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Datenschutzhelfer : Rezepte gegen die digitale Vertrauenslücke

Die große Mehrheit der Internetnutzer ist davon überzeugt, dass im Web unbemerkt auf persönliche Daten zugegriffen wird. Bild: dpa

Immer mehr Menschen sorgen sich um den Schutz ihrer Daten im Internet. Eine Telekom-Konzern und Wissenschaftler der Uni Köln suchen nach Lösungen.

          Der digitale Datenschutzhelfer, wie ihn sich Thomas Kremer wünscht, ist noch nicht auf dem Markt. „Mein Traum wäre eine App, der ich sagen kann, welche meiner Daten im Internet nicht weitergegeben werden dürfen“, schildert der Telekom-Vorstand seine Idee. Kremer weiß am besten, worauf es ankommt: Sein Ressort sind Datenschutz und Recht. Mit seinen Bedenken steht er nicht allein.

          Helmut  Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Die große Mehrheit der Internetnutzer, rund 90 Prozent, ist davon überzeugt, dass im Web unbemerkt auf persönliche Daten zugegriffen wird. Und im Durchschnitt 82 Prozent glauben, dass die meisten Unternehmen die Daten ihrer Kunden auch an andere Firmen weitergeben. Die Zahlen stammen aus einer repräsentativen Umfrage, die das Ceres-Institut (Cologne Center for ethics, rights, economics and social sciences of health) der Uni Köln im Auftrag der Deutschen Telekom durchgeführt hat. „Wir sehen ein großes Misstrauen der Internetnutzer, was den Schutz ihrer Daten betrifft“, sagt Christiane Woopen, Direktorin von Ceres und bis April Vorsitzende des Deutschen Ethik-Rates.

          Wie passt das zur Alltagserfahrung, dass viele Menschen fast bedenkenlos auch sehr persönliche Informationen und Bilder sozialen Netzwerken anvertrauen, wie selbstverständlich Suchmaschinen verwenden, die Profile aufzeichnen oder beim Online-Shoppen ihre Konsummuster hinterlassen? „Die Leute kennen die Probleme“, versucht die Professorin den Widerspruch aufzulösen: „Aber die Vorteile der digitalen Welt zählen für die meisten mehr, so dass sie die Nachteile in Kauf nehmen - solange sie die Folgen nicht am eigenen Leib fühlen.“

          Aber dieses verborgene Unbehagen, das fehlende Grundvertrauen, kann sich rächen. „Viele Menschen verbinden mit der Digitalisierung hohe Erwartungen für die Gesellschaft und die wirtschaftliche Entwicklung“, sagt die Wissenschaftlerin: „Sie haben aber auch Angst davor, was das für sie persönlich bedeutet. Ohne Vertrauen geht die Digitalisierung schief.“

          Datenschutz auf Knopfdruck

          Der Gesetzgeber allein, davon sind Kremer und Woopen überzeugt, wird es nicht richten können. Datenschutzverordnungen und Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) seien gut und schön. Aber: „Die Menschen wünschen sich mehr Aufklärung. Zudem müssen die Unternehmen für mehr Transparenz darüber sorgen, was mit den Daten der Nutzer passiert“, sagt Woopen, die die Untersuchung zusammen mit Christian Rietz vom Ceres durchgeführt hat.

          Kremer zeigt während des Gesprächs auf die Wand des Besprechungsraums. „Die Fläche dort können Sie locker mit den einschlägigen AGBs und Datenschutzregeln zu tapezieren. Da stehen sehr viele sinnvolle Dinge drin, aber das liest doch kein normaler Mensch“, sagt der Jurist. Und die Medizinethikerin Woopen findet sogar, dass es in den Datenschutzhinweisen der Unternehmen oft mehr um deren Haftungsausschluss als um eine echte Hilfe für die Nutzer geht. Ein Rat ist die Beschränkung der Informationsflut auf das Wesentliche. Das will die Telekom noch in diesem Jahr umsetzen: durch eine höchstens eine Seite lange, leichtverständliche Zusammenfassung ihrer Datenschutzhinweise. „Wir leisten damit Übersetzungshilfe“, sagt Kremer.

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