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Kriminalität : Wie Einbrüche die Immobilienpreise beeinflussen

Besonders am Stadtrand und in sozialen Brennpunkten ist die Gefahr hoch, Opfer eines Einbruchs zu werden. Bild: dpa

Die Zahl der Einbrüche steigt. Hat das Auswirkungen auf den Häusermarkt? Und wenn ja, wieso sind in manchen Gegenden Wohnungen trotz vieler Diebstähle teuer?

          151.000 Mal ist im vergangenen Jahr laut amtlicher Polizeistatistik in Deutschland eingebrochen worden. Das war etwas weniger als im Vorjahr, aber doch deutlich mehr als noch vor zehn Jahren (2006: 106.000 Fälle). Das Internetportal Immowelt ist jetzt der Frage nachgegangen, ob es mittlerweile schon Abschläge auf Immobilienpreise in Regionen mit besonders hohen Einbruchszahlen gibt. In einem Vergleich wurden Datensätze über Kaufpreise für Wohnungen in 39 Großstädten jeweils der Polizeistatistik für die Zahl der Einbrüche je 100.000 Einwohner gegenübergestellt – und verschiedene Thesen über einen Zusammenhang diskutiert.

          Was man bei dem Vergleich auf Anhieb sieht: Ganz einfach linear ist der Zusammenhang, wenn es denn einen gibt, jedenfalls nicht. Es gibt Städte mit hohen Einbruchszahlen, in denen die Immobilienpreise tatsächlich nicht besonders hoch sind, wie Dortmund und Bremen. Es gibt aber auch Städte wie Hamburg, in denen es viele Einbrüche gibt, aber die Immobilien – aus anderen Gründen – trotzdem relativ teuer sind. Ob Immobilien in Hamburg noch teurer wären, wenn es dort weniger Einbrüche gäbe, ist aus den Zahlen so jedenfalls nicht herauszulesen.

          In dem Vergleich wird zudem die These getestet, ob es teure Städte mit wenig Kriminalität gibt, in denen sich gleichsam die Reichen verschanzen, die dort dann auch eine gewisse Sicherheit durchsetzen. Zumindest für diese Betrachtung der Großstädte insgesamt ließ sich diese These nicht erhärten. Zwar gibt es in der Tat Städte wie München, in denen es wenig Einbrüche je 100.000 Einwohner gibt und in denen die Kaufpreise hoch sind. Allerdings gibt es, gerade in Bayern, auch mittelgroße günstige Städte, in denen wenig eingebrochen wird. Augsburg und Nürnberg sind zwei Beispiele – 77 Einbrüche kommen in Augsburg auf 100.000 Einwohner, in Nürnberg sind es 105. In beiden Städten sind die Kaufpreise mit 2670 Euro je Quadratmeter noch eher moderat.

          Bild: F.A.Z.

          Eine dritte mögliche These wäre, dass vor allem da eingebrochen wird, wo viel zu holen ist – was wiederum mit hohen Immobilienpreisen korrelieren könnte. Dafür reicht es allerdings möglicherweise nicht, sich die Zahlen für die Großstädte insgesamt anzuschauen. „Oft sind derartige Effekte derart kleinräumig verteilt, dass sich keine Aussagen auf Stadtebene machen lassen“, schreiben die Autoren. Schon Art und Dichte der Bebauung in einem Viertel könnten Täter anlocken oder abschrecken. Manchmal könne auch eine gute Anbindung eines Viertels ans Autobahnnetz ein Anreiz für Einbrecher sein.

          Für Berlin, eine Stadt mit relativ vielen Einbrüchen (327 je 100.000 Einwohner), hat Reiner Braun vom Immobilien-Institut Empirica mal einen Blick auf die verschiedenen Stadtteile geworfen. Sein Befund: In den Einfamilienhausgebieten am Stadtrand, West wie Ost wie Nord, werde viel eingebrochen. Dort seien die Häuser bisweilen einsam gelegen, und es sei „was zu holen“. Außerdem gebe es viele Einbrüche in Plattenbausiedlungen etwa in Marzahn und Hohenschönhausen: Dort befänden sich soziale Brennpunkte. Ein weiterer Schwerpunkt sei der Kurfürstendamm, dort sei „was zu holen“. „Ich meine, der Faktor Einbruch ist im Objekttyp Einfamilienhaus und in der Lage Stadtrand oder Wald schon immer eingepreist“, sagt Braun: „Wenn die lokale Einbruchsrate plötzlich steigt, kann das natürlich schon Auswirkungen haben.“ Aber oft korreliere das dann mit einem veränderten sozialen Milieu – und damit mit anderen, noch stärker preisbestimmenden Faktoren. Ähnlich sieht das der Kreditvermittler Dr. Klein für die Ruhrgebietsstädte – die angespanntere Arbeitsmarktlage und die damit niedrigeren Einkommen seien die Hauptgründe für die niedrigeren Immobilienpreise.

          Quelle: F.A.Z.

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