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„Mistrades“ : Plötzlich Multimillionär durch einen Bankirrtum

163 Millionen verdient durch Irrtum: Bankpanne bei BNP Paribas Bild: AFP

Durch eine Bankpanne kommt ein Mann zufällig an 163 Millionen Euro. Nun wird gestritten, ob die Bank das zu spät gemerkt hat. Und mancher fragt sich: Was macht man, wenn so etwas passiert?

          In Frankfurt sorgt derzeit ein spektakulärer Fall für Aufsehen, in dem ein Mann offenbar durch eine Panne zumindest auf dem Papier plötzlich an unglaublich viel Geld gekommen ist. Der Mann ist freier Wertpapierhändler am Finanzplatz Frankfurt, ein ehemaliger Mitarbeiter der Citibank. Er handelt unter anderem mit Zertifikaten, das sind strukturierte Wertpapiere. Vor zwei Jahren soll er in diesem Zusammenhang ein außergewöhnliches Geschäft abgeschlossen haben.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Darüber berichtet das Magazin „Focus“ im Internet. Der Mann kaufte 3000 Stück von einem nicht näher spezifizierten Zertifikat namens „AA2GDQ“, für das der Preis im Handelssystem mit 108 Euro angegeben wurde. Das Geschäft hatte er am Freitag vor dem Wochenende getätigt. Als er am Montag wieder in seinen Rechner schaute, stand der Preis bei 54.000 Euro, ein Zuwachs also um 49.900 Prozent. Der Mann besaß jetzt, zumindest auf dem Papier, 163 Millionen Euro. Er hat das wohl auch mit einem Screenshot als Foto auf seinem Handy dokumentiert.

          Nun gibt es aber Streit, und das Landgericht Frankfurt soll den Fall klären. Offenbar steckt hinter der Sache ein Fehler. Der Preis, der an jenem Freitag im System stand, soll falsch gewesen sein. Das Zertifikat soll am Freitag wie am Montag rund 54.000 Euro gekostet haben. Die andere Zahl sei lediglich falsch ins System eingegeben worden. Solche Geschäfte, die auf Fehlern beruhen, „Mistrades“ genannt, gibt es im Handel wohl öfter – nicht unerheblich ist aber anscheinend, wann sie korrigiert werden. Die Bank hätte den Fall bis zum Montagmorgen, 11 Uhr, melden müssen, heißt es zumindest in dem Bericht. Jetzt will der Mann offenbar seine Millionen tatsächlich ausgezahlt bekommen, was die Bank wohl ablehnt.

          Die französische Großbank BNP Paribas, um die es in diesem Fall gehen soll, wollte sich auf Anfrage nicht zu den Vorgängen äußern: „Wir bitten um Verständnis, dass wir uns generell nicht zu Kundenbeziehungen äußern oder juristische Verfahren in der Öffentlichkeit kommentieren“, sagte ein Sprecher.

          Fristen regeln gemeldete Fehler

          Aber gibt es solche Fristen, bis zu denen Banken ihre Fehler bemerkt und gemeldet haben müssen? Bei der Deutschen Börse hieß es dazu, es gebe in der Tat bestimmte Fristen, bis zu denen Fehler im Zertifikatehandel gemeldet werden müssten. Wenn es sich um ein Geschäft handele, das bei der öffentlich-rechtlichen Börse getätigt werde, müssten solche Fehler innerhalb von zwei Stunden gemeldet werden. Handele es sich dagegen um ein Geschäft im außerbörslichen Handel „Over the Counter“ (OTC), der bei strukturierten Produkten 50 bis 60 Prozent aller Transaktionen ausmache, sei es anders: Jeder Broker sei frei, mit dem Emittenten des Wertpapiers eigene „Mistrade“-Regeln zu vereinbaren. Die würden auf der Internetseite des Brokers veröffentlicht.

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          Bei Consors beispielsweise findet sich die Regel für die Geschäfte mit BNP Paribas, dass Mistrades bis 11 Uhr am nächsten Börsenhandelstag geltend gemacht werden können, wenn es um mehr als 20.000 Euro geht. Auch bei der Deutsche Börse gebe es immer wieder mal Mistrades, sagte der Börsensprecher – ein solcher Fall wie der mit den 163 Millionen Euro wäre bei ihnen aber aufgefallen, meinte der Sprecher.

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