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Veröffentlicht: 05.01.2016, 09:26 Uhr

Wintersport Augen auf beim Skihelm-Kauf!

Auf der Skipiste kann ein schicker Helm nicht schaden. Viel wichtiger als das Aussehen sind aber drei Tests, für die man sich vor jedem Skihelm-Kauf Zeit nehmen sollte.

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© obs Rund 60 Prozent der Kopfverletzungen entstehen gar nicht erst, wenn man den Schädel schützt, sagen Unfallmediziner.

Manchmal sind Kinder den Erwachsenen ja deutlich voraus, wenn es um Skihelme geht zum Beispiel. Höchstens eines von hundert Kindern ist ohne Helm auf den Pisten unterwegs. Und die meisten von ihnen tragen Knallfarben auf dem Kopf, das finden sie cool. Erwachsene tun sich noch etwas schwerer damit, sich eine Plastikschale über den Schädel zu stülpen.

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Immerhin 70 bis 80 Prozent fahren zwar bereits mit Helm, schätzt der Deutsche Skiverband (DSV), in Befragungen sagen zwei Drittel der Pistenfahrer, dass sie einen Helm tragen. Das heißt, rund jeder Dritte winkt ab: „Das drückt“, „das würgt mich“, „damit sehe ich nichts mehr“, so lauten die häufigsten Begründungen. Dabei kann ein Helm im Ernstfall Leben retten.

Eine erschreckende Zahl der Universität Innsbruck lautet nämlich: Jeder fünfte bis zehnte verletzte Wintersportler erleidet Kopfverletzungen. Das sind insgesamt 3000 deutsche Pistenfahrer pro Jahr. Und wer jetzt denkt: Kann mir nicht passieren, ich kann fahren, der sei gewarnt. Zwar sind die meisten Stürze selbst verursacht, also tatsächlich Fahrfehler, aber die Kollisionen auf Pisten nehmen neuerdings deutlich zu, sagt die Auswertungsstelle Skiunfälle.

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Statistisch gesehen passiert es einem von 1000 Skifahrern, dass er beim Fahren mit anderen zusammenstößt. Ein Helm kann dabei wenigstens die schlimmsten Schäden verhindern, denn rund 60 Prozent der Kopfverletzungen entstehen gar nicht erst, wenn man den Schädel schützt, sagen Unfallmediziner.

Nicht mehr nur Kopfschutz

Vor allem Sportmediziner sprechen sich für eine Helmpflicht aus. Viele Skigebiete und die Sportverbände dagegen fürchten, dass sie damit eher Pistenfahrer verschrecken. Dass daher eine europäische Trageverordnung eingeführt wird, halten viele für unwahrscheinlich. In einigen Ländern allerdings gilt bereits für Kinder und Jugendliche eine Helmpflicht, in Italien etwa bis 14 Jahre. In Österreich, Kroatien und Slowenien bis 15 Jahre und in Polen bis 16 Jahre. Schweden verpflichtet seine Skifahrer zwar zu nichts, nimmt Kinder ohne Helm aber nicht mehr im Lift mit. Dagegen beschränken sich Deutschland, Frankreich und die Schweiz bisher auf Aufklärungskampagnen, in denen sie für die Vorzüge von Helmen werben. Soweit ist das Tragen reine Kopfsache.

37882131 © Uvex Vergrößern Der Hartschalenhelm „Uvex p1us“ schützt den Kopf zum Preis von 99,95 Euro (unverbindliche Preisempfehlung).

Nun meldet sich aber vereinzelt auch der Bauch zu Wort. Denn in der laufenden Skisaison machen viele bunte Farben auch wirklich Lust aufs Tragen. Inzwischen ist der Helm nicht mehr nur Kopfschutz, sondern auch modischer Kopfschmuck auf der Piste geworden und das farblich passende Accessoire zu Jacke wie Hose.

Nie nach dem Preis kaufen

Das wichtigste Kriterium, das ein Helm dabei erfüllen muss, ist die Norm DIN EN1077. Nur mit ihr nämlich steckt man den Kopf in geprüfte Sicherheit. Das heißt, Stoßdämpfung und eine gewisse Steifigkeit gegen das Eindringen spitzer Gegenstände sind gewährleistet. Es gibt wenige Modelle auf dem Markt, die dieses Prüfsiegel nicht tragen - aber es gibt sie. Der Rest ist reine Formsache, und genau das macht den Helmkauf manchmal schwierig. Helme lassen sich nicht einfach in gute und schlechte Helme einteilen.

Schon gar nicht lässt sich ohne praktischen Test sagen, welcher Helm zu wem passt. Man sollte den Helm auch nie nach dem Preis kaufen, der bei guten Markenhelmen von Uvex, Salomon, Atomic, Alpina oder Head zwischen 100 und 130 Euro liegt. Denn bei diesem Kauf entscheidet allein der Kopf - aber eben nicht rational, sondern nach Gefühl: Er spürt, in welcher Schale er sich wohl fühlt und welche Marke zu ihm passt.

Der Helm sollte so sitzen, dass er mit offenem Kinnriemen beim Senken des Kopfes nicht herunterfällt. Und er darf nicht wackeln, wenn man den Kopf abrupt bewegt. Trägt man ihn eine Viertelstunde, sollte nichts drücken oder würgen. Dann hat er den Passformtest bestanden.

Bedienung mit Handschuhen möglich?

Test zwei sollte der Handhabung gelten: Verschlüsse und Belüftungsschlitze müssen sich auch mit Handschuhen bedienen lassen. Wenn man die nämlich jedes Mal ausziehen muss, ist garantiert, dass einem ziemlich schnell die Finger abfrieren. Helmtester empfehlen außerdem Ratschenverschlüsse statt filigraner Klickteile oder Magnetverbindungen.

Wichtig sind auch die Skibrillenclips am Hinterkopf. Manche sind schwer zu schließen oder gehen im falschen Moment auf. Das sorgt dann dafür, dass der Augenschutz vom Winde verweht wird oder ständig verrutscht. Ungestörten Durchblick hat man dagegen mit Modellen, bei denen das Visier gleich fest am Helm montiert ist, etwa von Uvex, Alpina, Head oder Dainese. So etwas ist auch für Brillenträger praktischer als Skibrillen.

Wie gut hält der Helm dicht?

Test drei lautet: Wie arg hält der Helm dicht? Einerseits sollte man mit Helm noch die Umgebungsgeräusche gut wahrnehmen, das kann man in überfüllten Sportgeschäften gut testen. Denn hört man darunter schlecht, kann man im Notfall auch keinen heranrauschenden Skifahrer von hinten kommen hören. Übrigens haben Kopfhörer unterm Helm nichts zu suchen, mahnen Tester. Laute Musik beim Fahren kann sogar das Gleichgewicht stören und schlimme Unfälle verursachen.

Andererseits sollte der Helm dicht genug sein, um auch warm zu halten. Das ist schließlich eine der angenehmsten Begleiteigenschaften des Kopfschutzes: Man bekommt auf dem Kopf keine Gänsehaut, nicht einmal bei zehn Grad minus. Allerdings sollte sich die Schale an sonnigen Tagen mit Belüftungsschlitzen auch öffnen lassen. Sonst raucht der Kopf, und dem Fahrer wird ganz schön heiß. Dabei reicht es doch, wenn Letzteres erst beim Après-Ski oder abends in der Sauna passiert.

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