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Anbieter im Test : Lohnt sich Carsharing?

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Geteiltes Leid: Unser Autor steht auf seiner Testfahrt mit dem „Cityflitzer“ im Stau. Bild: Patrick Junker

Wer kein eigenes Auto will, kann auf Carsharing umsteigen. Doch nicht jede Fahrt mit dem Teilzeitauto ist günstig. Wir haben einige Anbieter getestet.

          Ein eigenes Auto, lange galt es als Symbol für Freiheit und Wohlstand in Deutschland. Kinder, Haus und Auto: die Dreifaltigkeit des Wirtschaftswunders. Doch die Zeiten ändern sich. Heute verstopfen Autos die Großstädte, die Parkplatzsuche nervt, das Öko-Gewissen meldet sich.

          Trotz allem: Für den Großeinkauf, die Dienstreise oder den spontanen Ausflug zum Badesee ist ein Auto praktischer als die Bahn oder das Fahrrad. Doch braucht es für diese Gelegenheiten das eigene Fahrzeug? Warum nicht ein Auto teilen? 1,7 Millionen Menschen in Deutschland denken so – und betreiben Carsharing.

          150 Firmen vermitteln hierzulande Teilzeitautos. Darunter sind Tochterunternehmen bekannter Konzerne wie Flinkster (Deutsche Bahn) oder Car2go (Daimler). Aber auch kleine, unabhängige Anbieter mischen mit. In Frankfurt am Main zum Beispiel Book-n-Drive und Stadtmobil. Die sonst oft anzutreffende BMW-Tochter DriveNow tritt in Frankfurt gar nicht an. Auf Anfrage heißt es, man sehe „aktuell keine Geschäftsperspektive“, wolle einen Einstieg aber nicht ausschließen.

          Es gibt zwei Arten von Carsharing

          Die F.A.S. hat sich die vier in Frankfurt aktiven Anbieter genauer angesehen. Laut Bundesverband Carsharing kommen hier auf 1000 Einwohner 1,21 Carsharing-Fahrzeuge. Deutschlandweit liegt die Mainmetropole damit auf Platz drei hinter Karlsruhe (2,15) und Stuttgart (1,44). Wir wollen wissen: Wie leicht sind Anmeldung und Buchung? Und wie flexibel sind die unterschiedlichen Konzepte?

          Zunächst: Carsharing ist nicht gleich Carsharing. Es gibt zwei Ansätze: Bei der stationsbasierten Miete holt man gebuchte Autos an einem festen Übergabepunkt ab und muss sie dort auch wieder abliefern. Beim sogenannten Free-Floating stehen die Autos in der Stadt auf ganz normalen Parkplätzen. Der Kunde startet und beendet seine Fahrt, wo er möchte. Flinkster und Stadtmobil arbeiten mit Stationen, Car2go mit Free-Floating, Book-n-Drive hat beides.

          Alle Anbieter haben eine Smartphone-App

          Die Registrierung funktioniert überall ähnlich: Nachdem man online die persönlichen Daten samt Bankverbindung und Führerschein-Angaben hinterlegt hat, muss man eine sogenannte Validierungsstelle besuchen. Die überprüft etwa, ob der Führerschein noch gilt. Bei Flinkster lässt sich das in Reisezentren der Deutschen Bahn erledigen, bei Car2go in Filialen von Europcar, Book-n-Drive kooperiert mit den Niederlassungen des Versorgers Mainova und der Wohnungsbaugesellschaft ABG, Stadtmobil hat als Partner die lokale Nahverkehrsgesellschaft TraffiQ und unterhält ein Büro am Frankfurter Hauptbahnhof. Während Book-n-Drive seine Neukunden kostenlos aufnimmt, kassieren Flinkster, Car2go und Stadtmobil einmalige Gebühren von bis zu 50 Euro. Stadtmobil erhebt als einziger Anbieter eine Monatsgebühr von drei bis neun Euro.

          Dann kann es losgehen. Um ein Auto aufzuspüren und zu reservieren, haben alle Anbieter eine Smartphone-App programmiert. Die zeigt bei eingeschaltetem Ortungsdienst die nächstgelegenen Fahrzeuge an – sei es an festen Stationen oder im freien Parkraum. Unabhängige Apps wie Free2Move oder Urbi zeigen sogar die Standorte mehrerer Carsharing-Anbieter gebündelt an.

          Beide Konzepte haben Vor- und Nachteile

          Buchen lässt sich bequem in der App, auf der Website oder telefonisch mit kleiner Gebühr. Man vereinbart bei Flinkster und Stadtmobil eine fest Start- und Endzeit. Keinen Stress mit der Rückgabe hat man bei Car2go und bei Book-n-Drives Free-Floating-Autos, die den Markennamen „Cityflitzer“ tragen. Die Kehrseite: Hat man Pech, sucht man bei Free-Floating-Konzepten vergeblich nach einem freien Wagen in der Nähe. Beim Test in einem Frankfurter Wohngebiet betrug der längste Fußweg 1,2 Kilometer zu einem freien Car2go-Auto. Das kann zum Problem werden, wenn man es eilig hat.

          Das Öffnen des Autos funktioniert wie von Geisterhand: entweder per Pin-Eingabe ins Smartphone oder per Mitgliedskarte, die man an ein Lesegerät an der Windschutzscheibe hält. Die Zündschlüssel finden sich in der Regel im Handschuhfach oder in kleinen Kästchen im Cockpit. Bevor es losgeht, empfiehlt es sich, das Fahrzeug auf seinen Zustand zu inspizieren. Frische Schäden sollte man ins Logbuch des Autos eintragen. Zwar sind Car-Sharing-Autos versichert. Doch die Selbstbeteiligung liegt oft bei happigen 1500 Euro. Ein genauer Blick lohnt sich also.

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