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Im Gespräch: Fritz Becker, HQ Trust "Staatsanleihen sind die größte Spekulationsblase"

Fritz Becker, Geschäftsführer des Family Office HQ Trust bevorzugt Aktien und reale Anlagen. HQ ist im vergangenen Jahr deutlich gewachsen, hat aber kein Geld verdient.

© HQ Trust Vergrößern Fritz Becker, Geschäftsführer von HQ Trust

Herr Becker, Sie haben im vergangenen Jahr mehr als 20 Mitarbeiter eingestellt, die zuvor bei der UBS beschäftigt waren. Damit haben Sie Ihre Mitarbeiterzahl auf einen Schlag mehr als verdoppelt. Wie laufen die Geschäfte von HQ Trust?

Mit 30 Jahren Erfahrung sind wir wahrscheinlich das älteste Family Office in Deutschland. Wir haben ursprünglich nur das Vermögen der Erben des Industriellen Harald Quandt verwaltet. Seit Ende der achtziger Jahre haben wir uns für weitere Kunden geöffnet. Deren Interesse an uns erklärte sich unter anderem mit der Tatsache, dass wir schon seit den frühen achtziger Jahren in den Vereinigten Staaten in Beteiligungskapital (Private Equity) investiert hatten. Das haben damals nur wenige deutsche Vermögensverwalter getan. Heute sehen wir zusätzlich eine starke Nachfrage nach einer bankunabhängigen Beratung.

Der Wechsel eines so großen Teams ist im Wealth Management ungewöhnlich. Hat es sich für HQ Trust gelohnt?

Die Integration der neuen Mitarbeiter war äußerst erfolgreich. Die Investmentkonzepte sind weitgehend identisch, und viele der neuen Kollegen kenne ich noch aus ihrer Tätigkeit bei Sauerborn-Feri vor 2005. Feri und Sauerborn waren ja bis 2004 beziehungsweise 2006 Minderheitsbeteiligungen der Familie Harald Quandt. Besonders wichtig ist aber, dass wir nahezu alle Kunden von dem integrierten bankenunabhängigen Betreuungskonzept von HQ Trust überzeugen konnten.

Wie viel Vermögen muss ich denn mitbringen, um bei Ihnen Kunde werden zu können?

Wir bedienen einen Nischenmarkt für Kunden mit Vermögen zwischen 50 Millionen und etwa 500 Millionen Euro. Das sind Vermögen, die zu groß sind für das Private Banking, aber noch zu klein für ein eigenes Family Office. Eine solche Vermögensgröße ist für uns notwendig, um eine globale Streuung über mehrere Anlageklassen angemessen zu verwirklichen und kostenoptimal zu arbeiten.

Wie hoch ist das von Ihnen verwaltete Vermögen?

HQ Trust verwaltet für über 25 Kunden ein Vermögen von noch unter 3 Milliarden Euro. Bei den Finanzdienstleistern im Verbund der Familie Harald Quandt betreuen wir mehr als 13 Milliarden Euro. Darin ist das Vermögen der Familie Quandt enthalten.

Gibt es eine Kapazitätsgrenze für Ihr Haus?

Der Reiz eines Family Office besteht unter anderem in seinem Club-Charakter. Bei der Betreuung komplexer Familienvermögen setzen wir mindestens zwei qualifizierte Mitarbeiter für die Betreuung ein. Mehr als 50 Kunden kann ich mir nicht vorstellen. Wir werden weder Geschäftsstellen eröffnen noch uns das Ziel setzen, das verwaltete Vermögen beliebig zu steigern.

Ist der seit einigen Jahren zu beobachtende Trend zum Family Office ungebrochen?

Ja, die Finanzkrise hat das Vertrauen vieler Kunden in die Banken erschüttert. Es gibt auch Banken, die ihre Geschäftsmodelle in den vergangenen Jahren so verändert haben, dass sie für sehr vermögende Kunden weniger interessant geworden sind.

Welche Bedeutung hat denn die Betreuung von Kunden außerhalb der Familie Quandt für das Geschäftsmodell von HQ Trust?

Als Folge der Investitionen in neues Personal und Systeme haben wir im Jahre 2011 kein Geld verdient. Man muss aber auch sagen, dass eine reine Vermögensverwaltung niemals ein hochprofitables Geschäft ist, wenn man keinen Bankbetrieb stellt: Wir führen keine Depots, und wir betreiben keinen Handel. Und HQ Trust ist auch kein Produktverkäufer. Die Gründung eines Multi Family Office für dritte Investoren hat für die Familie Harald Quandt viele Vorteile. Unter anderem können wir gemeinsam mehr qualifizierte Mitarbeiter beschäftigen, die größere gebündelte Preismacht bei manchen Anlagevehikeln nutzen und generell die Qualität unserer Dienstleistungen im Wettbewerb messen.

Wie berechnen Sie Ihre Gebühren für die Vermögensverwaltung?

Es gibt keine Preistabelle, denn jeder Kunde ist anders. Aber man kann sagen, dass die Gebühren deutlich unter einem Prozent des verwalteten Vermögens liegen. Wir müssen hier unsere Kosten decken können.

Sie haben schon sehr früh die Bedeutung sogenannter realer Anlagen wie Beteiligungskapital, Hedgefonds und Immobilien betont. Haben Sie in dieser Hinsicht heute Wettbewerber?

Nein. In unserem Marktsegment sind zwar mehrere Privatbanken, die Vermögensverwaltungen von Großbanken und ein paar unabhängige Vermögensverwalter tätig. Unsere langjährige Erfahrung in der Modellierung, Steuerung und Buchhaltung von liquiden und illiquiden Vermögenswerten kann aber nur schwer eingeholt werden.

Was bewegt Ihre Kunden derzeit besonders?

Das ist ganz klar die Staatsschuldenkrise. Für viele Kunden ist Vermögenssicherung wichtiger geworden als Rendite.

Was bedeutet das für Ihre Anlagepolitik?

Wir halten kaum Staatsanleihen aus den Industrienationen, weil wir hier die größte Spekulationsblase der vergangenen 60 Jahre sehen. In den vergangenen 20 Jahren sind die Staatsverschuldungen gestiegen, aber die Renditen gesunken. Das ist ein Widerspruch in sich. Schwellenländeranleihen und Unternehmensanleihen kann man sich aber anschauen. Auch Wandelanleihen sind sehr interessant.

Spricht ein solches Umfeld nicht auch für Aktien?

Historisch betrachtet war privates Beteiligungskapital attraktiver als Aktien. Mit Aktien war in den vergangenen zehn Jahren kaum Geld zu verdienen. In Anbetracht der Staatsschuldenkrise sehen wir langfristig durchaus Wert in Aktien. Da die Risiken aber noch hoch bleiben, bauen wir privates Beteiligungskapital aus und haben Aktien aus Schwellenländern, Europa und Kanada taktisch übergewichtet.

Was halten Sie in der aktuellen Lage von Immobilien?

Immobilien bleiben ein wichtiger Baustein in jedem größeren Vermögen. Die Nachfrage nach Immobilien hat aber die Preise in bestimmten Segmenten auf Niveaus getrieben, die mir durchaus problematisch erscheinen. Aber viele Käufer sind bereit, diese Preise zu zahlen, weil sie langfristig eine höhere Inflationsrate befürchten. Also kommt der Auswahl der Objekte heute noch größere Bedeutung zu.

Family Offices

Das aus den Vereinigten Staaten von Amerika stammende Konzept des Family Office beschreibt die Verwaltung privater großer Vermögen durch spezielle Institutionen. Man unterscheidet zwischen einem Single Family Office, das Vermögen für nur eine Familie verwaltet, und einem Multi Family Office, das Vermögen mehrerer Kunden verwaltet. Es existieren keine festen Regeln, aber für ein Single Family Office wird oft eine Mindestsumme von rund 500 Millionen Euro genannt, ab der sich ein solches Projekt erst zu lohnen beginnt. Die Verwaltung sehr großer Vermögen ist traditionell eine Domäne der Privatbanken gewesen. Heute tummeln sich in diesem gewöhnlich diskreten Markt auch Großbanken und bankenunabhängige Vermögensverwalter. Als Hochburg der Family Offices in Europa gilt die Schweiz.

Das Gespräch führte Gerald Braunberger.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 15.02.2012, 17:00 Uhr

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