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Beispielrechnung : So sieht das neue Baukindergeld aus

Das Baukindergeld kann sich lohnen – ja nachdem, wo man den Grundstein legt. Bild: dpa

Die große Koalition hat sich auf die Einführung des Baukindergelds für Familien geeinigt. FAZ.NET rechnet vor, für wen sich das besonders lohnt.

          Nach einem unerwartet holprigen Endspurt ist eines der wichtigsten Projekte der Großen Koalition durch: Das Baukindergeld kommt und zwar wie ursprünglich vereinbart. Rückwirkend zum 1. Januar 2018 gibt es für Familien für den Kauf oder Bau einer Immobilie über zehn Jahre hinweg 1200 Euro je Kind und Jahr. Das gilt allerdings nur für jene mit einem zu versteuernden Haushaltseinkommen von 75.000 Euro, plus 15.000 Euro Freigrenze pro Kind. Eine nachträglich überraschend beschlossene Deckelung der Quadratmeterzahl auf 120 Quadratmeter hat die Koalition wieder gekippt, dafür soll es nun eine Antragsfrist bis Ende 2020 geben. Dadurch soll der geplante Finanzrahmen von zwei Milliarden Euro gehalten werden.

          Jessica Sadeler

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Die Union setzt mit dem Baukindergeld einen Haken hinter eines ihrer Wahlversprechen: Mit der Förderung will sie jungen Familien dabei helfen, den Traum von den eigenen vier Wänden zu verwirklichen. Zähneknirschend hatte die SPD der Finanzspritze in den Koalitionsverhandlungen zugestimmt. Sie beklagt, dass auch Arbeitnehmer mit geringem Einkommen, die sich trotz der Förderung keine Wohnung kaufen können, die Leistung über ihre Steuern indirekt mitzahlen.

          Opposition und Bürger sind skeptisch

          Von den Grünen („wohnungspolitischer Unsinn hoch drei“) und der FDP („Milliardenverschwendung“) erntet das Baukindergeld ebenfalls harsche Kritik. Gegen den „Mietwahnsinn“ in den Städten bringe die Subvention rein gar nichts, monieren die Grünen, man solle doch lieber für Entlastung bei der Steuer sorgen und einen Freibetrag für die Grunderwerbssteuer schaffen, fordern die Freien Demokraten.

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          Auch viele Bürger sind von der Wirkung des Zuschusses nicht überzeugt. Gut jeder Zweite bezweifelt, dass die staatliche Förderung den Haus- oder Wohnungskauf attraktiver macht. Mit Vorteilen rechnet nur gut jeder Dritte, wie aus einer repräsentativen Befragung für den Zentralen Immobilien-Ausschuss hervorgeht. Besonders in sehr dicht besiedelten Regionen glauben die Menschen demnach nicht daran, dass der Plan der Bundesregierung aufgeht. Doch auch auf dem Land überwiegt die Zurückhaltung.

          Lohnt sich besonders in Ostdeutschland

          Ist das Baukindergeld also reine Symbolpolitik, ein zahnloser Tiger? Eine kleine Rechnung: Eine vierköpfige Familie möchte sich eine Immobilie mit mehr als 80 Quadratmetern und vier Zimmern kaufen. Ihr Brutto-Haushaltseinkommen liegt unterhalb der Grenze von 75.000 Euro plus 30.000 Euro für die beiden minderjährigen Kinder. Demnach erhält sie gemäß den von der Regierung vereinbarten Konditionen über zehn Jahre hinweg einen Zuschuss von insgesamt 24.000 Euro.

          Klingt ja erst einmal ganz gut, zumindest, wenn die Familie in Thüringen im Kyffhäuserkreis nach einer Wohnung oder einem Haus sucht. Der durchschnittliche Kaufpreis (ohne Kaufnebenkosten) für eine dortige Immobilie ab 80 Quadratmetern lag Berechnungen von Immowelt.de zufolge im vergangenen Jahr bei 47.000 Euro. Mit dem Baukindergeld könnte die Familie also schon die Hälfte der Kosten für das Eigenheim abdecken. Auch in Sachsen-Anhalt, etwa im Landkreis Harz, lohnt sich die Subvention. Dort würde die Familie bei einem durchschnittlichen Kaufpreis von 100.000 Euro 25 Prozent der Kosten von der Regierung geschenkt bekommen.

          Überhaupt kann sich die Quote für die neuen Bundesländer sehen lassen: Im Mittel liegt der Kaufpreis für eine den Wünschen unserer Beispielfamilie entsprechenden Immobilie in den Bundesländern Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern bei rund 133.000 Euro. Das Baukindergeld nimmt der Familie dort also im Durchschnitt 18 Prozent der Kostenlast ab. In Westdeutschland, wo eine Immobilie ab 80 Quadratmeter mit durchschnittlich 237.000 Euro zu Buche schlägt, übernimmt der Staat nur noch zehn Prozent des Kaufpreises.

          Entstehen überhaupt neue Wohnungen?

          Mit Blick auf die Ballungsräume sinkt die Quote weiter. In den fünf größten deutschen Städten Hamburg, Berlin, Köln, Frankfurt und München kostete eine entsprechende Immobile im vergangenen Jahr im Mittel 366.000 Euro, wodurch die Förderung von 24.000 Euro nur noch rund sechs Prozent des Kaufpreises ausmachen würde. Am wenigsten profitieren dabei die Münchner, die bei einem Durchschnittspreis von 525.000 Euro mit dem Baukindergeld nur 4,5 Prozent des Kaufpreises sparen. Wenig überraschend: Im bayerischen Landkreis Starnberg ist die Förderung bei durchschnittlichen Immobilienpreisen von 895.000 Euro ein Tropfen auf den heißen Stein.

          Nun gibt es freilich auch die Möglichkeit, das Baukindergeld seinem Namen entsprechend tatsächlich für den Hausbau zu nutzen. Die Grunderwerbsteuer liegt im bundesweiten Durchschnitt bei 5 Prozent und dürfte vielerorts schon einen Großteil des Baukindergeldes fressen. In Berlin, wo die Grunderwerbssteuer 6 Prozent beträgt, würden bei einem Grundstückspreis von 600.000 Euro 36.000 Euro anfallen – und die 24.000 Euro Förderung unserer Familie nicht einmal dafür reichen.

          In Städten, wo der Grund knapp ist, droht das Baukindergeld gar zu einem „Kaufkindergeld“ zu werden, wie etwa der Deutsche Mieterbund kritisiert. Durch den Kauf bestehender Eigentumswohnungen beziehungsweise umgewandelter Mietwohnungen werde der Wohnungsmarkt nicht entlastet. „Im Gegenteil: Es entstehen keine neuen Wohnungen, stattdessen wird die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen angereizt und die Preise steigen.“

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