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Konsumverhalten : Viele Eltern übernehmen sich wegen der Kinder

Manche Eltern geben (zu) viel Geld für Ihre Kinder aus. Bild: Picture-Alliance

Viele kaufen mehr für die Kinder, als sie sich leisten können. Vor allem eine Elterngruppe ist stark gefährdet. Was passiert da?

          Fast jedes dritte Elternteil in Deutschland fühlt sich unter Druck gesetzt, mehr Geld für die Kinder auszugeben, als sich die Familie eigentlich leisten kann. Das jedenfalls behauptet eine Studie des Inkasso-Unternehmens Intrum Justitia aus Stockholm, die sich auf eine Umfrage unter 24.401 Verbrauchern stützt, davon 1044 aus Deutschland. Der Report untersucht unter anderem, weshalb Konsumenten über ihre Verhältnisse leben, was dann dazu führen kann, dass Inkasso-Mitarbeiter vorbeikommen.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In der Umfrage sagten 30 Prozent der befragten Eltern in Deutschland, sie hätten im vergangenen Jahr sozialen Druck erfahren, etwas für ihre Kinder zu kaufen, das sie sich eigentlich nicht leisten konnten. Bei jungen Eltern zwischen 18 und 34 Jahren sieht die Studie eine besondere Gefährdung: In dieser Gruppe lag der Anteil der Befragten, die sich in diese Richtung äußerten, mit 52 Prozent deutlich über dem Durchschnitt. 87 Prozent der Eltern, die solchen Druck spürten, haben dem dann auch nachgegeben. Von denen wiederum haben 25 Prozent sich zu diesem Zweck Geld geliehen oder ihr Konto überzogen.

          Unter den Dingen, die sie dann für ihre Kinder kauften, obwohl sie das Budget zu sprengen drohten, nannten die Eltern an erster Stelle Markenkleidung (31 Prozent). Danach folgten Spielkonsolen oder Videospiele (26 Prozent), Schuhe (25 Prozent), Reisen (25 Prozent), Computer (24 Prozent) und Smartphones (23 Prozent). Die jungen Eltern klagten vor allem darüber, ihnen werde von den Kindern für alles rund um die Computer das Geld aus der Tasche gezogen.

          Auch die sozialen Medien üben Druck auf

          Ob es sich dabei womöglich nur um eine Ausrede der Eltern handelte und wie viel sie denn für ihre eigenen Bedürfnisse ausgeben, hat der Bericht nicht thematisiert. „Unsere Analyse zeigt, dass eine gefährdete Gruppe unserer Gesellschaft sozialem Druck ausgesetzt ist, der zu einer ungesunden langfristigen Verschuldung führen kann“, sagte Michael Ericson, der Vorstandsvorsitzende von Intrum Justitia: „Bei den vielfältigen in der heutigen Zeit möglichen Zahlungsoptionen müssen wir mehr tun, um Vertrauen zu schaffen und jede neue Generation zu schulen, wie man nachhaltig konsumiert.“

          Auch die sozialen Medien übten Druck auf die Menschen aus, mehr zu konsumieren, als überhaupt notwendig ist, heißt es in der Studie weiter. Das betreffe allerdings nicht ausschließlich Eltern; einer entsprechenden Aussage haben in der Umfrage 24 Prozent der Befragten zugestimmt. Außerdem zeigten die Ergebnisse, dass die Akzeptanz von Konsum auf Kredit jetzt auch in Deutschland steige. „Es scheint mehr und mehr Normalität zu werden, auf Kredit zu kaufen“, sagte Jürgen Sonder, Geschäftsführer von Intrum Justitia in Deutschland.

          Vier von zehn der Deutschen (41 Prozent) gaben an, dass es in Ordnung sei, Konsumgüter wie Fernseher oder Computer auf Kredit zu kaufen. Dieser Wert sei gestiegen im Vergleich zu früheren Umfragen in den Jahren 2016 (35 Prozent) und 2015 (20 Prozent). „Die Aufnahme und Gewährung von Krediten ist eine Voraussetzung für eine wachsende Wirtschaft“, sagte Ericson. „Gleichzeitig zeigt unsere Analyse, wie wichtig es ist, dass das System auch für alle beteiligten Parteien vorteilhaft ist.“

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