillen Reserven (Sockelbeteiligung) des Unternehmens. Zusammen machen sie die Gesamtverzinsung aus, die durch den schwachen Zinsüberschuss um 0,32 Punkte auf 4,24 Prozent gefallen ist.

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          Wenn ein Vertrag aber Ende Oktober ausgelaufen ist, bekam der Kunde dennoch eine kaum geringere Ablaufleistung ausgezahlt als im Vorjahr. Denn durch die niedrigen Zinsen haben sich die Kurse der festverzinslichen Wertpapiere der Versicherer weiter erhöht. Die Bewertungsreserven sind gestiegen. Daran werden Kunden mit auslaufendem Vertrag über die Sockelbeteiligung hinaus zusätzlich beteiligt. Der Zuwachs bei den stillen Reserven kompensiert den Rückgang der Gesamtverzinsung weitgehend. Die Jahresverzinsung für einen ablaufenden Vertrag fiel somit nur geringfügig um 0,08 Punkte auf 4,65 Prozent. „Der endfällige Kunde profitiert davon überproportional, der Bestandskunde leidet überproportional. Das ist eine Fehlsteuerung“, sagte Assekurata-Geschäftsführer Reiner Will.

          Die Versicherer müssen zusätzliche Reserven bilden

          Diese Regelung ist Gegenstand einer Auseinandersetzung zwischen Bund und Ländern. Die Bundesregierung wollte die Versicherer von der Pflicht entlasten, ihre Reserven an Kunden auszuschütten, damit sie mehr Sicherheiten haben, um den Garantiezins zu erfüllen. Dieser ist im vergangenen Jahr auf durchschnittlich 3,15 Prozent gefallen. Die Bundesländer haben die Reform im Bundesrat gestoppt, weil sie zu große Nachteile für Kunden sehen, deren Vertrag in diesem Jahr ausläuft. Am Dienstag soll der Vermittlungsausschuss einen Kompromiss ausarbeiten.

          Die laufende Verzinsung ist ein wichtiger Wert, weil sie anzeigt, wie viel der Kunde verbindlich für dieses Jahr gutgeschrieben bekommt. Allerdings ist er nicht zwischen den Gesellschaften vergleichbar, weil der Sparanteil je nach Vertrag und Gesellschaft stark voneinander abweicht. Bei privaten Rentenversicherungen etwa variiert er im Markt zwischen 82 und 97 Prozent und beträgt durchschnittlich 89,4 Prozent. Die Beitragsrendite ergibt sich, wenn die Gesamtverzinsung inklusive der Beteiligung an den Bewertungsreserven auf diesen Sparanteil angerechnet wird. Für 30 Jahre laufende Verträge lag diese Rendite mit 5,21 Prozent sogar geringfügig höher als im vergangenen Jahr. Für 20 Jahre laufende Verträge mit 4,49 Prozent und für 12 Jahre laufende Verträge mit 3,45 Prozent leicht unter dem Vorjahreswert. Hier sind die Schwankungen am Markt allerdings erheblich: HDI-Gerling und die Gothaer etwa konnten ihren Kunden auf 30 Jahre laufende Verträge nur etwas mehr als 4 Prozent gutschreiben, die besten Anbieter mehr als 6 Prozent.

          Der Rohüberschuss, aus dem die Unternehmen ihre Kunden bedienen können, wird in diesem Jahr stark gemindert, weil das Bundesfinanzministerium ihnen eine Zinszusatzreserve abverlangt. Um sicherzustellen, dass sie frühere Garantieversprechen erfüllen können, müssen die Versicherer zusätzliche Reserven bilden, wenn ein Referenzzinssatz aus sicheren europäischen Anleihen den Garantiezins unterschreitet. Dieser fiel im vergangenen Jahr von 3,92 auf 3,64 Prozent. Die Reserve von 1,5 Milliarden Euro aus dem Vorjahr musste um etwa 5 Milliarden Euro aufgestockt werden. Schreibt man die Zinsen fort, könnten erstmals auch Nachreservierungen für Verträge mit einer Garantie von 3,5 Prozent nötig werden. Assekurata schätzt die Zinszusatzreserve in diesem Jahr auf weitere 4 Milliarden Euro. Die Verzinsung der Versicherer dürfte also weiter unter Druck bleiben.

          Quelle: F.A.Z.

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