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Übersetzungs-Apps im Vergleich : Ein Dolmetscher für alle Fälle

  • -Aktualisiert am

Ganz perfekt ist die Übersetzung noch nicht - hier der Übersetzer von Google Bild: Stefan Finger

Übersetzer-Apps funktionieren inzwischen überraschend gut. Aber auch die besten von ihnen können es noch nicht mit menschlichen Dolmetschern aufnehmen.

          Er ist gelb, erinnert an einen Blutegel und kann wahnsinnig nützlich sein: der Babelfisch. Douglas Adams hat sich das schräge Tier für seinen Roman „Per Anhalter durch die Galaxis“ ausgedacht. Jeder, der es im Ohr trägt, versteht alle Sprachen der Welt. Was im Erscheinungsjahr 1979 noch reine Science-Fiction war, ist heute fast Wirklichkeit geworden. Informatiker kommen dem Universalübersetzer sehr nahe.

          Ob im Urlaub oder auf Geschäftsreisen – die Computerprogramme helfen als App im Ausland weiter, wo die eigenen Fremdsprachenkenntnisse versagen. Sie übertragen Zeitungsartikel, E-Mails oder Websites im Handumdrehen in die Muttersprache. Seit September vergangenen Jahres übersetzt Google gar mit Hilfe von neuronalen Netzwerken – Künstliche Intelligenz, die von selbst dazulernt. Kurz darauf stellte Rivale Microsoft eine Software vor, die gesprochene Sprache genauso gut wie ein Mensch erkennen soll. Und das Grazer Start-up iTranslate hat seine beliebte Übersetzungssoftware im Mai in drahtlose Kopfhörer integriert und damit tatsächlich ins menschliche Ohr verpflanzt. Ist der Babelfisch also doch real?

          Herausfinden soll das ein Test mit vier kostenlosen Übersetzer-Apps: Der Google Übersetzer, der schriftlich über 100 Sprachen beherrscht, konkurriert mit dem Übersetzer von Microsoft, der knapp 60 Sprachen bietet. Zudem treten iTranslate mit ebenfalls fast 100 Sprachen und die gleichnamige Software von Promt an. Das Unternehmen ist auf 16 Sprachen spezialisiert.

          Alle vier Apps nutzen ein Eingabefeld, in das Sätze eingetippt oder kopiert werden können. Google, Promt und iTranslate übersetzen auch lange Texte, bei Microsoft ist nach knapp 500 Zeichen Schluss. Zum Aufwärmen sollen die Programme einfache Texte knacken. Hier überzeugt Google am meisten. Ein Standard-Bewerbungsschreiben etwa übersetzt die App flüssig und weitgehend fehlerfrei vom Englischen ins Deutsche. Die drei Rivalen dagegen kämpfen mit Wortwahl, Grammatik und Satzbau. Microsoft und iTranslate scheitern an der Formulierung „That especially appealed to me in the job advertisement“. Sie verstümmeln zu „Das mir besonders gefallen in der Stellenanzeige hat“. Die Ergebnisse sind fast identisch, da auch iTranslate Microsoft-Technik nutzt. Promt preist sich als mannschaftsorientiert (team-oriented), gewidmet (dedicated) und elastisch (resilient) – gemeint ist dagegen teamorientiert, engagiert und belastbar. Auch bei sehr simplen Sätzen leistet sich die App Patzer: Statt der Reservierung (reservation) eines Zimmers verlangt Promt ein „Bedenken“.

          Google-Übersetzer schneidet im Testlauf am besten ab

          Im Detail aber hat auch Google Probleme und wechselt bei einer nachgestellten Unterhaltung munter zwischen „du“ und „Sie“. Computerlinguist Josef van Genabith, der an der Saar-Uni zu maschineller Übersetzung forscht, nennt weitere sprachliche Hürden, an denen die Programme noch scheitern: „Sie verstehen keine Metaphern und sind nicht in der Lage, den Einfluss von Kulturen auf die Sprache zu berücksichtigen.“

          Fordert man die Apps literarisch, haben sie noch deutlich größere Schwierigkeiten. Professionelle Übersetzer des Dienstleisters Lengoo haben das für die F.A.S. geprüft. Google hat wieder die Nase vorn – scheitert aber daran, den Stil von Nobelpreisträger Ernest Hemingway nachzubilden. Microsoft, iTranslate und Promt zeigen sich noch schwächer.

          Fällt es den Apps leichter, nüchterne technische Texte ins Deutsche zu übertragen? Das Testobjekt: die Beschreibung einer Netzwerktechnologie. Lengoo-Geschäftsführer Christopher Kränzler urteilt: Alle vier Programme haben Probleme dabei, die einzelnen Satzteile richtig aufeinander zu beziehen – doch das sei bei technischen Beschreibungen extrem wichtig. Besser schneiden die Apps bei einer EU-Verordnung ab, denn Rechtstexte haben oft eine simple Struktur. Abermals kann vor allem Google punkten. Um sich einen ersten Überblick über die Rechtslage in einem anderen Land zu verschaffen, können sich die Übersetzer also durchaus eignen. Doch Vorsicht: Einen ganzen Geschäftsvertrag, bei dem jedes Detail stimmen muss, bekommen sie kaum in den Griff. Auch wer auf Diskretion angewiesen ist, sollte lieber einen verschwiegenen menschlichen Übersetzer wählen. Die Anbieter speichern alle Daten und werten sie aus, um ihre Programme zu verbessern.

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