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Neue Baugenehmigungen : Warum die Großstädte keine Wohnungen mehr bauen

In Hamburg gehen die Baugenehmigungen im ersten Halbjahr 2014 um 14 Prozent zurück. Bild: dpa

Überall in Deutschland sind Baustellen. Nur in vielen Großstädten, in denen bezahlbarer Wohnraum Mangelware ist, werden weniger neue Wohnungen geplant. Warum nur?

          Obwohl gerade in den Ballungsgebieten Wohnraum knapp ist, fallen viele deutsche Großstädte beim Wohnungsbau zurück. So verzeichnet Hamburg bei den Baugenehmigungen ein Minus von 14 Prozent für das erste Halbjahr 2014 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. In Frankfurt am Main sind 35 Prozent und in Stuttgart 20 Prozent weniger Wohnungen geplant. Das hat die F.A.Z. aus Daten des Statistischen Bundesamtes errechnet.

          Johannes Pennekamp

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Anne-Christin Sievers

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Doch warum lässt die Bautätigkeit gerade in vielen Metropolen zu wünschen übrig, ließen sich bei den hohen Mietsteigerungen der vergangenen Jahre doch gerade dort hohe Mieteinnahmen erzielen?

          Die Gründe für diese Entwicklung, die nicht dafür spricht, dass der Mietpreisanstieg in vielen Ballungsräumen in absehbarer Zeit abflaut, sind vielfältig. „In vielen Großstädten ist das Bauland inzwischen begrenzt, zudem stehen zum Teil deutlich gestiegene Grunderwerbssteuern Neubauten im Weg“, sagte eine Sprecherin des Bundesverbandes der deutscher Wohnung- und Immobilienunternehmen (GdW) gegenüber der F.A.Z. 2010 wurden in Deutschland nach GdW-Angaben insgesamt 5,29 Milliarden Euro Grunderwerbsteuer gezahlt – 2013 waren es 8,4 Milliarden Euro. Bauherren würden sich wegen hoher Kosten immer häufiger dazu entschließen, in das Umland auszuweichen.

          Die insgesamt gestiegene Zahl der Baugenehmigungen bezeichnete Axel Gedaschko, der Präsident des Verbandes, als „dringend notwendig, damit sich der bestehende Wohnraummangel in wachsenden Großstadtregionen in Deutschland nicht weiter verschärft“. Damit der Trend weitergehe, müsse bei der geplanten Mietpreisbremse, „wie von Bundesjustizminister Maas bereits kürzlich angedeutet, der Neubau ausgenommen werden“, sagte Gedaschko.

          Die Bauindustrie profitiert von der Lust am Bauen. In den ersten fünf Monaten des Jahres hat die Bauindustrie etwa 15 Prozent mehr Umsatz gemacht als im Vorjahreszeitraum. Der milde Winter spielte den Unternehmen dabei in die Karten, zuletzt flachte der Umsatz aber ab. In der monatlichen Befragung des Münchener Ifo-Instituts beurteilten die Bauunternehmer ihre Geschäftsaussichten im Juli etwas schwächer – insgesamt sind diese aber auf hohem Niveau.

          Berlin und München sind die Ausnahmen

          In Berlin und München sieht die Lage anders aus. Gerade in der Hauptstadt lohnt es sich offenbar besonders, neuen Wohnraum zu schaffen. Seit Jahren schießen die Mieten dort in die Höhe, allein im ersten Quartal 2014 sind sie gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 14 Prozent gestiegen. Auch die Zahl der genehmigten Wohnungen hat sich verdoppelt. Dabei stieg in Berlin vor allem die Zahl der Wohnungen in Mehrfamilienhäusern an (plus 126 Prozent), während das Wachstum in Ein- und Zweifamilienhäusern mit etwa 12 Prozent eher durchschnittlich blieb. Auch in München werden mehr neue Wohnungen geplant. Im ersten Quartal lagen die Mieten hier immerhin sechs Prozent über dem Vorjahreswert. In der bayerischen Landeshauptstadt wurden rund ein Viertel mehr Wohnungen genehmigt als im vergangenen Jahr.

          Ganz vorn in Sachen Wohnungsbau liegt hingegen Heidelberg: Die Universitätsstadt ist mit einem Plus von satten 810 Prozent absoluter Spitzenreiter. Dabei nimmt hier die Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen in Ein- und Zweifamilienhäusern sogar um 20 Prozent ab. Dagegen hat sich die Bautätigkeit an Mehrfamilienhäusern verzwanzigfacht. Dafür gibt es einen plausiblen Grund. Die Stadt in Baden-Württemberg hat vor kurzem einen ganzen Stadtteil neu aus dem Boden gestampft, um der Wohnungsnot Herr zu werden: die sogenannte Bahnstadt. Ebenso sind Bamberg (plus 624 Prozent), Würzburg (plus 186 Prozent), Passau (plus 165 Prozent) und Weimar (plus 140 Prozent) in diesem Jahr besonders baufreudig. Allerdings wird nicht aus jeder Baugenehmigung auch tatsächlich ein fertiges Gebäude.

          Auch viele Orte im Osten Deutschlands sind auf den vorderen Rängen vertreten: So baute Dessau-Roßlau im Vergleich zum Vorjahreszeitraum etwa beachtliche 629 Prozent mehr neue Wohnungen, in Cottbus sind es 214 Prozent und in Halle (Saale) 200 Prozent mehr.

          Insgesamt sind im ersten Halbjahr 2014 Baugenehmigungen für rund 137.000 Wohnungen erteilt worden, wie das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden bekannt gegeben hat. Das waren knapp zehn Prozent mehr als in den ersten sechs Monaten des Vorjahres.

          Quelle: FAZ.net

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