http://www.faz.net/-gv6-71i9s
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F+ Icon
F.A.Z. PLUS
abonnieren
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --

Veröffentlicht: 21.07.2012, 16:37 Uhr

Groupon Das große Pech der Gutschein-Käufer


Seite     1 | 2   |  Artikel auf einer Seite

„Wenn man versucht, Kunden primär über den Preis zu locken, bekommt man auch genau die Kunden, die nur auf den Preis schauen“, sagt Skiera. „Zudem ist die Gefahr groß, dass sich Händler langfristig selbst kannibalisieren, wenn sie immer mehr Gutscheine an Kunden verkaufen, die auch ohne Rabatt gekommen wären.“

Auch für Kunden wird die Gutschein-Flut zum Problem, da Restaurants, Friseure und Masseure ihre Klientel zunehmend in zwei Klassen teilen: Voll zahlende Gäste werden bevorzugt, Gutscheinkunden auch mal hintenangestellt. So verfallen viele Coupons, da die Kunden keinen Termin bekommen. Schwierig wird es, wenn die Anbieter keine Obergrenzen mit den Portalen ausgehandelt haben. Dann verpflichten sie sich quasi zur Leistung in unbegrenzter Höhe - und sind schnell überfordert.

Mehr zum Thema

Ob die Schuld nur bei den Händlern liegt oder ob die Rabattportale Engpässe billigend in Kauf nehmen: Diese Frage spaltet die Branche. Der Streit entzündet sich am Fall des Getränkeverkäufers Stardrinx, dessen ungeduldige Kunden schon Dutzende Betrugsanzeigen erstattet haben. Firmengründer Christian Schönberger beschuldigt Groupon, mitverantwortlich zu sein: „Wir haben extrem große Deals mit Groupon bespielt und zwei Millionen Euro Umsatz gemacht, wir waren Premiumpartner“, erzählt er. „Aber Groupon hat sich uns gegenüber ziemlich rücksichtslos verhalten.“ Anfangs habe er Gutscheine schnell eingelöst und viel Ware verschickt, sagt Schönberger, „das Geld dafür sollte von Groupon nach fünf Tagen kommen. Doch es kam stets zu spät.“

Immer öfter habe das Portal Absprachen gebrochen. Seit sechs Wochen warte er auf Überweisungen für längst versandte Getränke. Bei 2.000 Kunden, die noch auf ihren Schampus warten, stehe eine halbe Million Euro auf dem Spiel.

Rabattjäger sollten die AGB lesen

Groupon nennt die Vorwürfe „haltlos, ohne jedwede Grundlage und falsch“. Man habe sogar eigene Leute zu Stardrinx geschickt, um Bestell-, Versand- und Kundenservice zu verbessern. Aber: „Stardrinx zeigte sich leider nicht kooperativ.“ Jetzt habe man rechtliche Schritte eingeleitet. Den Kunden verspricht Groupon Rückabwicklung und Stornierung der Aufträge.

Der Fall zeigt: Gutscheine sind schnell gekauft, doch im Streitfall wird es kompliziert. Rabattjäger sollten die AGB der Portale lesen. Für die gekaufte Ware muss man sich an den Gutschein-Aussteller wenden. Der Vertragsanspruch hilft freilich wenig, wenn die Rabattaktion den Partner überfordert. Portale wie Groupon versprechen nur, den Kaufpreis zu erstatten, wenn der Käufer ohne Schuld keine Ware erhält. In der Praxis müssen Kunden aber für die Rückabwicklung sehr hartnäckig sein.

Für die Lieferung der Ware selbst wollen die Anbieter nicht haften, da sie nur Vermittler sind. „Ihre Rolle ist vergleichbar mit der von Maklern“, bestätigt Volker Rieble, Rechtsprofessor an der LMU München. „Makler haften auch nicht, wenn das verkaufte Haus mit Schimmel befallen ist.“ Die rote Linie verläuft beim Betrug. Groupon muss Händler überwachen und darf schwarze Schafe nicht gewähren lassen.

Ein Verbraucherschützer erklärt, wie man sorglos Online-Schnäppchen macht

Herr Tryba, im Netz tobt die Rabattschlacht. Was tun, damit die Schnäppchenjagd nicht zum Frustkauf wird?

Ich rate jedem, bei der Suche nach Angeboten den gesunden Menschenverstand walten zu lassen. Es wird immer der Eindruck erzeugt, genau jetzt sei ein besonderes Schnäppchen zu machen. Verbraucher sollten sich von zeitlich begrenzten Angeboten nicht unter Druck setzen lassen. Ein Blick auf Vergleichsportale und ins Kleingedruckte ist dringend geraten.

Worauf müssen Käufer besonders achten, wenn sie gute, seriöse Angebote ergattern wollen?

Sie sollten sich ganz genau die Bedingungen des Angebots anschauen. Oft gibt es Einschränkungen: Eine Hotelübernachtung darf nicht in der Ferienzeit gebucht werden, Restaurantgutscheine gelten nur für eine Person, oder die versprochene Yoga-Sitzung fällt kürzer aus als üblich. Wer damit kein Problem hat, kann ein Schnäppchen machen. Ich empfehle außerdem, vorher mit dem Händler Kontakt aufzunehmen und beispielsweise frühzeitig zu klären, ob eine Reise an einem bestimmten Wochenende stattfinden kann. Antwortet der Händler nicht oder lässt sich gar keine Kontaktmöglichkeit finden, sollte man gleich die Finger davon lassen.

Woran können die Käufer einen seriösen Händler erkennen?

Den Namen des entsprechenden Anbieters zu googeln ist sicherlich sinnvoll, um festzustellen, ob es in einschlägigen Foren Beschwerden gibt. Es lohnt sich immer, Preis-Suchmaschinen im Netz zu nutzen. Auch der Gang zum Geschäft in der Stadt oder ein Blick auf die Website eines Hotels entzaubern oft den scheinbaren Rabatt.

Was müssen Schnäppchenjäger bei der Kaufabwicklung beachten?

Wenn möglich, sollten Verbraucher auf Rechnung kaufen oder per Lastschriftverfahren bezahlen. Im Gegensatz zur Kreditkarte lässt sich das Geld schnell wieder zurückholen, falls die Lieferung ausbleibt.

Wer ist Ansprechpartner bei Problemen?

Falls es zu Lieferverzögerungen kommt, sollten Beschwerden direkt an den Händler gerichtet werden, um eine Einigung zu erzielen. Scheitert dies, ist es sinnvoll, Kontakt mit dem Portalbetreiber wie Groupon aufzunehmen. Wenn die Kunden unzufrieden sind, dann fällt das auch auf die Vermittler zurück. Das kostet Glaubwürdigkeit.

Vorherige Seite 1 | 2   |  Artikel auf einer Seite
Geld & Leben

"Meine Finanzen" hat die richtigen Tipps für jede Lebenslage. Zu welcher Gruppe gehören Sie?

Zinsen
Name Kurs %
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --
Gold -- --
Zur Homepage