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Groupon : Das große Pech der Gutschein-Käufer

Groupon: „Das schnellstwachsende Unternehmen, dass es je gab“ Bild: dapd

Das Geschäft mit Rabattgutscheinen im Internet brummt. Die Kunden sparen, die Portale kassieren Provision - alle profitieren. Oder nicht? Immer öfter können Händler ihre Versprechen nicht einhalten.

          Der Champagner ist längst bestellt, aber bisher schäumen nur die Kunden, und zwar vor Wut. Vor Wochen haben sie zum Spottpreis den Perlwein über das Rabattportal Groupon bestellt, aber bis heute keine Flasche geleert, geschweige denn gesehen. Zwar haben die 2.000 Rabattjäger den Kaufpreis per Internet sofort überwiesen und Gutscheine erhalten, aber auf die Lieferung der Firma Stardrinx warten sie bis heute.

          Nadine Oberhuber

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nicht nur Getränkekäufer sind frustriert. Internet-Foren und Facebook-Seiten sprudeln über vor Kommentaren genervter Gutschein-Käufer. Dabei war die Euphorie über Online-Rabatt-Anbieter lange groß. Plattformen wie Groupon oder Dailydeal bieten Sonderangebote für wenige Stunden oder einen Tag. Es sind Gutscheine für Restaurants, Städtereisen, Maniküre, Friseurbesuche oder Smartphones - zum Sensationspreis. Oft kosten die Angebote nur die Hälfte dessen, was man ohne Gutschein zahlen würde.

          Das zieht Kunden in Scharen an, das Geschäft der Rabattportale wächst rasend schnell. Zu schnell, warnen Marktbeobachter. Marktführer Groupon zählt 37 Millionen Nutzer weltweit und schmückt sich mit dem Orden, den ihm das Wirtschaftsmagazin „Forbes“ verpasste: „das schnellstwachsende Unternehmen, dass es je gab“. Der deutsche Anbieter Dailydeal kommt auf 17,5 Millionen Besucher pro Monat.

          Die Anbieter sind überfordert

          Die Kunden sparen, die Portale kassieren Provision - alle profitieren. Oder nicht? Nun, da wären noch die Hersteller und Händler. Sie sind oft völlig überfordert von dem Ansturm, den die elektronischen Plattformen häufig in Minuten auslösen. „Es kommt immer wieder vor, dass ein Anbieter mehr verkauft, als er leisten kann“, weiß Bernd Skiera, Professor für Electronic Commerce an der Universität Frankfurt.

          Schlagzeilen machte der Fall des Pizzadienstes Lieferando, der in wenigen Stunden gut 20.000 Gutscheine zu 4 statt 12 Euro verkaufte - und dessen Server unter der Bestell-Flut der Rabattjäger kollabierte. Skiera kennt auch Fälle wie ein Ein-Mann-Massagestudio, das 500 Massage-Gutscheine verkaufte. Selbst bei einer 60-Stunden-Woche wäre dieser Betrieb zwei Monate damit beschäftigt, nur Gutscheinkunden durchzukneten.

          Das Coupon-Modell überfordere Anbieter auch finanziell, erklärt Skiera: „Typischerweise verdienen Gewerbetreibende nichts am Verkauf, weil sie ihre Dienste zum halben Preis anbieten - und davon geht noch die Hälfte als Provision an das Rabattportal. Es ist unmöglich, zu einem Viertel des Normalpreises kostendeckend zu arbeiten.“

          Im Verlauf des letzten Jahres hat sich die Zahl der Groupon Nutzer fast verdoppelt

          Dennoch lassen sich Händler und Dienstleister auf die Deals ein, um neue Kunden in ihre Läden zu locken. Promi-Friseur Udo Walz und sein Team etwa schnitten auf Gutschein gut 1.000 Otto Normalkunden die Haare - jeder Dritte sei später wiedergekommen, sagt der Coiffeur. Bei Lieferando heißt es, jeder Zweite habe abermals bestellt. Die Regel ist das nicht, wie Studien zeigen. In Amerika, dem Heimatland der Rabattportale, sagten 42 Prozent der befragten Unternehmer, sie würden ihre Groupon-Aktion nicht wiederholen.

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