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Lebensversicherungen Altersvorsorge in Gefahr

 ·  Die Inflation frisst die Erträge der Lebensversicherungen auf. Doch wer kündigt, zahlt drauf. Und Neuabschlüsse lohnen sich kaum. Was Sparer tun sollten.

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© © Images.com/Corbis Vergrößern

Es gab einmal eine Zeit, da wurde viel von Volksaktien gesprochen. 1996 war das, als die Deutsche Telekom an die Börse ging. Sie führte zwar viele Anleger erstmals an Aktien heran, doch die Zahl der deutschen Aktionäre blieb insgesamt überschaubar. Die wahre Volksanlage ist eine Versicherung: die Lebens- und Rentenversicherung. Statistisch gesehen hat jeder Deutsche mindestens eine. Sie wird privat und auch über den Arbeitgeber als betriebliche Altersvorsorge abgeschlossen. Keine Geldanlage ist verbreiteter.

Und so rüttelt jede Nachricht über den Zustand der Lebensversicherer gleich die ganze Nation auf. In der vergangenen Woche beunruhigte ein Papier des Bundesfinanzministeriums. Danach könnten rund 20 Versicherer, ein Fünftel der Branche, schon in sechs Jahren in so arge finanzielle Bedrängnis kommen, dass sie ihren Kunden nicht mehr die garantierten Zinsen zahlen können.

Vor über 12 Jahren garantierten die Lebensversicherungen für neue Verträge noch vier Prozent Zinsen

Das sind alarmierende Spekulationen. Schließlich war die garantierte Verzinsung von teilweise noch vier Prozent im Jahr eines der Hauptargumente, eine Lebens- oder Rentenversicherung abzuschließen. Ganz überraschend kommen die Befürchtungen aus dem Ministerium nicht. Sie drängen sich angesichts der niedrigen Zinsen förmlich auf. Das Dilemma: In diesem Jahr bekommen die Versicherer für das angelegte Geld ihrer Kunden voraussichtlich rund 3,9 Prozent, hat die Versicherungsratingagentur Assekurata errechnet. Sie müssen aber gleichzeitig einem Teil ihrer Kunden noch vier Prozent Zinsen garantieren. Zwischen 1994 und Mitte 2000 war das bei neuen Lebensversicherungen noch der gesetzlich vorgeschriebene Garantiezins. Da die Versicherungen über mehrere Jahrzehnte laufen, werden sie noch lange jedes Jahr solche Zinsen gutschreiben müssen. Nur für neue Verträge sank der Garantiezins in den folgenden Jahren auf mittlerweile 1,75 Prozent. Durchschnittlich garantieren die Versicherungen damit ihren Kunden derzeit 3,25 Prozent.

Würden die Versicherungen in den kommenden Jahren weiter 3,9 Prozent Rendite im Jahr erzielen, gäbe es für die meisten kein Problem. Doch so wird es nicht kommen: Die Versicherungen profitieren noch von Anlagen, die sie vor einigen Jahren zu hohen Zinsen abgeschlossen haben. Werden diese Anlagen fällig, können sie nur zu viel niedrigeren Zinsen wieder angelegt werden. Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit werfen zum Beispiel nur noch knapp 1,4 Prozent im Jahr ab. Da die Versicherungen auch noch in Pfandbriefe, Hypotheken und Immobilien investieren, bekommen sie derzeit für Neuanlagen 3,3 Prozent, hat Assekurata ermittelt.

Wie sicher sind die Policen?

Auch dieses Niveau wird weiter sinken, je länger die Marktzinsen so niedrig bleiben. Und das werden sie, denn die Europäische Zentralbank wird wegen der Euro-Krise die Zinsen noch lange gering halten. Es ist daher absehbar, dass einige Versicherer in ein paar Jahren große Probleme bekommen werden, die versprochenen Zinsen an die Kunden zu zahlen. Da sie gesetzlich gezwungen sind, größtenteils in sichere Anlagen zu investieren und damit in Zinsprodukte, sind Aktienkäufe kein Ausweg.

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