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Veröffentlicht: 04.05.2017, 11:22 Uhr

Fluggastentschädigung Vogelschlag rechtfertigt nicht jede Verspätung

Ist das Flugzeug wegen Vogelschlag verspätet, gibt es für Passagiere keine Entschädigung. Doch in einigen Fällen bekommen die Passagiere trotzdem Geld.

von
© Picture-Alliance Vogel und Flugzeug: eine brisante Mischung

Laut einer EU-Verordnung haben Fluggäste Anspruch auf Entschädigung, wenn ihr Flug mehr als drei Stunden Verspätung hat. Dies gilt allerdings nicht, wenn der Grund außergewöhnliche Umstände waren. Dazu zählt auch ein Vogelschlag, also die Kollisionen mit einem oder mehreren Vögeln. Das bestätigte an diesem Donnerstag der Europäische Gerichtshof (EuGH) in einem neuen Urteil.

Martin Hock Folgen:

Das gilt aber wiederum nur dann, wenn die Fluggesellschaft alles dafür getan hat, dass der Flug so pünktlich wie möglich beginnt. Im konkreten Fall, in dem ein tschechischen Paares von Bulgarien nach Hause fliegen wollte, war das aber nicht der Fall.

5 Stunden und 20 Minuten

An der Maschine wurde zunächst ein technisches Problem festgestellt, dessen Behebung eine Stunde und 45 Minuten gedauert hatte. Dann kollidierte das Flugzeug während der Landung eines Vorgängerfluges mit einem Vogel. Ein örtlicher Fachmann bestätigte danach die Flugbereitschaft.

Dennoch bestand der Eigentümer darauf, dass ein eigener Techniker aus einer anderen Stadt dies noch einmal überprüfen solle. Letztlich führte das zu einer Verspätung von fünf Stunden und 20 Minuten. Die Tschechen forderten eine Entschädigung von jeweils 6825 Kronen (rund 250 Euro).

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Die Gerichte des Landes verwiesen den Fall zur Klärung an den EuGH. Dieser urteilte, dass der Vogelschlag nicht vom Luftfahrtunternehmen beherrschbar und daher ein außergewöhnlicher Umstand gewesen sei.

Allerdings habe das Unternehmen eben alle Maßnahmen zu ergreifen, um die Annullierung des Fluges oder dessen Verspätung um drei Stunden oder mehr zu verhindern. Da das Flugzeug offenbar von einem autorisierten Fachmann kontrolliert worden sei, sei die zweite Kontrolle nicht erforderlich gewesen. Das bedeutet, dass jener Teil der Verspätung von der Gesellschaft zu verantworten ist.

Über den konkreten Streitfall müssen jetzt wieder tschechische Gerichte befinden. Das EuGH-Urteil ist allerdings bindend und zeigt den Weg auf.

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