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Veröffentlicht: 14.02.2016, 20:34 Uhr

Dax in der Krise Wer ist schuld am Börsencrash?

Die Kurse fallen dramatisch und kein Ende ist in Sicht. Besonders stark trifft es den Dax. Wer aber sind die Leute, die ihre Aktien im großen Stil verkaufen?

von
© AP Kein großer Index ist so stark abgestürzt wie der Dax: Nicht einmal die Horrorjahre 2008 und 2009 haben so desaströs begonnen.

Es nimmt einfach kein Ende: Fast jeden Tag fallen an den Börsen dieser Welt die Kurse, als hätten sie nie etwas anderes gemacht. Dax, Dow Jones, Nasdaq, Nikkei und wie sie alle heißen scheren sich nicht darum, dass ihnen noch im Dezember von fast allen Experten ein ordentliches Jahr vorausgesagt wurde. So gut wie jedes verdammte Börsenbarometer der Erde ist seit Anfang Januar im Minus – und kein großer Index ist so stark abgestürzt wie der Dax. Seine bisherige Jahresbilanz zum Ende der vergangenen Woche: ein Verlust von fast 17 Prozent. Dies ist einmalig in der Geschichte des wichtigsten deutschen Börsenbarometers und ein denkbar schlechtes Zeichen: Nicht einmal die Horrorjahre 2008 und 2009 (kurz vor und nach der Lehman-Pleite) haben so desaströs begonnen.

Dennis Kremer Folgen:

Spaß macht das alles schon längst keinem mehr. Umso merkwürdiger mutet an, dass viele Profi-Anleger selbst nach solchen Kursrückgängen mit aller Macht Zweckoptimismus verbreiten. „Eine attraktive Einstiegsgelegenheit“ würden die niedrigen Kurse bieten, heißt es da allenthalben, jetzt könne man endlich günstig Aktien kaufen. Die Frage ist nur: Warum macht es denn dann keiner? Geschieht doch auf dem Aktienmarkt am Ende genau das Gleiche wie auf jedem funktionierenden Markt: Sind die Käufer in der Überzahl, steigen die Preise, also die Kurse. Davon aber ist derzeit weit und breit nichts zu sehen.

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Dies lässt nur einen Schluss zu: Die Profis verkaufen derzeit Aktien im ganz großen Stil. Gleichzeitig tun sie aber alles, um damit nicht in Verbindung gebracht zu werden. Denn wer will schon für fallende Kurse und damit für die schlechte Laune von Anlegern auf der ganzen Welt die Verantwortung tragen?

Hinter den Kulissen

Nur wer sich hinter den Kulissen umhört, erhält ein ziemlich gutes Bild davon, welche Investoren durch ihre Aktienverkäufe die heftigen Verluste an den Märkten ausgelöst haben. Zwei Stichworte helfen, das Vorgehen der beiden wichtigsten Gruppen besser zu verstehen. Sie lauten: Faxmaschine und Furcht – Furcht um den eigenen Arbeitsplatz, um genau zu sein.

Es gibt im digitalen Zeitalter kaum etwas so Anachronistisches wie ein Fax. Und doch berichten Insider, dass derzeit besonders eine Klientel gerne auf die fast schon vergessenen Maschinen zurückgreift – die Staatsfonds aus dem arabischen und asiatischen Raum. Über sie ist offiziell nur wenig bekannt – weder die Höhe der von ihnen verwalteten Gelder (nach Schätzungen sollen es mehr als 5000 Milliarden Dollar sein) noch ihre konkrete Anlagestrategie. Wo ihr Reichtum herkommt, ist aber kein Geheimnis: In den allermeisten Fällen entspringt er hohen Öl- und Gasvorkommen. Seitdem der Ölpreis jedoch fällt, als gäbe es kein Morgen, brechen den davon abhängigen Staaten die Einnahmen weg. Sie zwingen daher ihre Fonds dazu, einen Teil ihrer Wertpapiere möglichst schnell zu Geld zu machen. Anders ausgedrückt: Sie brauchen dringend Cash.

An dieser Stelle kommt das Fax ins Spiel. Denn viele der Staatsfonds haben einen Teil der täglichen Anlagearbeit an Vermögensverwalter vor Ort ausgegliedert, die dann beispielsweise ihr deutsches oder ihr europäisches Aktienportfolio betreuen. Nur darf man sich diese gutbezahlte Aufgabe in den meisten Fällen nicht als eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe vorstellen. „Wenn die Fonds verkaufen wollen, wird nicht nach unserer Meinung gefragt“, berichtet einer, der viel mit diesen anspruchsvollen Kunden zu tun hat. „Es kommt ein Fax, auf dem steht eine bestimmte Summe und die Position, die aufgelöst werden soll.“ Die Sache per Fax zu regeln habe sich eben seit Beginn der Zusammenarbeit so eingebürgert (es gibt natürlich auch Staatsfonds, die sich modernerer Kommunikationswege bedienen). Neu aber ist jetzt: Während sie früher in der Regel zukaufen wollten, möchten die Fonds jetzt nur noch raus. Nie zuvor haben sie sich in derart hohem Maße von Aktien getrennt wie derzeit.

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