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Wohnen in Deutschland : Das Eigenheim war nie erschwinglicher

Ein Neubaugebiet in Schildow, aufgenommen im Oktober 2013 Bild: Picture-Alliance

Nie konnten sich mehr Menschen in Deutschland ein eigenes Haus leisten, sagt ein Immobilienverband. Denn die Bauzinsen sind so niedrig wie nie - und die Einkommen steigen.

          Alle stöhnen über steigende Mieten und die hohen Preise für Häuser und Wohnungen. Tatsächlich ist es vor allem in den Großstädten immer teurer geworden, eine Immobilie zu mieten oder zu kaufen. Zwar ist die Preisentwicklung jüngst wieder abgeflacht, aber der Preistrend nach oben bleibt bestehen. Umso überraschender das Ergebnis, zu dem der Immobilienverband IVD an diesem Dienstag kommt: Nie war selbstgenutztes Wohnungseigentum für die Deutschen erschwinglicher als im Jahre 2014.

          Anne-Christin Sievers

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Was, denkt man, kann das sein? Oder: Der IVD, das ist doch der Verband der Immobilienmakler und Verwalter - die haben ein Interesse daran, die Preise kleinzureden.

          Doch so abwegig ist die These nicht. Denn ob sich die Deutschen eine Wohnung oder ein Haus kaufen können, hängt nicht nur von den Immobilienpreisen ab. Auch die Zinsen für Baukredite und das verfügbare Einkommen des künftigen Immobilienbesitzers spielen eine große Rolle.

          Der IVD-Erschwinglichkeitsindex fasst deshalb diese drei Faktoren zusammen. Er gibt so Auskunft darüber, wie sehr es sich ein durchschnittlicher deutscher Haushalt leisten kann, eine Immobilie zu kaufen. Je höher der Index-Wert, desto erschwinglicher die deutschen Immobilien. Für 2014 ist der Index für Einfamilienhäuser von rund 127 Punkten im Vorjahr auf einen Wert von 139 gestiegen. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 lag der Index noch bei 67 Punkten.

          Die niedrigen Kreditzinsen machen’s aus

          Der Verband erklärt den hohen Indexstand folgendermaßen: Da die Bauzinsen im vergangenen Jahr deutlich gefallen und die Löhne vergleichsweise stark gestiegen seien, hätten die Häuslebauer die monatlichen Zahlungen für den Immobilienkredits leichter bedienen können.

          Tatsächlich hat schon im vergangenen Mai der Verband deutscher Pfandbriefbanken für FAZ.NET die gestiegenen Immobilienpreise mit den gesunkenen Kreditzinsen verglichen - und war zu dem Schluss gekommen: Die niedrigen Zinsen gleichen die hohen Immobilienpreise aus, in Summe wird der Hauskauf billiger - überall in Deutschland.

          Unter den deutschen Großstädten finden Interessierte die erschwinglichsten Eigenheime in den östlichen Bezirken Berlins, hier beträgt der Index-Wert 139,45. Auf dem zweiten Platz liegt Dresden mit einem Wert von 135,18, gefolgt von Leipzig (132,59), Hannover (130,18) und Hamburg (124,77). „Der günstige Wert für Hamburg erklärt sich durch das gute Verhältnis des verfügbaren Einkommens zum Immobilienpreis“, sagt Jürgen Michael Schick, Vizepräsident des Immobilienverbandes.

          Am schlechtesten können sich die Deutschen weiterhin in München eine Immobilie leisten, der Indexwert beträgt 58,65. Laut IVD müsse hier ein durchschnittlicher Haushalt fast 43 Prozent seines Einkommens für die Immobilienfinanzierung ausgeben. Auch Frankfurt am Main, Stuttgart und Düsseldorf macht Hausbesitzern in spe die Entscheidung nicht leicht.

          In mittelgroßen Städten mit 100.000 bis 500.000 Einwohnern wie Braunschweig und Bielefeld sind Einfamilienhäuser durch die niedrigeren Immobilienpreise deutlich erschwinglicher als in den Großstädten. Hier müssen die Käufer nur etwa 15 Prozent des Haushaltseinkommens im Monat ausgeben, um den Kredit zu finanzieren.

          Doch noch erschwinglicher dürften Häuser in diesem Jahr nicht mehr werden. Der IVD geht davon aus, dass der Index für 2015 wieder leicht zurückgeht, weil die Zinsen für Baukredite kaum noch weiter sinken können, die Preise für Wohneigentum aber weiter moderat steigen dürften.

          Grundlage des Index sind die Preise für freistehende Einfamilienhäuser mit mittlerem Wohnwert. Der Verband ging davon aus, dass die Käufer einen Kredit über 30 Jahre aufnehmen und damit 75 Prozent des Kaufpreises bezahlen.

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