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Benzinpreise : Teurer Sprit, billiger Sprit

Autobahn-Raststätte an der A8 bei Nellingen Bild: dpa

Wo gibt es den billigsten Sprit? Überraschung: Es hilft, wenn der richtige Supermarkt in der Nähe ist.

          Sind Sie schon einmal mit dem Auto in den Urlaub gefahren und haben sich geärgert, dass Ihnen mitten auf der Autobahn der Sprit ausgeht? Weil nämlich an der Tanke auf der Autobahn das Benzin deutlich teurer ist als am Wohnort? Dann hat Sie Ihr Empfinden nicht getäuscht.

          Hanna Decker

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Ökonomen bestätigen, was viele Autofahrer ahnen: Benzin ist auf der Autobahn tatsächlich deutlich teurer als in Städten. Ökonomen der Universität Düsseldorf haben herausgefunden, dass Benzin an Autobahnraststätten im Schnitt 6-7 Cent pro Liter mehr kostet, abends sogar bis zu 10 Cent pro Liter.

          Justus Haucap, Professor für Wettbewerbsökonomik, führt das auf eingeschränkten Wettbewerb zurück. Denn die große Mehrheit der Raststätten an deutschen Autobahnen betreibt das Unternehmen Tank & Rast. Nach eigenen Angaben sind es rund 360 Tankstellen und 400 Raststätten.

          Die Raffinerie entscheidet mit

          Dass Benzinpreise über den Tag schwanken, ist bekannt: Pünktlich zur Mittagszeit, zum Feierabend und in der Nacht steigen die Preise kurzzeitig an. Aber es gibt noch andere Faktoren als die Uhrzeit, die die Preise beeinflussen. Zum einen sind das Raffinerie-Preise. Sie sagen den ungefähren Benzinpreis schon einmal ganz gut voraus.

          Die Forscher haben aber auch herausgefunden: Je weiter eine Tankstelle von einer Raffinerie entfernt ist, desto teurer wird das Benzin für die Autofahrer. Bei 100 Kilometer Entfernung gibt es durchschnittlich einen Aufschlag von 1,3 Cent pro Liter, bei 200 Kilometern 2,6 Cent pro Liter usw. Gut für Autofahrer also, die in der Nähe einer solchen Raffinerie wohnen.

          Extras kosten extra

          Tankstelle ist aber nicht gleich Tankstelle. Manche bieten schlicht und einfach nur Kraftstoff an, manche haben ein kioskartiges kleines Geschäft und manche einen großen Laden, dessen Auswahl der eines Supermarktes nahekommt. Für Autofahrer mag die Kombination aus Tanken und Einkaufen bequem sein, aber je mehr Extras die Tankstelle bietet, desto höher ist tendenziell auch das Spritpreisniveau. Forscher haben herausgefunden, dass Benzin an Tankstellen mit angeschlossenem großen Geschäft bis zu 2,2 Cent pro Liter teurer ist als an solchen ohne Geschäft.

          Eine Rolle spielt natürlich auch, wie intensiv der Wettbewerb in der Nähe der jeweiligen Tankstelle ist. Dabei hat die Anzahl der direkten Konkurrenten nur wenig Einfluss auf die Preise. Wichtiger ist, dass es im Umkreis Tankstellen von vielen verschiedenen Betreibern gibt. Das drückt den Preis.

          Eine besondere Art von Konkurrenz sind Supermärkte oder Waschstraßen, an denen Benzin nur noch nebenbei verkauft wird. Gerade erst hat die Supermarktkette Aldi Süd beispielsweise angekündigt, an zehn Standorten Grundstücksfläche an die FE-Trading zu verpachten. Die soll neben den Supermärkten unter der Marke Avanti Automatentankstellen aufbauen und betreiben.

          In Österreich und Frankreich ist das für Autofahrer schon lange normal. In Deutschland gibt es hingegen nur 270 Supermärkte (von mehr als 10.000 insgesamt), die auch Benzin verkaufen. Die bekanntesten: Familia in Norddeutschland, V-Markt in Süddeutschland sowie die Kette Globus. Außerdem gibt es Autowaschketten wie Mr. Wash oder Clean Car, die ebenfalls „nebenbei“ Kraftstoff verkaufen.

          Die Überraschung: Es geht nicht nur um die Supermarkt-Tankstellen selbst. Haucap und sein Team haben herausgefunden, dass diese Supermärkte und Waschstraßen auch einen besonderen Einfluss auf die Preise an Tankstellen im Umland haben: um etwa 1,2 Cent sinken die Preise der großen Marken-Tankstellen, wenn ein Mr. Wash in der Nähe geöffnet hat, um 0,7 Cent, wenn ein V-Markt geöffnet hat.

          Generell gilt als Faustregel für Autofahrer: Benzin ist bei den großen Mineralölkonzernen wie Shell oder Aral sind durchschnittlich deutlich teurer als an kleinen, unabhängigen Tankstellen. Das gilt vor allem in der Nacht, tagsüber kann sich der Unterschied auf bis zu 1 Cent pro Liter reduzieren. Allerdings: „Je größer die Marke, desto größer ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass sie eine Preiserhöhung initiiert“, sagt Steffen Eibelshäuser, der an der Universität Frankfurt zu Benzinpreisen forscht. Wenn Aral beispielsweise um 12.02 Uhr die Preise erhöht, ziehen die Konkurrenten wenige Minuten später nach.

          Keinen statistisch signifikanten Zusammenhang fand Eibelshäuser dagegen mit dem Verkehrsaufkommen. Auch Feiertage haben keinen so großen Einfluss auf die Benzinpreise wie oft vermutet: Tankstellen erhöhen ihre Preise zu solchen Anlässen zwar leicht, aber um maximal 0,5 Cent pro Liter.

          Quelle: FAZ.NET

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