http://www.faz.net/-gv6-756z9

Gesunkene Zinsen : Bausparkassen wollen Altverträge loswerden

Bei Vertragsumwandlungen ist Vorsicht geboten Bild: Marcus Kaufhold

Die Bausparkassen leiden unter den niedrigen Zinsen, Kunden mit attraktiven Einlagenzinsen sollen deshalb in neue Tarife wechseln. Auch Versicherern machen die Niedrigzinsen zu schaffen.

          Die Bausparkassen schreiben in diesen Tagen immer mehr Sparer an, um sie zu einem Tarifwechsel zu überreden. Die Branche leidet ebenso wie die Versicherer unter den schon seit geraumer Zeit sehr niedrigen Zinsen, die auf die Ertragslage drücken. Zusätzlichen Druck üben bei den 23 deutschen Bausparkassen, darunter die 10 öffentlich-rechtlichen Landesbausparkassen der Sparkassengruppe, die Altverträge aus, die noch mit üppigen Einlagenzinsen versehen sind. Diese bewegen sich zwischen 3 und 5 Prozent, während sichere Anlagen wie etwa Bundesanleihen deutlich weniger als 2 Prozent abwerfen.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Bausparkassen wie der Marktführer Schwäbisch Hall, Wüstenrot oder BHW versuchen nun, diese Alttarife loszuwerden. Jedoch sind die Bausparkassen noch immer in der Lage, die niedrigen Zinsen über eine längere Phase tragen zu können. Denn alle Bausparkassen haben nach Angaben von Branchenvertretern die jüngste Zinsrisikoumfrage der Finanzaufsicht Bafin bestanden.

          Rechtlich dürfen sie Bausparverträge mit dreimonatiger Frist kündigen, wenn der Kunde die Bausparsumme zu 100 Prozent angespart hat. Denn dann kann der Zweck des Bausparvertrages - die Vergabe eines Bauspardarlehens - nicht mehr erfüllt werden, weil das Darlehen der Differenz aus Bausparsumme und -guthaben entspricht. Doch die Bausparkassen wollen nun auch Kunden zum Wechsel überreden, die noch nicht die Bausparsumme erreicht haben. Sie sollen dann in einen Tarif wechseln, der mit niedrigeren Einlagenzinsen, aber dafür günstigeren Darlehenskonditionen versehen ist. So bietet Wüstenrot Kunden mit einem Alttarif (Einlagenzins 2,5 Prozent/Darlehenszins 4,6 Prozent) den Wechsel in einen neuen Tarif (0,5 Prozent/1,6 Prozent) an.

          Bestandskunden finanzierten den Vertriebsexzess mit

          Doch Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) warnte nun im „Handelsblatt“ die Kunden davor, sich zu finanziell nachteiligen Entscheidungen bewegen zu lassen. Bei jeder Vertragsumwandlung sei Vorsicht geboten. Denn die Vermittler versuchen über die Tarifumwandlung Provisionen zu kassieren. Wüstenrot will die Einbußen der Kunden korrigieren und die Provisionen zurückbuchen, wenn die Kontoumstellungen nicht im Kundeninteresse erfolgt sind.

          Umdeckungen sind auch in der Versicherungswirtschaft ein immer wieder zu beklagendes Problem. In der privaten Krankenversicherung haben einige Maklervertriebe ein Geschäftsmodell daraus gemacht, den Kunden einen kürzlich geschlossenen Vertrag schlechtzureden, nach einem günstigeren Tarif bei einer anderen Gesellschaft zu suchen und abermals eine Vertriebsprovision zu kassieren. Vor allem für die daran unbeteiligten Bestandskunden wurde das zum Problem, weil die hohen Provisionssätze nach einem Jahr noch nicht durch die Prämien des ausscheidenden Kunden gedeckt waren. Das heißt: Die Bestandskunden finanzierten den Vertriebsexzess mit. Im vergangenen April schob das Finanzministerium dem einen Riegel vor, indem es einen Höchstsatz für Abschlussvergütungen von neun Monatsbeiträgen festlegte. Als noch effektiver gilt die Ausweitung der Haftungszeit für Vertragskündigungen auf fünf Jahre. Erst danach hat der Vermittler die volle Provision sicher.

          Öffentliche Kritik handelte sich im vergangenen Jahr die Ergo-Versicherung ein. Sie habe Vermittler dazu ermutigt, Kunden mit hochverzinslichen Lebensversicherungen systematisch in weniger attraktive Unfallversicherungen zu treiben, um damit Lasten aus den Garantieprodukten zu mindern. Das Unternehmen wies die Verantwortung für solche Verhaltensweisen den Vertretern zu und erklärte, diese aufgefordert zu haben, dieses Geschäftsgebaren einzustellen. Auch der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft hat die Sprengkraft des Themas erkannt. In seinem Verhaltenskodex für den Vertrieb, den die meisten Mitglieder unterzeichnet haben, hat er den Umdeckungen einen von elf Punkten gewidmet. Darin heißt es: „Die Abwerbung von Versicherungsverträgen ist nur mit wettbewerbskonformen Mitteln zulässig.“ Vermittler müssen den Kunden die drohenden Nachteile beschreiben.

          Weitere Themen

          Türkische Notenbank hebt Zins an

          Schwache Lira : Türkische Notenbank hebt Zins an

          Die türkische Zentralbank reagiert auf den gefährlichen Niedergang der heimischen Währung. Präsident Erdogan mag die Zinsanhebung nicht gefallen, doch die Devisenmärkte sind zunächst ein wenig beruhigt.

          Topmeldungen

          Trumps Zölle : Wohin mit unseren Autos?

          Amerikas Präsident Donald Trump will Zölle auf Autos erheben – Chinas Präsident Xi Jinping dagegen senkt sie. Was bedeutet das für die deutsche Autoindustrie? Wir rechnen nach.

          AfD-Demo in Berlin : Verbohrter Kulturkampf

          Selbst die CDU-Generalsekretärin schlägt wild um sich. So wird die AfD nicht etwa klein. So geht die Saat der AfD erst richtig auf. Ein Kommentar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.