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Das Duell : Sprach-Apps im Test

  • -Aktualisiert am

Das bisschen Russisch Bild: Stefan Finger

Kann man mit dem Computer wirklich Sprachen lernen? Unsere Autoren haben es mit Russisch versucht.

          Von Russisch haben wir nicht den Hauch einer Ahnung. Das Alphabet, der Sprachklang, die Grammatik - alles völlig fremd. Es herrscht also Chancengleichheit bei unserem Test: Wer lernt die Sprache in vier Wochen besser? Unsere Lehrer: zwei Sprach-Apps. Jens-Peter Hiller lernt mit Babbel, Raphael Moritz mit Rosetta Stone, jeder eine halbe Stunde am Tag. Beide Unternehmen zählen zu den führenden Anbietern am Markt. Nach einem Monat lassen wir unser Können von einer russischen Freundin bewerten. Ein Crashkurs in fünf Akten.

          Erste Woche

          Moritz: „Krieg und Frieden“ im Original lesen, in Moskau Piroggen bestellen oder den Schaffner in der Transsibirischen Eisenbahn verstehen? Ein Traum. Schade, dass ich kein Russisch kann. Das soll sich nun ändern. Rosetta Stone verspricht, dass das Erlernen von Sprachen auch im Erwachsenenalter noch mühelos klappt. Sogar die amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa und das Außenministerium der Vereinigten Staaten nutzen das Programm. Die App verzichtet dabei komplett auf Übersetzungen ins Deutsche. Stattdessen soll ich Russisch wie ein Kind lernen, indem ich Wörter und Bilder verknüpfe. Das Prinzip erinnert an Memory.

          So beginnt mein erster Lerntag: Über einem Mädchen steht „де́вушка“. Im nächsten Schritt erscheint das Wort abermals und ich soll zwischen einem blonden Jungen und einem Mädchen mit Blumen in der Hand wählen. Ich klicke das Mädchen an, ein grüner Pfeil erscheint: „де́вушка“ heißt also Mädchen. Geht ganz leicht. Aber schon wird klar: Bis Tolstoi ist es noch ein weiter Weg.

          Hiller: Der Sprachkurs ist eine Reise in die Vergangenheit, zurück auf die Schulbank. Sätze nachsprechen, Bilder zuordnen und Dialoge vervollständigen - das ist wie beim Englischlernen in der fünften Klasse. Mit dem Unterschied, dass mein Lehrer, die App, nicht die Hausaufgaben kontrolliert. Ich fange an mit Wörtern wie Mama oder Kakao. Meinen ersten Satz spreche ich schon nach einem Tag: „кто там?“, „Wer ist dort?“ Wow, ich kann Russisch! Stolz balle ich die Fäuste: Ich stelle mir schon vor, wie ich fließend parlierend durch Moskau ziehe. Technische Schwierigkeiten reißen mich aus den Träumereien. Einmal wird mir ein Satz ins Französische übersetzt und den Buchstaben „ë“, so etwas wie das russische „J“, erkennt das Programm nicht. Es kommen erste Zweifel, ob der Kurs wirklich ausgereift ist.

          Zweite Woche

          Moritz: Auch wenn meine App den Verzicht auf Übersetzungen als Stärke verkauft: Mir bereitet das Probleme. Beim Lernen von Zahlen zeigt Rosetta Stone ein Bild mit fünf Äpfeln in einer Schüssel. Es reicht, wenn ich in dem Satz das Wort für Äpfel („я́блоки“) erkenne, um das richtige Bild anzuklicken. So kann ich mich durchmogeln, ohne die Zahlen zu lernen. Leider kann ich mich aber immer noch nicht vorstellen. Ich beherrsche die russischen Wörter für Fahrrad, Butterbrot, Hut und Zeitung. Sprechen kann ich nicht. Mein Repertoire ganzer Sätze beschränkt sich auf: „ма́льчик ест рис.“ Auf Deutsch: „Der Junge isst Reis.“ Das sage ich gleich fünfmal.

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