28.01.2012 · Es kommt nicht nur darauf an, dass man seine Anlagen breit streut. Sondern auch, wie man kombiniert. Nur so sinkt das Risiko.
Von Dyrk Scherff„Lege niemals alle Eier in einen Korb." Dieser alte Börsenspruch wird auch heute noch gern gepredigt. „Denn fällt der Korb herunter, dann gehen gleich alle Eier zu Bruch.“ Übersetzt heißt das: Investiere dein Geld nicht nur in ein oder zwei Aktien, sonst schmilzt es bei einem Börsencrash stark zusammen. Sondern streue das Vermögen auf verschiedene Anlageklassen wie Aktien, Anleihen und Rohstoffe. Denn selten verlieren alle Anlagen gleichzeitig. Sie gleichen sich eher ein wenig aus.
Das sah man auch 2011 wieder. Während Aktien von August an unter Druck gerieten, gewannen deutsche Staatsanleihen stark an Wert, weil sie als sicher angesehen wurden. Streuung auf viele verschiedene Anlagen ist also eine der wichtigsten Notwendigkeiten in der Geldanlage. Doch was ist die beste Kombination?
Früher war es hilfreich, Aktien aus verschiedenen Regionen zu kaufen. Ein paar deutsche, ein paar amerikanische, ein paar japanische. Doch die zunehmende Verflechtung der Weltwirtschaft durch die Globalisierung und Internationalisierung der Finanzmärkte hat den positiven Effekt der Streuung (Fachleute sprechen auch von Diversifikation) weitgehend zerstört. Die Aktienmärkte der Industriestaaten und zunehmend auch der Schwellenländer entwickeln sich immer ähnlicher. Das heißt, wenn es an den Börsen kracht wie 2008, dann gleich überall.
Ein Ausdruck für diesen verstärkten Gleichlauf der Aktienmärkte ist eine Kennzahl: die Korrelation zwischen zwei Märkten. Sie schwankt zwischen 1 und -1. Bei 1 laufen die Märkte völlig parallel, bei -1 genau entgegengesetzt. Die wichtigsten Aktienmärkte korrelieren mittlerweile schon mit 0,7 bis 0,9. Um die Jahrtausendwende lag die Korrelation erst zwischen 0,4 und 0,6. Am stärksten ist sie zwischen Dax und Euro Stoxx 50. Das heißt, Aktien aus Deutschland und dem Euroraum entwickeln sich fast immer gleich, eine Streuung auf diese beiden Märkte bringt wenig Sicherheitsgewinn.
Welche Anlageklassen sollten also im Depot kombiniert werden? „Eine gute Streuung bieten Anlageklassen, die mit weniger als 0,5 korrelieren", erklärt Heiko Jacobs von der Universität Mannheim. Er hat dort Korrelationsdaten seit den siebziger Jahren ausgewertet. Unter 0,5 - aber noch positiv -, bedeutet, dass sich zwei Märkte zwar mehrheitlich in die gleiche Richtung bewegen, aber nicht so oft wie bei einer Korrelation von 0,9.
Auch das senkt das Risiko im Depot. Noch besser ist es aber, wenn die Korrelation negativ ist. Dann entwickeln sich die Märkte in unterschiedliche Richtungen, Verluste einer Anlage können durch Gewinne einer anderen reduziert werden.
Korrelationen unter 0,5, aber noch im positiven Bereich, sind möglich, wenn Aktien mit Rohstoffen kombiniert werden. Am besten ist die Risikostreuung weiterhin mit Anleihen. Hier ist die Korrelation meist negativ, wenn die Papiere nicht gerade aus den Euro-Krisenländern stammen. Auch Anleihen und Rohstoffe untereinander korrelieren negativ, gleichen sich also risikominimierend aus. Die vermeintliche Krisenanlage Gold übrigens korreliert zu Aktien nur um 0. Anleihen sind also der bessere Schutz bei Aktiencrashs.
Korrelationen ändern sich allerdings ständig. Gerade in Krisenzeiten werden sie positiver. Dax und Euro etwa entwickelten sich 2011 bis kurz vor Jahresende wegen der Schuldenkrise deutlich gleichlaufender als früher. Daher sollte man nicht nur den aktuellen Korrelationen trauen, sondern sie im Zeitverlauf betrachten. Anleihen könnten zudem künftig an Wert für die Risikostreuung verlieren. Weil ihre Kursschwankungen wegen der Schuldenkrise zunehmen, wegen der schon niedrigen Renditen und der Gefahr von Inflation. Anleger suchen daher verstärkt nach anderen Geldanlagen mit wenig Korrelation. Die Hoffnung ruht auf afrikanischen Aktien, Infrastruktur und Private Equity.
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Peter Hoch (luxor)
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Dyrk Scherff Jahrgang 1971, Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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