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„Gewerbsmäßiger Betrug“ Strafantrag gegen Postbank Finanzberatung

 ·  Die Finanzberatung der Postbank hat einen sehr schlechten Ruf. Nach einigen Zivilprozessen wurde nun auch Strafantrag wegen „gewerbsmäßigen Betruges“ gestellt.

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Gegen den Vorstand der Postbank Finanzberatung AG haben 25 geschädigte Anleger nach Angaben des Hamburger Rechtsanwalts Arne Heller Strafantrag wegen gewerbsmäßigen Betrugs gestellt. Der Strafantrag sei am 31. Oktober an die zuständige Staatsanwaltschaft Hannover geschickt worden, sagte Heller am Montag der Deutschen Presse-Agentur.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Hannover sagte am Abend, er könne frühestens am Donnerstag sagen, ob ein solcher Strafantrag eingegangen sei. Die Postbank hat laut einem Unternehmenssprecher keine Kenntnis von einem solchen Strafantrag. Der Deutschen Presse-Agentur liegt eine Kopie des Strafantrags vor. Zum Vorwurf des gewerbsmäßigen Betrugs äußerte sich der Sprecher nicht.

Schiffsfonds für 85-järige

Heller vertritt nach eigenen Angaben zivilrechtlich inzwischen 80 frühere Postbankkunden aus Schleswig-Holstein und Hamburg. Die Schadenssumme liege insgesamt bei 10 Millionen Euro. „Um den Druck auf die Postbank zu erhöhen, baten mich Geschädigte, auch strafrechtlich vorzugehen“, sagte Heller. Heller hat nach eigenen Angaben 15 zivilrechtliche Klagen auf den Weg gebracht, weitere würden folgen. An diesem Mittwoch werde er als Gast bei „stern-tv“ über das Thema berichten.

Seine Anleger fühlten sich grob getäuscht, sagte Heller. Bankberater sollen ihnen riskante Produkte verkauft haben, obwohl sie sichere Anlagen haben wollten. Es ging unter anderem um Schiffsbeteiligungen und risikobehaftete Fonds. So habe ein 85-Jähriger eine Schiffsanleihe gezeichnet, die 2026 fällig werde, sagte Heller.

Der Sprecher der Postbank wies am Montagabend den generellen Vorwurf einer Fehlberatung oder gar Täuschung zurück: „Grundsätzlich sind wir der Überzeugung, dass die geleistete Beratung auch mit Blick auf bestimmte Altersgruppen hochwertig und der Situation der Kunden angemessen war.“ Mit Blick auf die im Zuge der Finanzkrise eingetretenen Veränderungen sei das Unternehmen dennoch bereit, „die in Frage stehenden Beschwerdefälle im Einzelfall noch einmal zu prüfen. Wir nutzen dazu ein Verfahren, mit dessen Entwicklung wir eine unabhängige Wirtschaftsprüfungskanzlei beauftragt haben.“

„Provisonen mit betrügerischen Mitteln“

Heller ist nicht der einzige Anwalt, über den Kunden der Postbank gegen deren Finanzberater vorgehen.  Im Dezember 2011 unterlag laut einem Bericht der „Osnabrücker Zeitung“ die Postbank Finanzberatung vor dem Landgericht Aurich und wurde zur Zahlung von 122.000 Euro Schadenersatz verurteilt. Ein für das Unternehmen tätiger freier Anlageberater hatte einem Kunden geschlossene Fondsmodelle empfohlen hatte, die nicht zum Angebot der Postbank gehörten und dies nicht offengelegt. Der Kunde habe annehmen müssen, dass die Postbank ihm nur Anlagen anbietet, die sie kompetent geprüft habe. Tatsächlich aber seien die Fonds unseriös und extrem riskant gewesen.

Der Osnabrücker Rechtsanwalt Werner Dillerup der den Kläger vertreten hatte, ist der Überzeugung, dass die Berater Kunden zugunsten hoher Provisionen systematisch teure und hochriskante Anlagen empfohlen hätten. Sie hätten zum Teil mit betrügerischen Mitteln hohe Provisionen auf Kosten der Kunden vereinnahmt. Die freien Finanzberater hätten Zugriff auf alle Konten der Kunden gehabt und eigenmächtig Gelder hin- und herschieben können.

Statt des Kunden unterschrieben

Die Zeitschrift „Finanztest“ warnte schon im Oktober 2009 davor, dass zahlreichen Kunden der Postbank um der Provisionen willen ungeeignete Produkte verkauft worden seien. Eine Spezialität des Hauses sei es gewesen, alten Leuten gleich mehrere Bausparverträge anzudrehen, auch wenn diese gar nicht bauen oder renovieren wollten und die Zuteilung vermutlich gar nicht mehr erleben würden. Auch würden Altverträge vorzeitig gekündigt, um dann weitere neue Verträge abzuschließen. Zudem seien die Mitarbeiter offenbar völlig unzureichend geschult – ein Vorwurf, den die Postbank zumindest seinerzeit bestritt.

„Finanztest“ berichtete seinerzeit auch über Vertragsabschlüsse, die ohne Wissen der Kunden zustande gekommen seien und die von Mitarbeitern der Postbank anstelle der Kunden unterschrieben worden seien. Die Postbank bestritt, dass die Verträge wirksam geworden und den Kunden ein Schaden entstanden sei.

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20.11.2012, 05:15 Uhr

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