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KFZ-Policen : Autoversicherungen werden teurer

Öfter auf die Bremse treten: Kfz Versicherungen werden teurer Bild: Bergmann, Wonge

Bis zum 30. November können Autofahrer ihre Police regulär kündigen. Die Schnäppchenjäger reagieren zurückhaltender und die Policen werden leistungsstärker - aber auch teurer.

          Unter den deutschen Autoversicherern hat sich ein wenig Optimismus breitgemacht. Nach fünf verlustreichen Jahren könnten sie 2013 erstmals wieder allein mit ihrem Versicherungsgeschäft profitabel sein und für die darbenden Gesellschaften einen positiven Ergebnisbeitrag leisten. So lautet die Prognose des Rückversicherers E+S Rück, der den breitesten Marktüberblick hat. Die Kunden müssen sich dagegen darauf einstellen, dass ihre Prämien für neu abgeschlossene Auto-Haftpflicht-, Teil- und Vollkaskopolicen steigen werden. Für 270.000 verschiedene Kundenprofile hat das unabhängige Analysehaus Nafi untersucht, wie sich der Preis beim Neuabschluss gegenüber dem Vorjahr entwickelt hat.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Ergebnis: Vollkaskoverträge werden durchschnittlich 10 Prozent teurer, für Teilkaskopolicen steigern sich die Preise zwischen 5 und 7 Prozent. Nur die Haftpflichtprämien bleiben im Durchschnitt unverändert. Doch dieser Befund verzerrt die Tendenz, denn vor allem besonders teure Anbieter setzen ihre Preise nicht weiter hoch. Sieht man sich nur die zehn günstigsten Anbieter an, ergibt sich ein Prämienanstieg von 7 Prozent. „Für den Kunden, der neu abschließt, wird es also auf jeden Fall teurer“, sagt Nafi-Geschäftsführerin Ivana Höltring.

          Viele Verbraucher achten in diesen Tagen genau auf den Autoversicherungsmarkt. Denn noch bis zum 30. November können sie ohne Angabe von Gründen ihren Vertrag kündigen und noch zum 1. Januar neu abschließen. Tun sie das nicht, verlängert sich der Vertrag automatisch um ein Jahr. Hier gibt es aber zunehmend Verschiebungen: Immer mehr Versicherer weichen vom 1. Januar als Hauptfälligkeit ab und vereinbaren individuelle Termine, um die Wechseldynamik zu bremsen. Die nimmt ohnehin ab: Zieht man eine Befragung des Marktforschers Yougov unter 1.000 Verbrauchern zu Rate, ist die Bereitschaft zu wechseln in diesem Jahr gesunken.

          Prämienvergleich Standard/Komfort und Basistarif
          Prämienvergleich Standard/Komfort und Basistarif : Bild: F.A.Z.

          Dachten noch im vergangenen Jahr 50 Prozent über einen Wechsel nach, waren es in diesem Jahr nur 37 Prozent. Auch Makler berichten über weniger Interesse am Wechsel. Diese Entwicklung scheint unter den internetaffinen Kunden allerdings kaum anzukommen. Im vergangenen Jahr wechselten 750.000 Kunden ihren Vertrag über ein Verbraucherportal oder die Seite eines Direktversicherers. Für dieses Jahr erwartet der größte Portalbetreiber Check 24, dass die Millionenmarke geknackt wird.

          Keine Übersicht lässt sich indes darüber gewinnen, wie sich die Prämien bestehender Verträge entwickeln. Erhöhen sie sich, haben die Kunden ein außerordentliches Kündigungsrecht. Wer dann neu abschließt, profitiert möglicherweise nicht mehr von den günstigsten Konditionen, die Versicherer kurz vor dem Wechseltermin Ende November anbieten. Mit einem Prämienindex zeigt Check 24, wie in den vergangenen vier Jahren die Prämien jeweils im August deutlich gesenkt wurden, um dann von Anfang Dezember an wieder kontinuierlich zu steigen.

          Das Verbraucherportal argumentiert freilich auf eigene Rechnung und will zum Wechsel anspornen. Denn für Vertragsabschlüsse kassiert es wie Makler eine Provision. Das aber ist vielen Verbrauchern gar nicht bewusst. Höchstens jedem zweiten Befragten in einem repräsentativen Test von 500 internetaktiven privaten Fahrzeughaltern der Fachhochschule Köln war aufgefallen, dass mit der Vermittlung über ein Portal eine Provision verbunden war.

          Die Policen unterscheiden sich preislich vor allem nach dem Wohnort des Fahrzeughalters. In Berlin sind sie durch viel Vandalismus und hohes Unfallaufkommen besonders teuer, in Lüneburg dagegen am günstigsten. Zwischen 10 und 15 Prozent können Kunden sparen, wenn sie auf die freie Werkstattwahl verzichten. Ob das aber den geringeren Komfort aufwiegen kann, müssen sie genau überlegen. „Den Verzicht auf den Einwand grober Fahrlässigkeit halte ich für wichtig“, rät Beate-Kathrin Bextermöller von Finanztest. Damit können sich Kunden davor schützen, dass sie Teile der Unfallfolgen tragen müssen, wenn sie etwa bei Rot über die Ampel gefahren sind. „Er ist schon in relativ vielen Tarifen enthalten“, sagt die Verbraucherschützerin.

          Insgesamt sind die Policen über die vergangenen Jahre leistungsstärker geworden. Neupreisentschädigungen werden im günstigsten Tarif häufig für 6 Monate, in Standardtarifen für 12 und in Komforttarifen für 18 Monate gewährt. Auch die Folgeschäden eines Marderbisses abzudecken macht die Police nicht erheblich teurer. Immer weniger neue Verträge beinhalten einen Rabattretter. Mehr als die Hälfe der Versicherer hat ihn mit der Einführung neuer Schaden-Freiheitsklassen abgeschafft. Diese Bedingung schützte den Kunden vor Preiserhöhungen, wenn er einen einzelnen Unfall verursacht hatte. „Wer also noch einen Vertrag mit Rabattretter hat, sollte sich genau überlegen, ob sich die Kündigung lohnt“, sagt Nafi-Geschäftsführerin Höltring.

          Quelle: F.A.Z.

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