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Öffentliches Stromtanken : Kompliziert und mitunter teuer

  • Aktualisiert am

Das kostet fast gar nix? Mitunter weit gefehlt. Bild: dpa

Es gibt viele Hürden für den Siegeszug des Elektroautos. Eine ist schon das Tanken: Es ist kompliziert und was es kostet, lässt sich auch nicht so einfach sagen.

          Bislang werden die meisten der nur 34.000 Elektroautos in Deutschland in der heimischen Garage oder beim Arbeitgeber aufgeladen. Nur 10 bis 20 Prozent der Ladevorgänge entfallen auf öffentliche Ladepunkte. Das liegt zum einen an der geringen Zahl der Autos, zum anderen daran, dass ein leistungsfähiges Netz von öffentlichen Ladestationen erst entsteht.

          Zum Jahresbeginn gab es in Deutschland gut 7400 öffentliche Ladepunkte an 3200 Ladestationen, die oft zwei Ladepunkte haben. Schwerpunkt sind Großstädte und Ballungsräume. Mit einem Förderprogramm der Bundesregierung im Volumen von 300 Millionen Euro sollen 15.000 neue Ladestationen gebaut werden, davon 5000 Schnellladestationen.

          Auch Privat-Unternehmen arbeiten daran. Tank&Rast treibt den Ausbau an den Autobahnen voran. Porsche, VW , Audi, BMW , Ford und Daimler haben ein Gemeinschaftsunternehmen für den Aufbau eines Ladenetzes an vielbefahrenen Strecken gegründet. Die Mineralölgesellschaften halten sich in Deutschland dagegen bislang weitgehend zurück. Das Netz der Stromtankstellen wird dennoch immer dichter.

          Aber auch wenn das Netz einmal steht, wird das Strom-Tanken gewöhnungsbedürftig sein, ist doch der Strommarkt anders organisiert als der Markt für Kraftstoffe.

          In der Praxis werden die meisten E-Mobilisten zwar auch nur eine oder zwei Ladestationen regelmäßig anfahren, so wie ein Autofahrer mit Otto- oder Dieselmotor seine Stammtanke hat. Der E-Driver wird in der Regel einen Vertrag mit dem Betreiber der Ladestation abschließen. Oder mit seinem Stromlieferanten. Innogy etwa, ein wichtiger Anbieter von öffentlichem Autostrom, bietet einen Vertrag mit einem Preis von 30 Cent je Kilowattstunde Ökostrom bei genauer Abrechnung an. Das entspricht ungefähr dem Preis für Öko-Haushaltsstrom.

          Was es kostet weiß allein der Versorger genau

          Schwierig und oft auch teuer wird dagegen das gelegentliche Tanken. Die Stromtarife an den öffentlichen Ladepunkten sind intransparent, völlig unterschiedlich und das Verfahren kompliziert.

          Laut einer Untersuchung im Auftrag des Stromanbieters Lichtblick kann die Kilowattstunde für Spontan- und Gelegenheitsnutzer ohne Vertrag bis zu 67 Cent kosten. Das ist mehr als das Doppelte der für Haushaltsstrom üblichen 29 Cent. Ladestrom kostet damit auch mehr als Benzin. Bei einem Preis wie Haushaltsstrom wäre ein E-Auto bei den Treibstoffkosten aktuell um 25 Prozent günstiger.

          Auf der anderen Seite gibt es Anbieter, die deutlich günstigeren Strom anbieten: Bei Mainova zahlen  Autofahrer 18,8 Cent, bei den Stadtwerken Dresden sogar nur 13,5 Cent und bei den Stadtwerken Leipzig und Düsseldorf sowie der Rhein-Energie tankt der E-Mobilist umsonst. So bleiben wird das wohl aber nicht. Denn der Grund ist die geringe Nutzung. Wegen der wenigen Tankvorgänge lohnt sich der Aufbau eines Abrechnungssystems nicht.

          Extra(s)kosten

          Hinzu kommt, dass die Nutzung einer Ladestation deutlich komplizierter ist als die einer Zapfsäule. Bei den meisten Anbietern ist eine Registrierung erforderlich. Die Kunden erhalten dann eine Tankkarte oder können eine App für ihr Smartphone herunterladen.

          Zudem können Zusatzkosten wie Parkgebühren oder für das Zahlen per SMS sowie Servicegebühren anfallen. Wählt ein E-Autofahrer an einer Säule von Stromnetz Hamburg das Zahlen per SMS, so zahlt er zusätzlich einen Starttarif von 1,73 Euro sowie einen festen Aufschlag von 12,5 Prozent auf den Gesamtbetrag als Servicegebühr. Bei EnBW im Raum Stuttgart kostet die Registrierung etwa einmalig 20 Euro. Nicht alle Anbieter rechnen nach Kilowattstunden ab, die meisten bieten zeitbasierte Tarife an. Da die E-Autos unterschiedliche Ladegeschwindigkeiten haben, ist der Preis hier weitgehend unkalkulierbar.

          Lichtblick schlägt vor, öffentliche Ladestationen zu einem Teil des Stromnetzes zu machen und über die Netzentgelte zu finanzieren. Jeder Fahrer eines E-Mobils könnte dann jede öffentliche Ladestation nutzen - zum Haushaltsstrom-Tarif seines Versorgers. So könnte Wettbewerb in dem Markt Einzug halten, der jetzt wesentlich von regionalen Monopolisten beherrscht wird.

          Quelle: mho./dpa

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