http://www.faz.net/-gv6-961dp

Flugreisen : Warum Ryanair-Passagiere mit ihrem Handgepäck aufpassen müssen

  • Aktualisiert am

Mit Handgepäck: Passagiere in Berlin-Schönefeld auf dem Weg zum Flugzeug Bild: dpa

Ryanair-Passagiere dürfen künftig weniger Handgepäck in die Kabine nehmen. Grund ist ein Problem, das heute praktisch alle Fluggesellschaften haben.

          Das große Gedränge an den Gepäckfächern der Passagierjets stellt viele Fluggesellschaften vor Herausforderungen. Immer mehr Passagiere reisen mit Rollkoffern im Handgepäck, doch für so viele Kabinen-Trolleys reicht der Platz über den Sitzen oft nicht aus. Die Folge: Schlangen und Diskussionen am Gate, weil viele Trolleys doch in den Frachtraum sollen. Billigflieger Ryanair versucht der Sache mit neuen Regeln Herr zu werden. Eine praktische Lösung bieten die Flugzeugbauer Boeing und Airbus - doch deren Umsetzung braucht Zeit.

          „Wir hoffen, dass all unsere Kunden die neuen Gepäckbestimmungen begrüßen“, sagt Ryanair-Marketingchef Robin Kiely. Zwei Handgepäckstücke bleiben für jeden Passagier kostenlos – auch wenn das größere nun grundsätzlich in den Frachtraum geladen wird. Nur Kunden, die für mindestens fünf Euro die Option „Priority Boarding“ dazugebucht haben, dürfen ihren Trolley garantiert mit an Bord nehmen. Die Neuregelung soll Verzögerungen vermeiden und die Abflüge pünktlicher machen. Zudem senkt Ryanair die Gebühren für aufgegebenes Gepäck und erhöht das erlaubte Gewicht pro Koffer.

          Tatsächlich vollzieht Europas größter Billigflieger dabei eine Kehrtwende. Jahrelang hatte man die Kunden mit hohen Gebühren davon abgehalten, Reisegepäck am Schalter aufzugeben. Das sparte Zeit und Geld. Doch wenn jeder der bis zu 189 Passagiere einen kleinen Rollkoffer mit an Bord nehmen will, gibt es ein Problem. In den Gepäckfächern einer Boeing 737-800 wie bei Ryanair finden dem Flugzeugbauer zufolge gerade einmal 118 Bordtrolleys Platz. Der Billigflieger zieht sogar bei 90 den Schlussstrich. Und es kostet Zeit und Nerven, den übrigen Kunden zu erklären, dass sie ihren Koffer abgeben müssen.

          Andere Fluggesellschaften haben das gleiche Problem

          Vielflieger wissen: Ryanair steht mit dem Dilemma nicht allein da. Ob Easyjet, Lufthansa oder Air France: Sie alle bieten heute im billigsten Tarif nur Handgepäck an. Die Fluggäste haben dazugelernt und nutzen das. Trotzdem sieht die Lufthansa in ihrem Geschäft „unter dem Strich kein allzu großes Problem“ mit der Trolley-Flut, wie eine Sprecherin erklärt. Im Zweifel sprächen die Mitarbeiter die Passagiere an, ob sie ihren Koffer in den Frachtraum geben möchten. Auch Easyjet findet diese Praxis am kundenfreundlichsten.

          Derweil schaut sich Lufthansa die neue Airspace-Kabine von Airbus an, die der Flugzeugbauer 2017 für seine A320-Mittelstreckenjets vorstellt hat. Neben größeren Fensterflächen und einer etwas breiteren Kabine lockt der Hersteller mit XL-Gepäckfächern über den Sitzen, die 40 Prozent größer sein sollen als die bisherigen. In einer A320 finden statt 104 dann 166 Rollkoffer Platz – passend für die üblicherweise bis zu 165 Passagiere.

          News per Whatsapp, Telegram und Messenger
          News per Whatsapp, Telegram und Messenger

          Ab sofort versorgen wir Sie über Ihren Lieblingsdienst mit den Themen des Tages.

          Jetzt anmelden

          Die Lufthansa hat sich aber noch nicht entschieden, ob und welches Paket sie für ihre bestehende Flotte oder die noch auszuliefernden Jets der Neuauflage A320neo ordert. Andere Airlines sind schon weiter. Die amerikanische Gesellschaft American Airlines hat beschlossen, über 200 ihrer Airbus-A321-Jets mit den XL-Fächern nachzurüsten. Auch europäische Airlines hätten die größeren Fächer schon geordert, sagt eine Airbus-Sprecherin.

          Boeing liefert schon größere Gepäckfächer

          Während sich Airbus und Zulieferer FACC aus Österreich bei der Fertigung warmlaufen, hat Boeing mit seinen sogenannten „Space Bins“ schon vorgelegt. In die vergrößerten Fächer für die 737-Jets wie bei Ryanair passen laut Boeing dann insgesamt bis zu 174 Kabinentrolleys – 50 Prozent mehr als in der Standardversion. Das würde sogar bei Ryanair für fast alle Passagiere reichen. Folglich haben sich die Iren bei ihrem jüngsten Flugzeug für die neue Boeing-Kabine im „Sky“-Design entschieden.

          Kurioses Reisegepäck : Von Alligator bis Zebra

          Von daher scheint ein Ende des Koffer-Gedränges zumindest langfristig in Sicht - zumal Flugzeuge im Laufe ihres jahrzehntelangen Lebens meist mehrfach eine neue Kabinenausstattung bekommen. Ob Ryanair seine Handgepäck-Regeln irgendwann wieder ändert, ist heute schwer vorauszusagen. Einen Fehlgriff hatte sich die Luftfahrtbranche 2015 geleistet. Da wollte der Branchenverband IATA die Höchstgröße für Handgepäckstücke um fast 40 Prozent kappen. Nach heftigem Gegenwind von Kunden und Verbraucherschützern legte er das Vorhaben auf Eis.

          Quelle: dpa

          Weitere Themen

          Wer wenig verdient, sorgt wenig vor

          Altersvorsorge : Wer wenig verdient, sorgt wenig vor

          Wer im Rentenalter seinen Lebensstandard halten will, sollte dafür auch privat vorsorgen – das verlangen die Reformen seit 2001. Doch wie viel Spielraum zur Eigenverantwortung haben Geringverdiener?

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          SPD-Sonderparteitag : Der Tag des Zorns

          Die Stimmung in der SPD ist dramatisch schlecht. Setzen sich die Gegner der großen Koalition durch? Und was könnte das bedeuten? Vier Szenarien.
          Grenzenloser Jubel im Ziel: Thomas Dreßen.

          Historischer Erfolg : Dreßen gewinnt Abfahrt in Kitzbühel

          Zum ersten Mal seit 1979 gewinnt wieder ein Deutscher das Traditionsrennen in Österreich. Der DSV-Fahrer setzt sich auf der „Streif“ knapp vor einem Schweizer durch.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.