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Wohnungskauf : Der Charme der eigenen Immobilie

Mieten oder vermieten? Der Kauf einer eigenen Wohnung lohnt sich am meisten, wenn man sie auch selbst bewohnt. Bild: dpa

Wer sich eine Wohnung kauft, sollte sie auch selbst bewohnen. Das lohnt sich viel mehr, als sie zu vermieten. Was gibt es dabei alles zu beachten?

          Ein Prozent Verzinsung ist ein starkes Argument. Ein starkes Argument dagegen, jetzt Anleihen zu kaufen oder sein Erspartes als Festgeld anzulegen. Aber mehr Zins gibt es derzeit nur mit deutlich höheren Risiken, die viele Anleger nicht eingehen wollen. Sie suchen Alternativen und finden – Immobilien. Die versprechen ebenfalls Sicherheit und einen stärker steigenden Wert.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Doch dann stellt sich vielen die Grundsatzfrage: Bisher sind sie Mieter. Sollen sie in die neu gekaufte Wohnung einziehen oder sie lieber vermieten? Liegt die neue Immobilie zum Beispiel in einer anderen Stadt, weil sich der Käufer in der boomenden Großstadt eine höhere Wertsteigerung erhofft als in seinem Heimatort, ist die Antwort klar: Die gekaufte Wohnung wird vermietet, und man bleibt Mieter seiner bisherigen Wohnung. Liegt der Neuerwerb aber in der gleichen Stadt, drängt sich ein Umzug auf. Denn warum den Vermieter monatlich bezahlen, wenn man doch selbst eine Immobilie besitzt?

          So eindeutig ist die Sache aber nicht. Manche bleiben in ihrer Mietwohnung, weil sie zum Beispiel größer ist als die gekaufte Wohnung oder näher an der Arbeitsstelle. Gleich eine größere Wohnung zu kaufen, können sich viele nicht leisten. Oder manche planen Nachwuchs und befürchten schon, dass die erworbene Immobilie vielleicht zu klein sein könnte.

          Andere wissen nicht, ob der Beruf sie möglicherweise bald in eine andere Stadt treibt, und sind daher unschlüssig, ob sie umziehen sollen. Auch andere Situationen können eine Entscheidung zwischen Eigennutzung oder Vermieten einer Immobilie erfordern: nämlich zum Beispiel dann, wenn die Eltern eine Wohnung an die Kinder vererben oder verschenken. Liegt die in der gleichen Stadt wie die Mietwohnung, stehen die Angehörigen genau vor dieser Wahl.

          Viele Kriterien sind für die Entscheidung wichtig

          Viele Kriterien sind dabei für die Entscheidung wichtig. Will ich mich auf der einen Seite mit Mietern und dem komplizierten Mietrecht herumärgern müssen? Oder will ich auf der anderen Seite in die eigene Wohnung einziehen, wenn die beruflichen und privaten Perspektiven unklar sind oder mehr Quadratmeter schöner wären? Eines der wichtigsten Kriterien ist, was am Ende finanziell attraktiver erscheint. Schließlich ist die eigene Immobilie auch eine Geldanlage – die größte, die man im Leben tätigt. Die sollte sich dann bitte schön auch maximal lohnen. Und zwar mehr als irgendein schnödes Festgeldkonto mit seinen skandalös niedrigen Minizinsen.

          Ob das so ist, hat Gösta Jamin für die F.A.S. ausgerechnet. Er ist Professor für Finanzwirtschaft und Bankbetriebslehre an der Hochschule Ludwigshafen am Rhein. Er geht von einem sehr vorsichtigen, risikoscheuen Menschen aus, der 50.000 Euro gespart hat und jetzt überlegt, was er damit künftig machen will. Aktien kommen für diese Person nicht in Frage. Sie wären hochlukrativ, aber sind ihm zu riskant. Also denkt er vier andere Szenarien durch: den Kauf von Anleihen, die derzeit 1,5 Prozent Rendite im Jahr abwerfen. Das Hoffen auf frühere Zeiten, in denen Anleihen noch drei Prozent im Durchschnitt brachten. Und den Kauf einer Wohnung (inklusive Nebenkosten) im Wert von 250.000 Euro, die er entweder vermietet oder selbst bewohnt.

          Gösta Jamin hat nun ausgerechnet, welches Vermögen sich nach 30 Jahren nach Steuern angesammelt hat (siehe Grafik). Am schlechtesten schnitt dabei der Kauf von Anleihen zum derzeit sehr niedrigen Zins ab. Das Vermögen erhöht sich so nur von den ursprünglich 50.000 Euro auf 70.000 Euro. Das ist allerdings auch ein sehr negatives Szenario, weil zu erwarten ist, dass die Zinsen innerhalb der nächsten 30 Jahre auch wieder für längere Zeit höher liegen werden. Nimmt man an, dass die Anleihen wieder die früher üblichen drei Prozent im Jahr abwerfen, stiege das Vermögen auf 96.000 Euro.

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