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Gesunkene Zinsen Bausparkassen wollen Altverträge loswerden

Die Bausparkassen leiden unter den niedrigen Zinsen, Kunden mit attraktiven Einlagenzinsen sollen deshalb in neue Tarife wechseln. Auch Versicherern machen die Niedrigzinsen zu schaffen.

© Marcus Kaufhold Bei Vertragsumwandlungen ist Vorsicht geboten

Die Bausparkassen schreiben in diesen Tagen immer mehr Sparer an, um sie zu einem Tarifwechsel zu überreden. Die Branche leidet ebenso wie die Versicherer unter den schon seit geraumer Zeit sehr niedrigen Zinsen, die auf die Ertragslage drücken. Zusätzlichen Druck üben bei den 23 deutschen Bausparkassen, darunter die 10 öffentlich-rechtlichen Landesbausparkassen der Sparkassengruppe, die Altverträge aus, die noch mit üppigen Einlagenzinsen versehen sind. Diese bewegen sich zwischen 3 und 5 Prozent, während sichere Anlagen wie etwa Bundesanleihen deutlich weniger als 2 Prozent abwerfen.

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Bausparkassen wie der Marktführer Schwäbisch Hall, Wüstenrot oder BHW versuchen nun, diese Alttarife loszuwerden. Jedoch sind die Bausparkassen noch immer in der Lage, die niedrigen Zinsen über eine längere Phase tragen zu können. Denn alle Bausparkassen haben nach Angaben von Branchenvertretern die jüngste Zinsrisikoumfrage der Finanzaufsicht Bafin bestanden.

Rechtlich dürfen sie Bausparverträge mit dreimonatiger Frist kündigen, wenn der Kunde die Bausparsumme zu 100 Prozent angespart hat. Denn dann kann der Zweck des Bausparvertrages - die Vergabe eines Bauspardarlehens - nicht mehr erfüllt werden, weil das Darlehen der Differenz aus Bausparsumme und -guthaben entspricht. Doch die Bausparkassen wollen nun auch Kunden zum Wechsel überreden, die noch nicht die Bausparsumme erreicht haben. Sie sollen dann in einen Tarif wechseln, der mit niedrigeren Einlagenzinsen, aber dafür günstigeren Darlehenskonditionen versehen ist. So bietet Wüstenrot Kunden mit einem Alttarif (Einlagenzins 2,5 Prozent/Darlehenszins 4,6 Prozent) den Wechsel in einen neuen Tarif (0,5 Prozent/1,6 Prozent) an.

Bestandskunden finanzierten den Vertriebsexzess mit

Doch Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) warnte nun im „Handelsblatt“ die Kunden davor, sich zu finanziell nachteiligen Entscheidungen bewegen zu lassen. Bei jeder Vertragsumwandlung sei Vorsicht geboten. Denn die Vermittler versuchen über die Tarifumwandlung Provisionen zu kassieren. Wüstenrot will die Einbußen der Kunden korrigieren und die Provisionen zurückbuchen, wenn die Kontoumstellungen nicht im Kundeninteresse erfolgt sind.

Umdeckungen sind auch in der Versicherungswirtschaft ein immer wieder zu beklagendes Problem. In der privaten Krankenversicherung haben einige Maklervertriebe ein Geschäftsmodell daraus gemacht, den Kunden einen kürzlich geschlossenen Vertrag schlechtzureden, nach einem günstigeren Tarif bei einer anderen Gesellschaft zu suchen und abermals eine Vertriebsprovision zu kassieren. Vor allem für die daran unbeteiligten Bestandskunden wurde das zum Problem, weil die hohen Provisionssätze nach einem Jahr noch nicht durch die Prämien des ausscheidenden Kunden gedeckt waren. Das heißt: Die Bestandskunden finanzierten den Vertriebsexzess mit. Im vergangenen April schob das Finanzministerium dem einen Riegel vor, indem es einen Höchstsatz für Abschlussvergütungen von neun Monatsbeiträgen festlegte. Als noch effektiver gilt die Ausweitung der Haftungszeit für Vertragskündigungen auf fünf Jahre. Erst danach hat der Vermittler die volle Provision sicher.

Öffentliche Kritik handelte sich im vergangenen Jahr die Ergo-Versicherung ein. Sie habe Vermittler dazu ermutigt, Kunden mit hochverzinslichen Lebensversicherungen systematisch in weniger attraktive Unfallversicherungen zu treiben, um damit Lasten aus den Garantieprodukten zu mindern. Das Unternehmen wies die Verantwortung für solche Verhaltensweisen den Vertretern zu und erklärte, diese aufgefordert zu haben, dieses Geschäftsgebaren einzustellen. Auch der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft hat die Sprengkraft des Themas erkannt. In seinem Verhaltenskodex für den Vertrieb, den die meisten Mitglieder unterzeichnet haben, hat er den Umdeckungen einen von elf Punkten gewidmet. Darin heißt es: „Die Abwerbung von Versicherungsverträgen ist nur mit wettbewerbskonformen Mitteln zulässig.“ Vermittler müssen den Kunden die drohenden Nachteile beschreiben.

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Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 19.12.2012, 20:04 Uhr

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