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Online-Kredite : Verbraucherkredite steigen auf Höchstwert

Bei den Verbrauchern herrscht eine positive Konsumstimmung: Sie nehmen Kredite auf. Bild: dpa

Wegen niedriger Zinsen und guter Stimmung unter den Verbrauchern nehmen Kreditfinanzierungen zu. Doch der Kreditabschluss über das Internet könnte einfacher sein.

          Deutsche Verbraucher und Unternehmen nutzen die niedrigen Zinsen. Die auf Kreditfinanzierungen spezialisierten Banken haben Ende 2015 mit einem Bestand von 159,3 Milliarden Euro einen Rekord verzeichnet. Der Bankenfachverband, der die Interessen der Kreditbanken vertritt, berichtete am Donnerstag für 2015 ein Wachstum von 6,8 Prozent – das höchste seit 2009, dem Jahr der Abwrackprämie.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Vorstandsvorsitzende des Verbandes, Jan W. Wagner, hält die niedrigen Zinsen für beflügelnd. Doch die günstigen Konditionen gäben nicht allein den Ausschlag für die zunehmenden Kreditfinanzierungen. Wichtiger ist nach Ansicht von Wagner, dem Vorstandsvorsitzenden der Creditplus Bank, einer Tochtergesellschaft der französischen Crédit Agricole, die von Zuversicht geprägte Stimmung unter den Verbrauchern: „Sie haben keine Beschäftigungssorgen und trauen sich deshalb Kreditfinanzierungen zu.“ Dabei verwies er auf das historisch niedrige Niveau der Arbeitslosigkeit und die nach wie vor positive Konsumstimmung.

          Die derzeit sehr günstigen Finanzierungskonditionen begründet er nicht nur mit der extrem lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), sondern auch mit den Vergleichsmöglichkeiten der Verbraucher im Internet. Diese erhöhten den Wettbewerbsdruck. Über die Zinspolitik der Notenbank ist der Verband nicht nur glücklich. Denn die niedrigen Zinsen drücken auf die Margen der Mitgliedsinstitute.

          20 Prozent mehr Online-Kredite

          „Glücklicherweise“, so Wagner, werde dies durch die deutlich entspannte Risikosituation aufgefangen. Die Ausfälle bewegten sich am unteren Ende des üblichen Rahmens. Ordnungsgemäß werden rund 98 Prozent aller Verbraucherkredite bedient. In der Investitionsfinanzierung und bei Automobilkrediten liegen die Ausfallraten sogar deutlich unter einem Prozent. Für das laufende Jahr ist der Bankenfachverband optimistisch. Die volkswirtschaftlichen Rahmendaten seien äußerst günstig. „Sowohl die Insolvenzen von Unternehmen als auch von Privatpersonen gehen deutlich zurück“, sagte Wagner.

          Im vergangenen Jahr finanzierten die Mitglieder des Bankenfachverbandes, dem auch die herstellergebundenen Autobanken angehören, erstmals innerhalb eines Jahres rund zwei Millionen Fahrzeuge. Das entsprach einem Plus von 7,8 Prozent und übertraf die bundesweiten Zulassungszahlen. Etwa die Hälfte des Neugeschäfts entfällt auf Autokredite.

          Noch kräftiger mit 20 Prozent nahmen die Online-Kredite zu. Nach Angaben von Wagner kaufen inzwischen 54 Millionen Bundesbürger online ein. Rund 15 Prozent des Einzelhandelsumsatzes ohne Lebensmittel würde im Internet realisiert. Allerdings bereiten Wagner die Auflagen für Kreditverträge im Internet Sorgen. Denn Internethändler können ihren Kunden auf einfache und schnelle Weise Ratenzahlungen ermöglichen. Dagegen muss für den Kreditabschluss immer noch Papier versendet werden.

          „Das ist ein echter Hemmschuh in Zeiten des elektronischen Geschäftsverkehrs“, kritisierte Wagner. Sein Verband fordert deshalb den digitalen Kreditvertrag, der wie andere Verträge auch im Internet abgeschlossen werden kann, und zwar ohne die strenge Schriftform. Wagner kann nicht nachvollziehen, warum der Online-Ratenkauf einfacher geregelt ist. Denn faktisch besteht für ihn zum Verbraucherkredit kein Unterschied. „Gleiche Regeln für gleiches Geschäft und digitale Verträge für digitale Prozesse“, fordert Wagner.

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