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Bauboom : Warum Häuslebauer keinen Handwerker finden

Ein Neubaugebiet in Köln. Bild: dpa

Die Deutschen wollen bauen – doch kein Handwerker hat Zeit für sie. Wo es einen gibt, ist er zu teuer. Neue Zahlen zeigen: Diese Probleme haben System.

          Die Deutschen wollen bauen – doch sie finden keine Handwerker. Und wenn doch, dann sind die zu teuer. So sieht es auf dem Wohnungsmarkt derzeit aus. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts sind die Baupreise für Wohngebäude im Februar gegenüber dem Vorjahr um 4 Prozent gestiegen, so stark wie seit zehn Jahren nicht mehr. Immobilienverbände begründen den Preisanstieg mit langwierigen Genehmigungsprozessen und politischen Vorgaben zum Energiesparen. So seien die Kosten für sanitäre und elektrische Installationen besonders stark gestiegen. Vor allem aber wird auf die starke Auslastung der Bauunternehmen verwiesen, die Preiserhöhungen begünstige.

          Michael Psotta

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Immobilienteil.

          Tatsächlich blüht die Baubranche. Im Januar 2018 ist die Bauwirtschaft mit einem Umsatzwachstum von 22,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat ins neue Jahr gestartet. Wie das Statistische Bundesamt am Dienstag weiter mitteilte, hatten an diesem Zuwachs fast alle Wirtschaftszweige des Bauhauptgewerbes ihren Anteil, allen voran die Dachdeckerei und die Bauspenglerei mit 37,6 Prozent sowie die Zimmerei und der Ingenieurholzbau mit 27,5 Prozent. Am geringsten fiel der Zuwachs im Bau von Straßen und Bahnverkehrsstrecken aus; aber auch dort betrug er noch 6 Prozent.

          Ein starker Aufschwung – wie lange kann der weitergehen?

          Vermutlich ist der gewaltige Zuwachs im Januar kein Hinweis auf einen neuen sprunghaften Wachstumsschub. Dafür spricht, dass der Jahresbeginn in Deutschland ungewöhnlich warm war und somit die Bautätigkeit überdurchschnittlich hoch. Doch auch der längerfristige Vergleich zeigt, dass sich die Bauwirtschaft in einem starken Aufschwung befindet. So stiegen die Wohnungsbauinvestitionen 2017 gegenüber dem Vorjahr um 3,1 Prozent, während das Bruttoinlandsprodukt um 2,2 Prozent zunahm. In den Neubau und die Modernisierung von Wohnungen flossen 2017 rund 197 Milliarden Euro oder 6 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt.

          Der Aufschwung am deutschen Immobilienmarkt befindet sich im siebten Jahr. Fachleute sind sich zwar einig, dass dies nicht ewig weitergehen kann. Doch zumindest aktuell ist ein Ende nicht absehbar. Weil die Zahl der Baugenehmigungen seit Jahren über der Zahl der tatsächlich gebauten Wohnungen liegt, besteht hier ein Überhang von mehr als einer halben Million genehmigter Wohnungen besteht. Der Bauwirtschaft dürfte auf absehbare Zeit die Arbeit nicht ausgehen.

          Die Zinsen sind niedrig, die Zuwanderung groß

          Der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen sieht ebenfalls einen andauernden Aufwärtstrend, unter anderem wegen der gut gefüllten Auftragsbücher der Bauunternehmen, der niedrigen Zinsen und der hohen Nettozuwanderung, die die Nachfrage nach Wohnungen deutlich steigere. Für 2018 jedenfalls erwartet der Verband eine Ausweitung des Wohnungsneubaus um 8 Prozent. Dieser Zuwachs könnte 2019 auf 4 Prozent zurückgehen, doch dann seien vermehrt Sanierungs- und Modernisierungsleistungen zu erwarten. Dafür spricht nach den Erkenntnissen des Verbands auch die hohe Zahl von Transaktionen auf dem Markt für gebrauchte Immobilien.

          Um die hohe Nachfrage einigermaßen zu bewältigen, haben die Bauunternehmen mehr Mitarbeiter eingestellt. Ihre Zahl lag im Januar um 3,5 Prozent über dem Vorjahreswert. Dabei lag das Plus im Bau von Gebäuden bei 2,5 Prozent, während die Erbauer von Straßen und Bahnstrecken sogar 4,7 Prozent mehr Beschäftigte zählten – möglicherweise ein Hinweis darauf, dass sie deutlich mehr Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur erwarten.

          Auch jüngste Angaben des Verbandes deutscher Pfandbriefbanken, dessen Daten auf zahlreichen echten Transaktionen beruhen, deuten auf starke Preiszuwächse am Bau. Danach haben sich deutsche Wohnimmobilien 2017 um 6,9 Prozent verteuert. Betroffen vom Preisauftrieb waren vor allem die sieben größten deutschen Städte Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Düsseldorf und Stuttgart: Hier stiegen die Wohnimmobilienpreise gegenüber dem Vorjahr sogar um 13,9 Prozent.

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