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Veröffentlicht: 25.02.2014, 13:35 Uhr

Gemeinsame Immobilie Das Haus fällt der Scheidung zum Opfer

Ehepaare streiten bei der Scheidung manchmal um jede Untertasse. Geht es jedoch um das gemeinsame Haus, wird die Sache deutlich komplizierter. Teil 4 unserer Scheidungs-Serie.

von
© Getty Images/Ikon Images

Für die Küsters geht es nach ihrer Trennung Schlag auf Schlag. Nachdem zunächst Markus Küster schockiert von seinen Unterhaltsverpflichtungen war, ist nun Marie verzweifelt. Nach Lage der Dinge muss sie mit den beiden Töchtern das Haus verlassen. Vor fünf Jahren war vor allem sie es, die sich in das etwas in die Jahre gekommene, aber dafür geräumige Haus mit großem Garten verliebt hatte. Nach langem Drängen hat Markus schließlich dem Kauf zugestimmt. 300.000 Euro hat es gekostet. Ein Kredit von 250.000 Euro haben sie dafür zusammen aufgenommen. 50.000 Euro konnten sie aus ihren Ersparnissen aufbringen, ebenso die Kaufnebenkosten und die Kosten für die nötigen Renovierungen.

Daniel Mohr Folgen:

Fünf Jahre später ist das Haus weit davon entfernt, schuldenfrei zu sein. 1250 Euro im Monat sind an Zins und Tilgung fällig. Die anfängliche Tilgungsrate betrug 2 Prozent. Aktuell lasten noch 222.000 Euro Schulden auf dem Haus. Doch wer soll die künftig bedienen? „Zunächst einmal haften beide Ehepartner für den Kredit bei der Bank“, sagt Eva Becker, Fachanwältin für Familienrecht in Berlin und Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Familienrecht im Deutschen Anwaltverein. „Sie sollten daher unbedingt dafür sorgen, dass der Kredit weiter bedient wird, bis sie sich auf eine endgültige Lösung geeinigt haben. Alles andere vernichtet nur Geld.“ Die Banken würden zwar in Scheidungsfällen oft etwas länger die Füße stillhalten. „Wenn sechs Monate keine Rate mehr eingeht, ist für die Küsters aber kein freihändiger Verkauf mehr möglich, und es kommt zur Zwangsversteigerung“, sagt Becker. „Der Preis liegt dann oft 20 bis 30 Prozent niedriger als wenn sie den Verkauf selbst betreiben.“

Vom Verkauf will Marie aber erst einmal nichts wissen. Sie hat es sich im Haus schön eingerichtet und auch den Garten mittlerweile in einem vorzeigbaren Zustand. Das will sie nicht so ohne weiteres aufgeben. Doch sie kann Markus nicht zwingen, das Haus weiter zu finanzieren. „Im Zuge der Scheidung wird eine Bilanz aufgestellt, wie die Vermögenslage vor der Eheschließung war und wie sie jetzt ist“, erklärt Anwältin Becker. Vom Zugewinn, so der juristische Begriff, steht dann jedem der Ehepartner die Hälfte zu. Das gilt für die meisten Ehen in Deutschland. Hierzulande hat kaum jemand einen Ehevertrag geschlossen. In ihm kann jede beliebige andere Vereinbarung getroffen und damit mancher Streit vermieden werden. „Die meisten wollen nicht vor der Eheschließung schon gedanklich ihre Scheidung durchgehen. Gerade für Selbständige ist es aber sinnvoll, den Fortbestand ihres Unternehmens durch einen Ehevertrag auch für den Scheidungsfall zu sichern“, sagt Becker.

Bei der klassischen Zugewinngemeinschaft und der hälftigen Teilung des Vermögens ist das Problem, dass viele Dinge wie ein Haus oder ein Kunstgegenstand nicht so ohne weiteres teilbar sind. Der Anspruch besteht aber grundsätzlich in Geld. Soll nicht alles verkauft und der Erlös dann geteilt werden, müssen sich die Ehepartner über die Aufteilung einigen. Im Ernstfall muss ein Gericht entscheiden. „Die Eheleute wären aber gut beraten, sich außergerichtlich zu einigen, denn der Streit um die Vermögensaufteilung ist ein teurer Spaß“, sagt Becker. „Da geht gerade bei Haushaltsgegenständen schnell mal ein Drittel einfach für die juristischen Kosten weg.“ Der Streit um jede Untertasse lande aber nur in besonders heiß umkämpften oder sehr vermögenden Fällen wirklich vor Gericht. „Für viele ist der Peinlichkeitsfaktor dann doch zu hoch.“

Marie kann ihren Mann nicht zwingen, das Haus weiter mitzufinanzieren

Strittiger ist hingegen oft die Berechnung des Zugewinns. Gerade nach langen Ehen ist es oft ein Problem, die Vermögensverhältnisse zu Beginn der Ehe noch zu rekonstruieren und zu belegen. Auch der aktuelle Wert des Vermögens kann gerade bei Unternehmensbeteiligungen und Immobilien oft nur in langwierigen und teuren Verfahren durch Sachverständige festgestellt werden.

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