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Experiment in Kleve : Die ersten Wochen ohne Cent-Münzen

Abnehmer für die überflüssigen 1- und 2-Cent-Münzen haben sich in Kleve bereits gefunden. Bild: dpa

Seit dem 1. Februar sind die 1- und 2-Cent-Stücke aus vielen Geschäften in Kleve verschwunden. Die Meinungen zu dem Experiment sind geteilt – nicht alle können oder wollen auf die Münzen verzichten.

          In Kleve am Niederrhein gibt es seit dem 1. Februar ein ungewöhnliches Experiment, mit dem die 50.000-Einwohner-Stadt gern Vorreiter für ganz Deutschland sein möchte: Dort sollen die Ein- und Zwei-Cent-Münzen verschwinden. Um sie überflüssig zu machen, runden die Händler alle Summen der Kassenbons auf den nächsten Fünf-Cent-Betrag auf oder ab. Nach den ersten Wochen zogen die Organisatoren der Aktion jetzt eine kleine Bilanz.

          Sie berichten als Erfolg, dass sich in den vergangenen Wochen nach und nach weitere Händler gefunden hätten, die mitmachen wollten. Beispielsweise die Interieur-Kette Xenos, die in ihrer Werbung gern mit dem griechischen Wort für „fremd“ in ihrem Namen spielt und sich selbst bevorzugt als etwas verrückt darstellt. Sie stammt aus den Niederlanden, wo das Runden von kleinen Cent-Beträgen ohnehin verbreitet ist.

          Es habe aber auch Rückschläge gegeben, sagte Organisatorin Ute Marks von der städtischen Marketinggesellschaft: „Unser Lebensmittelmarkt hat einfach ein personelles Problem bei der Umsetzung.“ Marks meint, für viele Geschäfte wäre es leichter, mitzumachen, wenn es dort an der Kasse eine eigene Taste für das Auf- oder Abrunden des Endbetrages gäbe.

          Aber auch die ganz grundsätzliche Frage, ob es überhaupt wünschenswert wäre, dass die kleinen Münzen mit der Kupfer-Ummantelung verschwinden, wird weiter diskutiert. In vielen Städten, von Düsseldorf bis Delmenhorst, haben sich die lokalen Medien umgehört, was Händler, Sparkassen, aber auch Menschen auf der Straße von der Idee halten. Auf der Straße ist das Bild weniger eindeutig als bei der Frage, ob man das Bargeld insgesamt abschaffen soll.

          Keine Begeisterung bei Verbraucherschützern

          Manche Leute finden die kleinen Münzen, die sich im Portemonnaie sammeln, dann doch etwas lästig. Andere wollen sich auf jeden Fall nicht verbieten lassen, damit zu zahlen. Wieder andere sind stolz darauf, noch zu den Leuten zu gehören, die sich für einen Cent auf der Straße bücken. Und manche befürchten, dass die Händler zu ihren Ungunsten aufrunden könnten, wenn die kleinen Münzen verschwinden.

          Diese Angst zumindest halten Verbraucherschützer für unbegründet. „Es werden ja nicht die Preise für die einzelnen Produkte geändert, sondern es erfolgt ein Auf- oder Abrunden der Gesamtsumme. Die Gesamtauswirkung sollte marginal sein“, sagte Ralf Scherfling von der Verbraucherzentrale in Düsseldorf. Begeistert sei man von dem Projekt gleichwohl nicht: Erst „krumme“ Preise an Waren zu schreiben und dann an der Kasse zu runden sei nicht transparent.

          Interesse bei den Sparkassen

          In den Sparkassen hingegen scheint man in vielen Orten der Idee, die kleinen Münzen auslaufen zu lassen, etwas abgewinnen zu können. Auch wenn sich keiner gern öffentlich in diese Richtung äußert - vielleicht aus Angst, als Bargeld-Feind gebrandmarkt zu werden. Bei der Stadtsparkasse Düsseldorf jedenfalls heißt es, man habe das Experiment in Kleve „interessiert zur Kenntnis genommen“. Die Arbeit mit den Münzen in der Sparkasse binde erhebliches Personal, hinzu kämen Kosten für die Logistik. Zudem gebe es Alternativen wie die EC-Karte, die von den Kunden angenommen würden.

          „Allerdings haben wir als Stadtsparkasse Düsseldorf immer betont, dass die Entscheidung über die Art und Weise des Bezahlens ausschließlich beim Kunden liegt“, sagte ein Sprecher. Ähnlich äußerte man sich beim Handelsverband NRW: „Wir beobachten das als spannendes Pilotprojekt aus der Ferne.“ Marketingfrau Marks in Kleve meint dazu: „Es gibt mehrere Städte, die sich die Frage stellen, ob man uns nun folgen oder für verrückt erklären soll.“

          Gleich zwei Abnehmer haben sich unterdessen in Kleve zu Wort gemeldet, die ein Interesse an den künftig nicht mehr benötigten Münzen haben: Die evangelische Kirchengemeinde hat eigens Spendenbehälter aufgestellt und sammelt die Münzen für einen guten Zweck. Und ein Künstler namens Janusz Grünspek kündigte an, aus den Münzen besonders dekorative Knöpfe machen zu wollen.

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