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Geschlechtsneutrale Tarife Welche Versicherungen Sie vor Weihnachten abschließen sollten

Vom 21. Dezember an zahlen Männer und Frauen für Versicherungen die gleiche Prämie - das kann teuer werden. Wer rechtzeitig einen Vertrag abschließt, sichert sich noch die alten Tarife. Für wen sich das lohnt.

© dpa Vergrößern Versicherer dürfen im neuen Jahr in ihren Tarifen nicht mehr zwischen den Geschlechtern unterscheiden

Ob in der Fernsehwerbung, in großflächigen Anzeigen oder per Brief vom eigenen Vertreter: Mit aller Macht stößt die Versicherungswirtschaft derzeit ihre Kunden auf die große Tarifreform zum 21. Dezember. Gezwungen vom Europäischen Gerichtshof, müssen die Unternehmen an diesem Tag Unisex-Tarife einführen. Bislang war das Geschlecht ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal, um die Prämie zu kalkulieren. Vor allem bei Verträgen, bei denen die Lebenserwartung eine Rolle spielt, werden sich die Prämien nach dem Stichtag zum Teil erheblich von den heutigen unterscheiden.

Philipp Krohn Folgen:    

Der neue Preis errechnet sich nicht als Durchschnitt der bisherigen Männer- und Frauentarife. Stattdessen unterstellen die Versicherer ein neues Mischungsverhältnis der Geschlechter durch das veränderte Verhältnis von Risiko und Preis. Für Frauen wird etwa eine lebenslange Monatsrente nicht im gleichen Maße günstiger, wie sie für Männer teurer wird. Wie groß die Unterschiede sein werden, kann allerdings bislang nur geschätzt werden, weil die neuen Tarife noch weitgehend unbekannt sind.

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„Wenn ich festgestellt habe, dass ich einen Bedarf habe, darf ich mich nicht von der Frage leiten lassen, ob eine Police in einigen Wochen günstiger oder teurer wird“, sagt Thorsten Rudnik, Verbraucherschützer vom Bund der Versicherten. So könne es fahrlässig sein, als Mann auf eine Risikolebensversicherung zu verzichten, weil sie im kommenden Jahr günstiger wird. „Wie will man dann einer Witwe mit zwei Kindern erklären, warum sie keinen Hinterbliebenenschutz erhält?“, fragt er rhetorisch. Doch umgekehrt gelte auch: Wenn der Bedarf erkannt sei, spreche vieles dafür, sich noch die günstigere Prämie bis zum 20. Dezember zu sichern.

Rentenversicherung

Bislang zahlen Männer wegen der geringeren Lebenserwartung für eine feste Monatsrente rund 10 Prozent weniger, rechnet Stephan Schinnenburg vor, einer der Geschäftsführer des Analysehauses Morgen & Morgen. Doch selbst unter Maklern sind ungeförderte private Renten durch die stetig sinkenden Überschussbeteiligungen längst nicht mehr unumstritten. In Form einer abgabenbegünstigten betrieblichen Altersvorsorge oder steuerlich bevorteilten Rürup-Rente könnten sich Männer noch die alten Bedingungen sichern, empfiehlt Peter Przybilla, Makler von Hengstenberg & Partner. „Es reicht ein kleiner Beitrag, den man durch Zuzahlungen später aufstocken kann.“

Dabei aber müssten die Kunden ihre Vermittler darauf verpflichten, dass der Vertrag auch tatsächlich alle Zuzahlungen nach den alten Bedingungen ermöglicht. Denn weniger als ein Drittel aller Angebote ist tatsächlich „Unisex-sicher“. Verbraucherschützer warnen zudem davor, dass die Verträge nur dann eine positive Rendite haben, wenn der Kunde sie tatsächlich bis zum Ende durchhält. „Wenn man sich trotz aller Nachteile für einen solchen Vertrag entschieden hat, dann lieber noch vor dem 21.12 abschließen“, sagt Rudnik.

Risikolebensversicherung

Aktuell zahlen Männer nach Auskunft von Morgen & Morgen rund 50 Prozent mehr für einen Vertrag, der Hinterbliebene vor dem Einnahmenausfall nach dem Tod eines Angehörigen schützt. Denn Männer sterben häufiger während der Laufzeit. „Zum neuen Jahr wird es für Frauen deutlich teurer und für Männer etwas günstiger“, erwartet Schinnenburg. So unverzichtbar ein solcher Vertrag sei, so gering werde der Unterschied absolut ins Gewicht fallen, sagt Makler Przybilla. „Für eine Versicherungssumme von 100.000 Euro zahlt man 17 Euro monatlich. Wenn es später 19,50 Euro sind, tut das nicht so sehr weh.“

Berufsunfähigkeit

Für eine solche Absicherung dürften Männer künftig rund 8 Prozent mehr zahlen, Frauen 2 Prozent weniger, erwartet Schinnenburg. Statistisch werden Männer zwar 1,3-mal so oft berufsunfähig wie Frauen. Für die Jahre, für die Policen abgeschlossen wurden (meist ab 35 Jahren), gilt aber das Gegenteil. Deshalb zahlen Männer derzeit weniger und müssen sich auf steigende Prämien einstellen. Sie dürften aber nicht blind abschließen, warnt Makler Przybilla. „Die Qualität des Anbieters steht hier über allem“, sagt er. Denn es gebe viele Unternehmen, die Leistungen verweigern. Auch hohe Prozessquoten seien ein schlechtes Indiz.

Krankenversicherung

Privatversicherte haben das Recht, auf günstigere Tarife derselben Gesellschaft umzusteigen. Die Versicherer stehen deshalb gleich doppelt unter Druck. Machen sie die Policen für die bisher teureren Frauen zu günstig, verlieren sie nicht nur im Neugeschäft Prämieneinnahmen, sondern auch im Altbestand, aus dem gewechselt werden kann. „Deshalb werden viele den Preis nicht sehr stark senken“, sagt Schinnenburg.

Zudem sind Policen aus zwei weiteren Gründen kaum noch vergleichbar: Weil viele Versicherer ihren Rechnungszins absenken wollen, steigen allein dadurch die Prämien für neue Kunden. Zudem wollen einige Anbieter neue Leistungen mit in den Katalog aufnehmen, um im Qualitätswettbewerb mit den gesetzlichen Kassen besser dazustehen. Für Männer werden die Krankenpolicen teurer. Ein Abschluss vor dem 21.12. sei allerdings mit angemessener Beratung über die Bedingungen und Gesundheitsfragen fast nicht mehr zu schaffen, sagt Makler Przybilla. Zudem verlangt diese Entscheidung viel Zeit, da ein Wechsel aus dem privaten ins gesetzliche System später kaum noch möglich ist. Frauen können gut bis nach dem Stichtag warten.

Pflegetagegeld und -rente

Weil Frauen länger leben, ist es wahrscheinlicher, dass sie pflegebedürftig werden. Aktuell macht das die private Pflegezusatzabsicherung für sie teurer. Künftig dürften sie die Policen um 5 Prozent günstiger bekommen, erwartet Schinnenburg. Für Männer könne es um 30 Prozent teurer werden. Wegen der höheren Monatsprämie falle der Preisanstieg deutlicher ins Gewicht als etwa bei einer Risikolebensversicherung, sagt Makler Przybilla. „Das ist aber sicherlich keine Police, die man haben muss“, schränkt Verbraucherschützer Rudnik ein.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 13.11.2012, 06:45 Uhr

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