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Berlin : Die Mietpreisbremse scheint zu wirken

  • -Aktualisiert am

Sanierte Wohnhäuser in Prenzlauer Berg Bild: dpa

Berlin hat Anfang Juni als erstes Bundesland die umstrittene Mietpreisbremse eingeführt. Erste Zahlen zeigen, dass Wohnungssuchende deutlich weniger zahlen müssen.

          Seit dem 1. Juni gilt in Berlin die Mietpreisbremse, und sie zeigt anscheinend Wirkung. Die mittleren Kaltmieten pro Quadratmeter (Median) sind von Mai zu Juni um 3,1 Prozent im gesunken. Das ist das Ergebnis einer Auswertung des Internetportals Immobilienscout24, die FAZ.net vorab vorliegt. Dieser Rückgang ist ungewöhnlich stark.

          Für Jan Hebecker, Leiter Daten & Märkte des Portals, ist schon jetzt klar, dass die Mietpreisbremse wirkt: „In anderen Metropolen, die durch angespannte Wohnungsmärkte gekennzeichnet sind und noch keine Mietpreisbremse eingeführt haben, steigen die Mieten weiter“, sagt er. In Frankfurt gingen die Mieten im Juni um 0,1 Prozent nach oben, in Düsseldorf blieben sie konstant und in München sanken sie um 0,1 Prozent.

          Immobilienscout24 erhebt diese Zahlen jeden Monat für alle im Portal eingestellten Wohnungen. Dabei rechnet die Immobilienplattform die angegebenen Gesamtmieten auf Medianquadratmetermieten um. Beim einer Medianauswertung werden alle ermittelten Mieten aufsteigend angeordnet. Die Miete, die sich genau in der Mitte befindet, ist der Median.

          Dieser Wert ist robuster gegen extreme Ausreißer und korrigiert zudem die typische schiefe Verteilung von Immobiliendaten, bei denen es verhältnismäßig viele Extremwerte im oberen Bereich gibt. Die Durchschnittsmiete der 12.500 erfassten Berliner Wohnungen für Juni ist laut Immobilienscout24 um 1,8 Prozent ebenso gesunken, damit jedoch weniger stark als der Median. Wie belastbar die nun ermittelten Zahlen sind, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.

          Keine Daten für Stadtbezirke bisher

          Mit Blick auf Berlin stellt das Portal fest, dass in den vergangenen eineinhalb Jahren die Angebotsmieten um durchschnittlich 0,3 Prozent je Monat gestiegen seien. Der starke Abfall im Juni von mehr als drei Prozent könne daher nur eine Folge der Mietpreisbremse sein. In einigen Monaten dürften auch so viele Daten vorliegen, dass Immobilienscout24 belastbare Zahlen für die einzelnen Stadtbezirke ausweisen kann. Auf einen Monat gerechnet könne man das für Juni noch nicht gesichert sagen.

          Der Mechanismus der Mietpreisbremse funktioniert dabei wie folgt: Vermieter dürfen neue Angebote nun nicht mehr in dem Maße erhöhen, wie sie es noch im Mai getan haben, als die Mietpreisbremse noch nicht in Kraft getreten war. Deshalb sind die Mieten bei Neuvermietungen im Vergleich von Mai zu Juni in Berlin zurückgegangen. Das heißt umgekehrt aber nicht, dass der Vermieter bei einer Neuvermietung die Mieten gar nicht mehr erhöhen darf. Die Mietpreisbremse legt lediglich fest, dass der Preis für eine angebotene Wohnung nicht mehr als 10 Prozent über der ausgewiesenen ortsüblichen Vergleichsmiete liegen darf. Die Zahlen von Immobilienscout24 könnten daher so verstanden werden, dass Vermieter bei Neuvermietungen bis Juni deutlich mehr aufgeschlagen hatten.

          Nach Berlin haben zum ersten Juli diesen Jahres Hamburg und Nordrhein-Westfalen ebenfalls die gesetzlich vorgeschriebene Mietpreisbremse eingeführt. Bald sollen Bayern und Rheinland-Pfalz folgen. Dort werden allerdings nur ausgewählte Kommunen als „Gebiete mit angespanntem Wohnungsmarkt“ ausgewiesen, in Berlin gilt die Kappung flächendeckend.

          Keine neuen Wohnungen

          Die Mietpreisbremse wurde von der Großen Koalition als Reaktion auf die immer weiter steigenden Mieten und den Wohnungsmangel in vielen Großstädten initiiert, gilt aber für viele Ökonomen als ordnungspolitisch falsches Lenkungsinstrument, da es den Marktmechanismus außer Kraft setzt. Der Bundesverband der Haus- und Wohnungseigentümer Haus & Grund kritisierte die Bremse scharf, weil dadurch keine neuen Wohnungen geschaffen würden. Stattdessen erhöhe sich nur der Kampf um begehrte Wohnungen in guten Lagen, weil die Mieten nun niedriger seien.

          Vergangene Woche hieß es noch von Seiten des Berliner Mietervereins, dass sich nach einer Stichprobe in Internetportalen und einer Mitgliederbefragung die wenigstens Vermieter an die Mietpreisbremse hielten. Ein Grund dafür sei, dass kaum Bußgelder bei einem Verstoß gegen die Regelung verhängt würden.

          Im Vergleich mit anderen Metropolen in der Welt sind die Mieten in deutschen Großstädten noch gering. In Großbritannien liegen sogar die Durchschnittsmieten für das gesamte Land knapp über dem für Deutschland hohen Münchener Schnitt. In London zahlen Mieter rund 2000 Euro für eine Wohnung, in München im Durchschnitt nur etwa 1200 Euro.

          Quelle: FAZ.NET

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