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Auch ohne Immobilienmakler : So finden Sie günstig neue Mieter

Mietersuche über das Internet: Wer wird wohl hier einziehen? Bild: Bally/Keystone Schweiz/laif

Einfach Immobilienmakler anrufen und fertig: Diese Zeiten sind seit diesem Monat vorbei. Von nun an müssen die Vermieter selbst bezahlen. Doch übers Internet geht es billiger und schneller. Wir zeigen Ihnen wie.

          Den richtigen Partner zu finden ist schwer, das gilt auch für den Bund zwischen Vermieter und Mieter. Rund zwei Drittel aller Mietwohnungen hierzulande werden von Privatvermietern unter die Wohnbevölkerung gebracht. Und die wünschen sich mehrheitlich eines, sagen sie selbst: Bewohner, die möglichst lange in den vier Wänden bleiben. Schließlich will kein Hausbesitzer ständig nach neuen Mietern suchen.

          Nadine Oberhuber

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das müssen sie aber oft genug: Etwa 30 Prozent aller Mieter zieht schon nach zwei Jahren wieder aus, etwa die Hälfte spätestens nach fünf Jahren. Das bedeutet Arbeit, bei der sich viele Vermieter bisher von Maklern helfen ließen. Die Provisionen wälzten sie auf die Mieter ab. Doch seit dem 1. Juni gilt: Wer den Makler beauftragt, zahlt.

          Heißt das nun hohe Ausgaben für Privatvermieter? Das muss nicht sein. Denn es gibt schon fast so viele Mieterbörsen wie Singlebörsen im Internet. Hier finden Vermieter die passenden Bewohner, manchmal sogar ohne einen Cent dazuzuzahlen.

          Kostenlos aber zu spät

          Eines haben fast alle Suchbörsen gemeinsam: Das direkte Einschalten von Maklern ersparen sie beiden Seiten – und damit viel Geld. Manche arbeiten aber mit Maklern zusammen, allerdings viel günstiger als bisher. Bislang betrug die übliche Courtage 2,38 Kaltmieten, bei einer Monatsmiete von 750Euro also 1785 Euro. So viel berappt bei den Portalen keiner mehr. Die Bezahlmodelle sind aber sehr unterschiedlich und die Serviceleistungen, die man dafür bekommt, ebenso.

          Bei einigen Plattformen können Vermieter ihre Wohnung völlig kostenlos inserieren. Die Interessenten zahlen nämlich dafür, dass sie die Inserate ansehen können, zum Beispiel fünf Euro pro Monat bei der Internetseite „mietercasting.de“. Dafür können sie nach Angaben des Portals 170.000 Wohnungsanzeigen durchsuchen. Oder fünf Euro für den Dreitageszugang und 25 Euro für einen ganzen Monat bei der Seite „Salz&Brot“ (salzundbrot.com).

          Hier kann man zwar auch kostenlos Anzeigen lesen, doch frühestens sieben Tage nach Erscheinungstag. Die begehrtesten Wohnungen dürften dann bereits vermietet sein, deshalb lohnt sich für Mietinteressenten der kleine Beitrag für den Premium-Zugriff.

          Schön für Vermieter – schön für Mieter?

          Bei „faceyourbase.com“ zahlen ebenfalls nur die Mieter, und zwar zehn Euro, dafür, dass sie unbegrenzt in den Annoncen suchen dürfen. Finden sie ihre Traumwohnung, legen die Wohnwilligen noch einmal 30 Euro drauf, für das Gelingen des Mietvertragsabschlusses sozusagen.

          Die Vermieter klicken sich bei diesen für sie kostenlosen Portalen dann regelmäßig durch die Bewerber, die sie in ihren Postfächern finden, und lesen, was die alles von sich preisgeben. Meist sind das eher die üblichen Angaben, die Mieter freiwillig von sich machen im Stile von „junges, verheiratetes Paar mit gesichertem Einkommen sucht...“.

          Bei Faceyourbase laden die Wohnungsinteressenten sogar ihre kompletten Facebook-Profile hoch und verraten damit ziemlich viel über Freunde und Hobbys. Hier erfahren Vermieter also sehr viel über ihre Zukünftigen. Das ist schön für den Vermieter, ob es auch immer im Sinne des Mieters ist, darüber lässt sich streiten.

          Vermieter verschenkt Kaltmiete

          Man kann es sich als Vermieter noch einfacher machen, allerdings zahlt man dann auch eine Vermittlungsgebühr dafür: Wer zum Beispiel gerade die Kündigung seines Mieters im Briefkasten findet, der kann den Wegziehenden auf die Plattform „Nachmieter.de“ einladen. Hier muss der Vermieter natürlich zuerst selbst einen Account angelegt haben. Der Clou: Der Kündigende kümmert sich in diesem Fall selbst um die Nachmietersuche.

          Er beschreibt also die Wohnung und sagt, warum er dort gerne gewohnt hat – aber auch, welche Macken sie hat. Er kontaktiert seine Freunde und Bekannten mit Hilfe seiner sozialen Netzwerke und erzählt ihnen von der frei werdenden Wohnung. Außerdem organisiert er die Besichtigungen. Findet sich ein williger Nachmieter, meldet er die Daten dem Vermieter und dieser schaut sich den Bewerber an.

          Für den Aufwand gibt es eine Entlohnung: Bei Vertragsabschluss zahlt der Wohnungsbesitzer dem Altmieter eine Kaltmiete für die Nachmietersuche und als Beihilfe zum Umzug, wenn man so will. Der Vorteil des Modells ist, so hoffen die Plattformgründer: Empfiehlt ein bisheriger netter Bewohner einen Nachmieter aus seinem Bekanntenkreis, dann kennt dieser oft die Wohnung schon – und womöglich verstehen sich auch Neumieter und Vermieter gut.

          Makler zum Festpreis

          Ein paar Euro ist den meisten Eigentümern die Mietersuche ja durchaus wert: 250 bis 560 Euro würden die meisten dafür ausgeben, sagen sie in Umfragen des „Center for Real Estate Studies“ selbst. Einige lokale Makler werben derzeit bereits damit, dass sie nur noch Festpreise für die Wohnungsvermittlung verlangen, die deutlich unter der früher üblichen Courtage liegen. Kleinere Makler in mittelgroßen Städten bieten die Vermietung zum Beispiel für 340 bis 390 Euro an oder gehen jetzt mit Staffeltarifen an den Markt.

          Je nachdem, wie viel Arbeit sie dem Vermieter abnehmen, kostet ein Schnellvermietungspaket dann ein paar hundert Euro oder doch mal 1500 Euro mit Rundumservice. Der Festpreismakler „flatberlin.de“ etwa verlangt 490Euro für sein Einstiegspaket und eine Wohnung von maximal 45 Quadratmetern. Der Wettbewerber „vermietster.de“ startet mit 500Euro zunächst in Hamburg, will aber künftig auch in fast allen anderen deutschen Großstädten aktiv sein.

          Auch auf fast allen anderen Bezahlportalen im Netz bekommt man für solche Summen künftig recht üppigen Service, manchmal sogar Rundum-Sorglospakete inklusive Versicherungen gegen Mietausfälle für ein ganzes Jahr. Einige Suchportale setzen bei der Arbeit sogar ortsansässige Makler ein, die auch Besichtigungstermine und Vertragsausarbeitungen übernehmen. Da muss der Vermieter am Ende nur noch unterschreiben.

          Zwischen Partnersuche und Auktion

          Die günstigsten Portale, auf denen Vermieter noch am meisten selbst machen müssen, sind unter anderen „ohne-makler.net“ und „devepo.de“. Zwischen zehn Euro und 120 Euro kostet es, hier ein Inserat einzustellen, das auf mehreren Immobiliensuchplattformen veröffentlicht wird, etwa auf Immoscout, Immowelt und einigen anderen – je nachdem, wie lange die Anzeige geschaltet wird und auf wie vielen Portalen gleichzeitig. „devepo.de“ und teurere Portale helfen außerdem dabei, den Ansturm der Bewerber inklusive der Besichtigungstermine und aller Folgearbeiten zu bewältigen: Bei „immomio.de“ etwa gibt es das Inserat mit Mietersuche für knapp 150 Euro. Die Plattform filtert dabei wie eine Partnerbörse je nach Wünschen des Vermieters und nach Profilangaben der Interessenten (Alter, Einkommen, Bonität, Zahl der Mitbewohner, Haustiere) diejenigen Wohnungsbewerber heraus, die am besten zum Vermieter passen dürften und präsentiert sie zuerst.

          Nach diesem Prinzip sortiert auch „moovin.de“ passende Bewerber für knapp 200Euro vor. Einen Schritt weiter geht „smmove.de“: Es zeigt an oberster Stelle alle Mieter, die nicht nur die Vermieter-Ansprüche am besten erfüllen, sondern auch bereit sind, die höchste Miete zu zahlen. Smmove funktioniert sozusagen wie eine Mischung aus Partnersuchportal und Auktionsplattform, bei der die Interessenten im Bieterverfahren angeben, was ihnen die jeweilige Wohnung wert ist.

          Mit Anwalt – Vermietung all-inclusive

          Natürlich kann der Vermieter am Ende selbst entschieden, welchen Mietpreis er tatsächlich verlangt. Für diesen Service muss der Vermieter allerdings bei Vertragsabschluss 25 Prozent einer Nettokaltmiete an Smmove zahlen.

          Viel Rennerei oder Organisationsarbeit muss der Vermieter sich auch ohne herkömmlichen Makler nicht machen, wenn er nicht will: Wem schon das Ausfüllen der Wohnungsbeschreibung und das Fotografieren der Räume zu aufwendig ist, der kann sich das abnehmen lassen. Moovin etwa bietet einen Exposéservice und die Besichtigung mit jenen Kandidaten, die der Vermieter ausgewählt hat, gleich dazu. Das kostet 280 Euro.

          Vermieterpro.de“ kümmert sich für 450 Euro sogar um die finale Mieterauswahl und die Vertragsabwicklung. Das Komplettpaket für ein Jahr umfasst hier für 1050 Euro sogar noch das Übergabeprotokoll, Tipps vom Mietrechtsanwalt bei Streitigkeiten und eine Wiedervermietungsgarantie, falls der Mieter doch zu schnell das Weite sucht.

          Auch ohne Makler möglich

          Einen ähnlichen Zusatzservice bietet auch „rentkit.de“. Für 0,85 Nettokaltmieten bekommt man seine Wohnung ohne viel Eigenleistung vermietet. Wer bereit ist, fünf Prozent der Kaltmiete monatlich zu zahlen, bekommt eine Mietschutzversicherung gegen zahlungsunwillige Bewohner, die Nebenkostenabrechnung und die regelmäßige Kontrolle des Mieteingangs dazu.

          Einen Partner für die eigenen vier Wände zu finden, ist also künftig auch ohne Makler nicht allzu schwer. Ob die Verbindung aber auch wirklich von Dauer sein wird, muss sich trotz aller Computeralgorithmen immer noch im echten Leben erweisen.

          Quelle: F.A.S.

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