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Aktualisiert: 19.02.2014, 12:29 Uhr

Unterhaltsrecht nach der Scheidung Der Vater muss vor allem eines: zahlen

Nach der Reform des Unterhaltsrechts soll die Frau ihren Bedarf verstärkt aus eigener Kraft decken. Doch meist bleibt der Vater der Zahlmeister der gescheiterten Ehe. Teil 3 unserer Scheidungs-Serie.

von
© dpa Aus und vorbei: Nach der Trennung geht es auch um den Unterhalt.

Markus Küster ist frustriert. Er war gerade bei seinem Anwalt, um über den Unterhalt für seine Kinder zu sprechen. Seine Frau ist natürlich mal wieder besonders schnell gewesen, wie immer, wenn es um die Durchsetzung ihrer Ansprüche geht, und hat ihn in Verzug gesetzt, wie es die Juristen nennen. Dass Markus nach der Trennung für seine 9 und 11 Jahre alten Töchter aufkommen muss, war ihm klar, und das findet er auch in Ordnung. Dass aber auch Marie einen gehörigen Anteil seines Einkommens für sich beanspruchen würde, hat ihn überrascht. „Sie hat ja dann viel mehr Geld zur Verfügung als ich“, klagt Markus.

Daniel Mohr Folgen:

Ein Gesetz, wie die Unterhaltsberechnung zu erfolgen hat, gibt es nicht. „Auf der einen Seite muss der Bedarf ermittelt werden. Er wird aber durch die Leistungsfähigkeit des Ehepartners begrenzt“, umschreibt Inge Saathoff, Familienrechtlerin aus Oldenburg, das zentrale Prinzip des deutschen Unterhaltsrechts. Da sich die Küsters dieses Jahr getrennt haben, können sie noch bis zum Jahresende den steuerlichen Splittingvorteil geltend machen.

Markus Küster hat durch seine Vollzeittätigkeit als Ingenieur bei einem Anlagenbauer und die günstige Steuerklasse 3 ein Nettoeinkommen von 3000 Euro, seine Frau mit ihrer Teilzeitstelle als Ärztin an einem Krankenhaus und der ungünstigen Steuerklasse 5 eines von 1000 Euro. Der Blick in die Düsseldorfer Tabelle ergibt für Markus eine Zahlungsverpflichtung für seine beiden mit seiner Frau im Haus wohnen gebliebenen Töchter von je 345 Euro, zusammen also 690 Euro. Es verbleiben ihm zunächst also 2310 Euro. Die Differenz zum Einkommen seiner Frau von 1000 Euro beträgt damit 1310 Euro. Davon stehen ihr nach den vor allem in Norddeutschland angewendeten Leitlinien der Gerichte drei Siebtel Ehegattenunterhalt zu, also weitere rund 560 Euro. Das verfügbare Einkommen von Markus sinkt damit auf 1750 Euro.

Marie verfügt dagegen neben ihren 1000 Euro Einkommen über den Unterhalt für die Kinder von 690 Euro, das Kindergeld in Höhe von 368 Euro (zweimal 184 Euro) und den Ehegattenunterhalt von gut 560 Euro, insgesamt also 2620 Euro. Dass Markus das ungerecht findet, ist wieder typisch für ihn, denkt Marie. Dass sie davon drei Personen ernähren muss und er nur sich allein, vergisst er wohl in seinem Egoismus. Allerdings ist sie insgeheim doch etwas überrascht, wie viel Geld sie am Monatsende zur Verfügung hat. Im ersten Moment nach der Trennung hatte sie sich angesichts ihres kümmerlichen Einkommens schon als Bittstellerin beim Sozialamt gesehen.

Da sind keine großen Sprünge mehr drin

Noch etwas ungünstiger wird es für den Mann, wenn das Trennungsjahr mit der günstigen Steuerklasseneinteilung vorbei ist. Er fällt dann auf ein Nettoeinkommen von monatlich 2500 Euro zurück. Zwar wird er dadurch in der Düsseldorfer Tabelle einer günstigeren Einkommensgruppe zugeordnet, so dass für die jüngere Tochter nur noch 327 statt 345 Euro zu zahlen sind. Die ältere Tochter ist aber mittlerweile zwölf Jahre alt, so dass für sie ein höherer Satz von monatlich 398 Euro fällig ist. Nach dem Unterhalt für seine Töchter bleiben noch 1775 Euro. Seine Frau kommt durch die für sie günstigere Steuerklasse nun auf 1250 Euro Nettoeinkommen. Aus der Einkommensdifferenz errechnet sich für sie immerhin noch ein Unterhaltsanspruch von 225 Euro. Mit Kindergeld und Unterhalt kommt sie am Ende auf 2570 Euro und damit gut 1000 Euro mehr als ihr Mann, der nach den Unterhaltszahlungen noch 1550 Euro zur Verfügung hat.

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