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Mieten : Warum wird Wohnen so teuer?

Altbau mit Stuck und Parkett in den Großstädten kostet schnell 15 Euro je Quadratmeter im Monat Bild: Superbild

Vielerorts steigen die Mieten gewaltig. Viele Menschen zieht es trotzdem in die Städte. Jetzt winkt die Politik mit Preisbremsen. Doch oft gibt es auch in begehrten Städten noch günstigere Wohnungen.

          Im Landkreis Lüchow-Dannenberg müsste man wohnen. Für schlappe 290 Euro Kaltmiete kann man hier 80 Quadratmeter mieten. Es ist die günstigste Region Deutschlands. Doch wer mag schon hier im tiefsten Niedersachsen leben, wenn es dort für viele keine Arbeit gibt?

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die meisten zieht es in die Großstädte. Dort können die Bewohner von Minimieten wie in Lüchow nur träumen. Sie zahlen mindestens 700 Euro kalt für die gleiche Wohnung. München ist dabei mit einem Durchschnittspreis von 1020 Euro für 80 Quadratmeter mal wieder spitze in Deutschland, hat das Beratungsunternehmen Empirica ermittelt. Das Schlimme daran: Seit 2009 steigen die Mieten auch noch stark an - deutschlandweit um mehr als sieben Prozent, in manchen Städten aber deutlich mehr. Für Mieten inklusive Nebenkosten gehen ein Drittel der Konsumausgaben drauf, in Großstädten und bei ärmeren Familien sogar 40 bis 50 Prozent.

          Doch das Geklage ist nur ein Phänomen für einen Teil des Landes. Spürbare Mietpreissteigerungen zeigen sich zum Beispiel in einzelnen Vierteln begehrter Großstädte. Dazu gehören seit Jahren schon München, die Rhein-Main-Region, Stuttgart und Hamburg, Köln und Düsseldorf. Hier kletterten die Mieten seit 2009 um zweistellige Prozentsätze. Oder Universitätsstädte wie Münster, die von den derzeit hohen Studentenzahlen profitieren, was aber nach 2016 abebben wird.

          Vergleichsweise neu hingegen sind die Steigerungen in Berlin. Denn die Hauptstadt wächst, weil sie attraktiver für Gründer und die Kreativszene wird. Und die Mieten sind noch nicht unerträglich hoch. Auch in Ostdeutschland tut sich etwas. Jahrelang fielen die Mieten, doch nun gibt es attraktive Städte wie Dresden, Jena und Leipzig, wo die Wohnungen wieder teurer werden. Das absolute Mietniveau ist aber noch niedrig. Auch manche Regionen an Nord- und Ostsee, am Bodensee oder in Oberbayern legen kräftig zu.

          Junge Familien zieht es an den Stadtrand

          Der große Rest Deutschlands muss sich nicht mit höheren Mieten herumschlagen. Das gilt nicht nur für ländliche Gegenden in West und Ost, sondern auch für viele strukturschwache Groß- und Mittelstädte, etwa im Ruhrgebiet, in Cuxhaven und Emden oder in fränkischen Mittelstädten wie Ansbach, Kulmbach oder Hof. Und natürlich weiter in einigen ostdeutschen Städten wie Dessau oder Suhl. Doch warum entwickeln sich die Mieten in Deutschland so unterschiedlich? Warum steigen sie überhaupt, wo die deutsche Bevölkerung doch schrumpft und dadurch eigentlich weniger Wohnungen benötigt? Nicht alle dazu immer wieder genannten Gründe überzeugen.

          Das geht schon mit der Demographie los. Langfristig wird es tatsächlich weniger Deutsche geben. Doch derzeit ist davon noch nicht soviel zu spüren. Im Gegenteil: 2012 wanderten fast 400.000 Menschen mehr nach Deutschland zu als ab, 2011 waren es 280.000 mehr, die sich meist zuerst in den Großstädten niederlassen.

          In Deutschland ist das Wohnen teuer
          In Deutschland ist das Wohnen teuer : Bild: F.A.Z.

          Zudem wird auch langfristig die Bevölkerung nicht überall schrumpfen. München, Frankfurt & Co. bekommen ständig Neubürger, weil sie ausreichend hochwertige Arbeitsplätze und eine gute Lebensqualität bieten. Dieser Trend wird mindestens bis 2020 oder 2025 andauern, bevor auch hier die Demographie zuschlägt. Die Menschen kommen aus dem Umland oder Gegenden, in denen Arbeitsplätze verloren gehen, etwa aus dem Ruhrgebiet.

          Was hingegen nicht stimmt: Entgegen häufiger Behauptungen gehen die Senioren noch nicht verstärkt zurück in die Stadt, sagt Tobias Just, Professor für Immobilienwirtschaft an der Universität Regensburg. Dafür ziehen aber weniger junge Familien an den Stadtrand als früher und sorgen damit für zusätzliche Engpässe in den gefragten Innenstadtvierteln.

          Ausstattung entscheidet oft über Mietpreis

          Für alle Regionen gilt zudem, dass es trotz schrumpfender Bevölkerung mehr Haushalte als früher gibt. Ihre Zahl stieg seit 1991 von 35,3 auf derzeit 40,4 Millionen. Im Jahr 2025 sollen es schon 41,1 Millionen sein, bevor die Zahl dann tatsächlich demographiebedingt leicht sinkt - auf immer noch mehr als heute.

          Ein Grund für den Anstieg ist die wachsende Zahl von Singles. Das bedeutet mehr Bedarf für kleine Wohnungen. Zudem steigen die Ansprüche, die Mieter wollen in größeren und hochwertigeren Wohnungen leben. Die höhere Arbeitsplatzsicherheit in den vergangenen Jahren bestärkt die Menschen darin. Und die Rentner suchen altersgerechte Wohnungen, von denen es aber zu wenige gibt.

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