Ferienzeit ist Urlaubszeit. Doch leider auch immer wieder Zeit für Kurseinbrüche an den Aktienbörsen. Im vergangenen Jahr verlor der FAZ-Index innerhalb von zwei Wochen im Juli und August fast 23 Prozent an Wert. Der Beginn der heißen Phase der Finanzkrise fiel 2008 in die Herbstferien. Binnen einer Woche waren Index-Anleger um fast 20 Prozent ärmer. Und das sind nicht unbedingt Ausnahmen: In den neunziger Jahren mussten Anleger gleich viermal bei der Zeitungslektüre im Urlaub betroffen zusehen, wie der Wert ihres Depots deutlich zusammenschmolz.
Damit Anleger ihre Urlaubstage stressfrei und ohne einen einzigen Blick auf die Börsenkurse genießen können, sollten sie ihre Depots rechtzeitig überprüfen und vorsorgen. Dann erleben sie später keine unangenehmen Überraschungen über erlittene Kursverluste.
Mal einen Gewinn mitnehmen
Vermögensexperten raten Anlegern denn auch, ihre Geldanlagen vor dem Urlaub kritisch zu prüfen, und zuweilen sogar, allzu riskante Aktien zu verkaufen, die in der Regel besonders schwankungsanfällig sind. Gleiches gilt für Aktien, die deutlich im Kurs gestiegen sind und deren Bewertungen inzwischen alles andere als günstig erscheinen. Insgesamt könnte dies also eine gute Gelegenheit zu einem sommerlichen „Depotputz“ sein. Welche Papiere passen noch zur langfristigen Anlagestrategie und welche nicht? Entscheidend sind die Risikobereitschaft und der Anlagehorizont der Investoren.
Bei jedem Verkauf fallen allerdings Transaktionskosten an. Und auch steuerliche Aspekte lohnt es zu bedenken. Haben Anleger die Wertpapiere vor dem Jahr 2009 erworben, können sie ihre Kursgewinne noch immer steuerfrei vereinnahmen. Bei einem späteren Neukauf entfällt dieser Vorteil, spätere Kursgewinne unterliegen dann der Abgeltungssteuer. Sind die Sorgen der Anleger zudem nicht berechtigt, entgehen ihnen mögliche Kursgewinne.
Sicherheitsnetz Stop-Loss-Aufträge
Wer seine Verkaufsentscheidung nicht sofort treffen will, kann mittels sogenannter Stop-Loss-Aufträge ein automatisches Sicherheitsnetz einziehen - nicht nur zur Urlaubszeit. Diese Wertpapierorders begrenzen die Verluste, wie der Name sagt. Sie kommen erst dann zum Tragen, wenn der Kurs von Aktien, Fonds oder Zertifikaten auf ein vorher festgelegtes Niveau, den Stop-Loss-Kurs, fällt. Anschließend werden die Wertpapiere sofort zum nächsten handelbaren Kurs verkauft.
Dieser Preis kann ähnlich der gewählten Schwelle sein, höher ausfallen, aber auch deutlich unter dem Stop-Kurs liegen. Anleger sollten grundsätzlich lieber ungerade Beträge wählen und vielbeachtete runde Kurse wie 50 Euro meiden. Ihr Erreichen kann größeren Verkaufsdruck auslösen und deutlichere Kurseinbußen mit sich bringen. Dies gilt umso mehr, wenn Kursschwellen markttechnisch relevant sind.
Die klassische Stop-Loss-Order ist die am häufigsten verwendete Form dieser Art von Verkaufsaufträgen. Überdies gibt es sinnvolle Sonderformen. Denkbar seien rund 15 bis 20 Varianten, heißt es vom Bundesverband deutscher Banken. Die meisten würden aber im institutionellen Aktienhandel verwendet.
Abhängig vom jeweiligen Geldinstitut werden jedoch auch Privatanlegern verschiedene Auftragsformen angeboten - zum Beispiel die „Stop-Limit“-Order. Anders als mittels des klassischen Stop-Loss wird hier der Auftrag des Kunden nach dem Erreichen des angegebenen Kursniveaus zu einer limitierten Order. Sie wird also nur zu einem ganz bestimmten Kurs (Limit) ausgeführt und nicht zu jedem nächstmöglichen. Dadurch können Anleger größere, plötzliche Kursverluste vermeiden. Voraussetzung für die Ausführung ist jedoch, dass das Limit im Handel erreicht wird.
Stop-Trail-Order
Auch eine sogenannte Stop-Trail-Order kann sinnvoll sein. Hier erhöht sich die den Verkauf auslösende Kursschwelle im Gleichlauf mit einem steigenden Aktienkurs. Kostet eine Aktie beispielsweise 30 Euro und liegt der Stop-Kurs 5 Euro tiefer, also auf 25 Euro, so bleibt dieser Abstand bei einem Kursanstieg erhalten. Läge der Aktienkurs später bei 40 Euro, wäre das Sicherheitsnetz bei 35 Euro aufgespannt.
Für den Auftrag können zusätzliche Gebühren anfallen, und zwar auch dann, wenn dieser nicht ausgeführt wird. Anleger sollten überdies auf eine ausreichende Laufzeit des Auftrags achten. Eine Wertpapierorder verfällt häufig zum letzten Handelstag eines Monats (Ultimo) automatisch und muss anschließend wieder neu eingerichtet werden - gegebenenfalls mit neuen Gebühren. Teilweise kann auch eine bestimmte Zeitspanne festgelegt werden.
Anlageexperten raten, Kursschwellen entsprechend der persönlichen Risikobereitschaft und Markterwartung zu setzen. Zu nah am aktuellen Kurs sollten sie nicht liegen, sonst erfolgt der Verkauf möglicherweise unerwartet schnell. Falls man mit Kursgewinnen rechnet, gilt als Faustregel, ein Drittel dessen zu riskieren, was man an Kursplus erwartet. Wer von fallenden Kursen ausgeht, sollte überlegen, ob er sich nicht ganz von seinem Investment trennt.
Depotvollmacht für die Person des Vertrauens
Anleger, die sich nicht von ihren Wertpapieren trennen wollen, können sich auch gegen Kursverluste absichern. Klassischerweise geschieht dies mit Hilfe von Verkaufsoptionsscheinen auf Aktien oder Indizes, sogenannte Puts. Ihr Preis steigt grundsätzlich dann, wenn der des Basiswerts fällt. Bei diesen Optionsscheinen schlagen sich die Kursbewegungen des Basiswertes überproportional im Preis nieder. Sie werden deshalb auch als Hebelpapiere bezeichnet. Der Einsatz bleibt insofern gering, kann aber auch verlorengehen.
Wer vor dem Urlaub keinen Portfolio-Sommertest mehr durchführen möchte, der kann natürlich auch über das Internet oder das Telefon vom Urlaubsort aus sein Depot überwachen und im Notfall handeln. Oder er kann einer Person seines Vertrauens eine Depotvollmacht erteilen, mit all den Risiken, die mit einer Vollmacht gemeinhin verbunden sind.
Auch am Urlaubsort können Anleger vielfach am Börsengeschehen teilhaben - wenn sie das wollen. Es sei denn, sie sind in entlegeneren Winkeln der Erde unterwegs. Viele Hotels bieten standardmäßig einen Zugang zum Internet; falls nicht, gibt es zahllose Internetcafés. Mit dem eigenen Computer können Drahtlosnetzwerke (W-Lan) oder eine besondere Ausstattung wie etwa USB-Sticks den Zugang zum Internet herstellen.
Auch mit der steigenden Zahl an Smartphones ist der Netzzugang möglich. Allerdings sollten die internationalen „Roaming“-Gebühren für Telefonieren über Landesgrenzen hinweg beachtet werden, die das Ganze schnell zu einem teuren Vergnügen werden lassen können. Denn die übertragenen Datenmengen sind häufig groß. Viele Banken bieten „Bank-Apps“ für das iPhone an oder haben sie in Planung. Gleichwohl sind hierüber häufig nur Abfragen der Konto- und Filialdaten oder Überweisungen möglich. Dagegen ermöglicht beispielsweise die Deutsche Bank ihren Online-Kunden über eine spezielle iPhone-App den Wertpapierhandel (Brokerage) über das Telefon. Andere Banken arbeiten noch daran. Das normale Online-Banking über das Internet dürfte mit den meisten Handys und Smartphones jedoch auch bei ihnen möglich sein.
Einige Finanzinstitute benachrichtigen auf Kundenwunsch per SMS oder per E-Mail, wenn ausgewählte Wertpapiere bestimmte Kursniveaus erreichen. Dann können die Anleger gegebenenfalls reagieren. Aus Kostengründen raten Experten aber, für Bankgeschäfte lieber den Computer im Hotel und das dortige Netz zu nutzen. Und natürlich geht es auch ganz klassisch: mit einem Anruf bei der Hausbank.
Anlageregeln überdenken
Dinko Jurcevic (blaumaestron)
- 02.07.2012, 16:03 Uhr