Home
http://www.faz.net/-gv6-75j9c
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
CIO View

Monopol beendet Die freie Wahl des Schornsteinfegers

Das Kaminkehrer-Monopol ist am 1. Januar gefallen. Ob der Kaminkehrer jetzt billiger wird, ist aber umstritten.

© dapd Den einen bringt er Glück, den anderen höhere Kosten: Der Schornsteinfeger.

Jeder ist selbst dafür verantwortlich, wie er glücklich wird, heißt es ja gerne. Nun ist das in der Praxis manchmal schwieriger als gedacht. Aber zumindest, wer einem das Glück bringen soll, kann man sich nun aussuchen. Das Kaminkehrermonopol ist nämlich zum 1. Januar gefallen, Kunden haben jetzt die Wahl, wen sie als Schornsteinfeger beauftragen - und Letzterer gilt ja gemeinhin als Glücksbringer.

Nadine Oberhuber Folgen:

Bisher mussten Hausbesitzer denjenigen schwarzen Mann ins Haus lassen, den das Amt für sie bestellt hatte: denn seit 77 Jahren hat die Regierung mit der Aufteilung der Kehrbezirke den Schornsteinfegern ihre Kundschaft förmlich zugeschanzt. 8000 registrierte Bezirksmeister teilten das Bundesgebiet unter sich auf. Das aber entsprach in den Augen der Europäischen Union nicht den Regeln eines freizügigen Marktes, weswegen sie der Bundesrepublik diese Praxis jetzt untersagt.

Die amtlichen Schornsteinfeger sind auch weiterhin für die Kontrolle von Feuerstellen, die Kaminabnahme und die Brandsicherheit zuständig und kommen dafür zweimal alle sieben Jahre zur „Feuerstättenschau“, wie es im Amtsdeutsch heißt. Mit den jährlichen Abgasmessungen und Prüfungen aber kann man nun den Kaminkehrer seiner Wahl beauftragen. Darunter fallen nun nicht nur alle freien Feger, die amtlich registriert sind, sondern auch Installateure und Heizungsbauer, die eine Zusatzqualifikation zum Kaminkehrer abgelegt haben.

Den richtigen Kaminkehrer findet man im Internet

Dafür haben aber auch die Schornsteinfeger künftig mehr Möglichkeiten, denn sie dürfen nun neue Leistungen anbieten und sind nicht mehr nur auf die jährlichen Kehrwochen beschränkt: Sie können zum Beispiel auch Rauchmelder bei ihren Kunden installieren und die jährliche Prüfung solcher Geräte durchführen. Oder die Heizungsanlage kontrollieren. Reparaturen übernehmen sie allerdings nicht, sie sind eher wie der TÜV, der nur die ordnungsgemäße Funktion bestätigt, und nicht die Werkstatt, die kaputte Teile zum Laufen bringt.

Den richtigen Kaminkehrer findet man am besten im Internet: Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle hält eine Schornsteinfeger-Liste bereit. Wenn man dort in der Suchmaske den jeweiligen Wohnort einträgt, bekommt man alle potentiellen Glücksbringer gelistet.

Die Preise könnten eher steigen

Billiger wird es für die Auftraggeber aber nicht unbedingt. Mit der Liberalisierung des Kaminkehrerrechts sind auch die Preise freigegeben. Bisher legte der Staat fixe Gebühren für die jährlichen Kontrollen fest. Nun entscheiden die Kaminkehrer selbst, was ihre Dienste kosten sollen. Mit einem großen Preisverfall sollten Hausbesitzer aber lieber nicht rechnen, im Gegenteil, warnen Angehörige der schwarzen Zunft: Bisher hätten die staatlichen Gebühren eher am unteren Limit dessen gelegen, was Schornsteinfegermeister für An- und Abfahrt sowie Arbeitszeit als kostendeckend empfunden hätten. Vermutlich werden die Preise also eher steigen.

Mehr zum Thema

Außerdem hat der Kunde künftig nicht nur das Wahlrecht, sondern auch Pflichten: Noch bis Jahresende stellen die bisherigen Bezirksschornsteinfeger Bescheide aus, die definieren, welche Arbeiten bis wann zu erledigen sind. Danach trägt der Hausbesitzer die Verantwortung dafür, dass die Prüfungen auch termingerecht erledigt werden. Er muss nicht nur dafür sorgen, dass der jeweilige Kehrer vorbeikommt, sondern der muss auch dem amtlich bestellten Kollegen per „Durchführungsbescheid“ seine Arbeit bestätigen. Sonst drohen dem Kunden Mahngebühren oder die sogenannte “Ersatzvornahme“, das heißt: Schlimmstenfalls wird ihm vom Amt doch ein bestellter Schornsteinfeger ins Haus geschickt. Ob das dann finanziell gesehen wirklich ein Glücksfall ist, darf man eher bezweifeln.

Quelle: F.A.S.

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Teure Münzrollen Wenn das Bargeld doppelt so viel kostet wie sein Wert

Banken verlangen immer häufiger Gebühren für Münzrollen. Das ärgert viele Einzelhändler und auch Privatleute. Doch warum kosten Münzen manchmal mehr als ihr eigener Wert? Mehr Von Susanne Preuß, Stuttgart

18.08.2015, 21:13 Uhr | Finanzen
Philippinen Kunst trifft Kaffee

In einem Café in Manila können sich Kunden Bilder aus dem Schaum ihres Heißgetränks wünschen. Dieser kreative Service ist ein kostenloses Extra - einziger Wermutstropfen: Mit dem Getränk verschwindet auch die Kunst. Mehr

10.04.2015, 15:15 Uhr | Gesellschaft
Abhebe-Gebühren Die Deutsche Bank verlangt mehr am Geldautomaten

Wer bei der Deutschen Bank Geld abheben will, muss künftig höhere Gebühren bezahlen. Für Kunden der Cash Group-Banken ändert sich dagegen nichts. Mehr Von Christian Siedenbiedel

21.08.2015, 16:10 Uhr | Finanzen
Dürreperiode Kalifornier sprühen sich den vertrockneten Rasen grün

Wegen einer seit vier Jahren anhaltenden Rekorddürre beschränkt ein neues Gesetz den Einsatz von Rasensprengern in Kalifornien. Trotzdem wollen sich viele Hausbesitzer nicht von ihren geliebten leuchtend grünen Vorgärten verabschieden und greifen deshalb jetzt statt zum Gartenschlauch zur Sprühpistole. Mehr

27.05.2015, 15:21 Uhr | Gesellschaft
Nächster geplanter Börsengang Mit Kochboxen aufs Parkett

Lieferdienste für Lebensmittel sind schwer im Kommen. Die Umsätze in Deutschland haben sich binnen eines Jahres verdoppelt. Das nutzt nun Oliver Samwer für den nächsten Börsengang. Mehr Von Bettina Weiguny

17.08.2015, 15:28 Uhr | Finanzen

Veröffentlicht: 08.01.2013, 12:02 Uhr

Geld & Leben

"Meine Finanzen" hat die richtigen Tipps für jede Lebenslage. Zu welcher Gruppe gehören Sie?

Zinsen
Wertpapiersuche