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Wilder Wohnungsmarkt : Der tägliche Immobilien-Wahnsinn

Morgens angeschaut, am Nachmittag schon beim Notar: Wohnungsmarkt in Deutschland 2016. Bild: Picture-Alliance

Makler verticken Wohnungen im Stundentakt. Die Käufer schauen die Immobilien gar nicht mehr an. Gesund ist das alles nicht.

          Die Hitliste der Spontankäufe führen eigentlich Dinge an wie Kleidung oder Schuhe, Süßigkeiten und Zeitschriften. Immobilien gehörten bisher nicht dazu. Jetzt schon. „Du musst schnell sein, sonst ist die Hütte weg“, so beschreibt ein Großstadtmakler, was viele Wohnungskäufer dieser Tage denken. Wer zögert, dem entgeht womöglich die letzte Immobilie, die er gerade noch finanzieren kann.

          Nadine Oberhuber

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Vor fünf Jahren lautete die Logik: Ich schaue mir in Ruhe ein paar Objekte an und kümmere mich dann um die Finanzierung“, sagt Miriam Mohr, Vorstandsmitglied des Kreditvermittlers Interhyp, „da war es normal, zwei oder drei Wochen auf die Bankzusage zu warten. Heute treffen wir immer öfter auf Menschen, die nach zwei Tagen nervös werden - und spätestens nach drei Tagen einen schriftlichen Darlehensvertrag brauchen.“Denn heute verlangen manche Makler schon bei der Besichtigung den Nachweis, dass ein Käufer einen entsprechenden Kredit von der Bank bekommt. Manche Verkäufer haben schon den Notartermin geblockt, bevor überhaupt ein Suchender das Objekt gesehen hat. Und man kann abends auf die Frage: „Und, wie war dein Tag, Schatz?“ antworten: „Ach, ich habe gerade eine Wohnung gekauft.“

          Natürlich gehen dem Kauf einige Vorbereitungen voraus. Doch tatsächlich treffen viele Bürger die endgültige Entscheidung über die größte Anschaffung im Leben immer schneller, beobachten Makler, Bauträger, Notare und Kreditfinanzierer. „Heute kümmern sich die Leute schon im Voraus um eine Finanzierungsberatung, weil im Ernstfall alles ganz schnell gehen muss“, sagt Mohr. Die Käufer tun es nicht gerade aus eigenem Antrieb und schon gar nicht aus reiner Impulsivität, sondern weil der Markt es so will. „Der Wettbewerb ist härter geworden, teilweise schon extrem. Und die Kunden wissen, dass sie sich beeilen müssen“, beobachtet auch Stephan Gawarecki, Vorstandssprecher des Finanzdienstleisters Dr. Klein.

          „Schnelldreher“

          Vor allem die Banken und Kreditvermittler spüren die zunehmende Hektik der Suchenden, sagt Miriam Mohr von Interhyp: „In den vergangenen drei bis fünf Jahren ist der Markt so explodiert, dass der Druck auf Käufer viel höher geworden ist. Heute bewerben sie sich regelrecht um eine Immobilie, und wir bekommen häufig den Anruf: Können wir heute, spätestens morgen über das Objekt sprechen?“

          Immer häufiger werden Kaufzusagen vom Fleck weg gegeben, berichten Makler. „Es kommt zu wilden Verhaltensweisen: Oft werden morgens Objekte besichtigt, und abends sitzen die Parteien beim Notar“, sagt ein Marktbeteiligter, „vor allem im Premiumsegment passiert das, wenn das Geld da ist.“ Aber auch wenn die Bank bei der Finanzierung mithilft, wechseln sechsstellige Summen notfalls innerhalb weniger Tage den Besitzer. „Es gibt Kunden, die gehen zuerst zum Notar und kommen danach mit allen Objekt- und Finanzierungsfakten zu uns“, sagt Gawarecki, „das ist allerdings die absolute Ausnahme. Es ist eher der Fall, wenn jemand das dritte oder vierte Objekt kauft.“ Ist all das noch normal?

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