Eine langfristige Analyse der Entwicklung in 14 Industrienationen hat den Kapitalanlageexperten des Kölner Privatbankhauses Sal. Oppenheim gezeigt: In Jahren einer Entschuldung sind nach aller Erfahrung weder Aktien noch Anleihen besonders attraktive Anlagen, weil sich in diesen Zeiten ein niedriges Wirtschaftswachstum mit niedriger Inflation paart.
Daher sehen die Kölner in dem sogenannten Absolute-Return-Konzept, in dem Aktien und Anleihen mit alternativen Anlagen wie zum Beispiel Rohstoffen kombiniert werden, eine interessante Alternative. „Anlagekonzepte, die alleine auf marktnahen Bestandteilen wie Aktien und Anleihen beruhen, werden es schwer haben“, sagt Vorstandsmitglied Wolfgang Leoni. Realistischerweise sei mit einer Absolute-Return-Strategie eine jährliche Rendite von 350 bis 550 Basispunkten über dem Geldmarktzins zu erwarten. Damit wären viele institutionelle Anleger zufrieden, die üblicherweise jährliche Renditen zwischen 4 und 4,5 Prozent ansteuerten.
Schlechtes Geschäft mit Bundesanleihen
Im laufenden Jahr dürften vor allem mit Bundesanleihen keine guten Geschäfte zu machen sein. Sie seien eine Art „Risiko ohne Rendite“. Da viele Anleger aber in Anleihen investieren müssen, hat Sal. Oppenheim Alternativen zur Bundesanleihe entwickelt. Dazu zählen einmal Staatsanleihen aus anderen Ländern mit einem AAA-Rating, die sich nicht im Euroraum befinden. Hierzu zählen unter anderen Singapur, Schweden, Dänemark und Australien. Aus einem Korb mit Anleihen aus acht dieser Länder und einer Duration von rund 4 Jahren lasse sich eine Extrarendite von etwa einem Prozent gegenüber Bundesanleihen erzielen, errechnete Leoni. Hinzu komme die Möglichkeit von Aufwertungsgewinnen.
Neben Unternehmensanleihen führt Leoni vor allem Anleihen aus Schwellenländern als interessante Alternative an. Sal. Oppenheim wird daher einen Fonds auflegen, der überwiegend aus asiatischen Anleihen besteht.
Die Kölner haben ihren Anlageempfehlungen ein moderat optimistisches wirtschaftliches Szenario für den Euroraum zugrunde gelegt. Sie nehmen eine Fortsetzung der auf Entschuldung angelegten Politik an und erwarten weitere Konsolidierungsmaßnahmen, die bei Bedarf von der Europäischen Zentralbank (EZB) unterstützt würden. Zudem unterstellen sie Strukturreformen und weitere Schritte in Richtung einer Fiskalunion. Freilich: Alle Risiken will man nicht weg definieren. Ein Antrag Spaniens auf ein Hilfsprogramm wird nicht vollständig ausgeschlossen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Währungsunion in ihrer heutigen Form nicht überlebt, beziffern die Kölner mit 25 Prozent.