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Veröffentlicht: 13.01.2016, 09:43 Uhr

Ohne Pin Bald sollen alle im Vorbeigehen bezahlen

Beim Einkaufen zahlen Kunden inzwischen auch kleine Beträge mit der Karte. Eine neue Technik soll Kartenzahlungen jetzt noch einfacher machen – doch ist sie auch sicher?

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© Torsten Silz Nicht mehr Pin eingeben und mit grün bestätigen: Kontaktloses Bezahlen

Zahlen mit der Girokarte dürfte bald für alle Kunden noch etwas einfacher werden. Denn nach und nach wollen alle Banken und Sparkassen in Deutschland das kontaktlose Zahlen mit diesen Karten einführen. Die Karte muss dann nicht mehr in das Terminal gesteckt, sondern nur noch davor gehalten werden. Für Zahlungen bis zu einem Einkaufswert von 25 Euro muss der Kunde nicht einmal mehr eine Pin-Nummer eingeben.

Tim  Kanning Folgen:

Die Volks- und Raiffeisenbanken haben das nun drei Monate lang in der Region um Kassel, Göttingen und Baunatal ausprobiert und sind nach Angaben vom Dienstag von den Ergebnissen so überzeugt, dass sie nach und nach alle ihre Kunden mit entsprechenden Karten ausstatten wollen. 130.000 Kunden haben die neuen Karten in der Testregion im Oktober erhalten. Die Edeka-Märkte und 350 weitere Händler in der Region haben entsprechende Lesegeräte an den Kassen aufgestellt. 10.000 Mal haben die Kunden in der Zeit das neue Verfahren verwendet, was nach Ansicht des Bundesverbands der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) für eine sehr gute Akzeptanz der neuen Technik spricht. Fehler seien keine aufgetreten.

„Erfahrungen in der Pilotregion haben Erwartungen übertroffen“

Über die Pilotregion hinaus wollen nun mehrere Volks- und Raiffeisenbanken ihre Kunden noch in diesem Jahr mit den neuen Girokarten ausstatten. Damit würden im Jahr 2016 insgesamt rund drei Millionen Kunden die „VR-Bankcard kontaktlos“ einsetzen können. Von 2017 an wird dann nach Angaben des Verbandes die genossenschaftliche Finanzgruppe alle Girokarten sukzessive mit der Kontaktlosfunktion ausstatten. „Die Erfahrungen in der Pilotregion haben unsere Erwartungen übertroffen“, sagt Andreas Martin, Vorstandsmitglied des BVR. „Wir sind überzeugt von der Technologie der Near Field Communication (NFC).“

Auch die Sparkassen wollen ihre Kunden mit solchen Karten ausstatten. Noch in diesem Jahr sollen nach Angaben des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes 7 Millionen Kunden eine „Girocard kontaktlos“ erhalten. Die privaten Banken, die im Bankenverband vereint sind, wollen im Herbst ein entsprechendes Pilotprojekt starten, ebenfalls in Kassel. Mit Filialen vertreten sind in der nordhessischen Stadt die Deutsche Bank, Postbank, Commerzbank, Santander und Targobank. Ob sich alle an dem Pilotprojekt beteiligen, ist aber noch nicht entschieden. Sie wollen sich auf das Stadtgebiet von Kassel beschränken, wo bis dahin möglichst viele Einzelhändler mit den nötigen Geräten ausgestattet sein sollen.

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Von der Verbreitung der entsprechenden Lesegeräte im Handel wird auch maßgeblich die Akzeptanz der Kunden abhängen. Doch bei den Volksbanken ist man zuversichtlich, dass nach und nach immer mehr Händler das Verfahren anbieten. Große Einzelhändler und Discounter haben nach Angaben des BVR schon zum Start des Pilotprojekts ein Interesse an der Einführung des kontaktlosen Zahlens signalisiert. „Sie warten im Grunde nur auf die technische Verfügbarkeit durch ihre Terminalhersteller und Netzbetreiber“, sagt ein Verbandssprecher. Wichtige deutsche Händler wie Aldi, Lidl und Kaufland haben ihre Kartenterminals schon im vergangenen Jahr fit für das kontaktlose Bezahlen gemacht, als sie auch das Zahlen mit der Kreditkarte ermöglichten. Auch für sie ist es schließlich von Vorteil, wenn an der Kasse nicht mehr umständlich mit Bargeld hantiert wird.

Denn eines hat das Pilotprojekt der Volksbanken auch gezeigt: Die Kunden zahlen nun auch kleinere Beträge mit der Karte. Normalerweise lieben die Deutschen ihr Bargeld – zum Leidwesen der Händler und Banken, die sich mit der teuren und risikobehafteten Logistik herumschlagen müssen. Nach Angaben der Bundesbank bezahlen die Deutschen 79 Prozent aller ihrer Einkäufe mit Bargeld. Gemessen am Umsatz sind es 53 Prozent, weil vor allem kleinere Besorgungen mit Scheinen und Münzen bezahlt werden. So lagen in der Testphase der Volksbanken gut die Hälfte aller Kontaktloszahlungen unter 25 Euro. Im Schnitt lag der Einkaufswert bei 40 Euro, mit der herkömmlichen Karte liegt er in der Finanzgruppe bei 55 Euro.

Auch Diebe können ohne Pin einkaufen

Bislang war das Zahlen von Kleinbeträgen mit der Karte ohne Pin schon mit den Angeboten Geldkarte und Girogo möglich. Beide floppten aber bei den Kunden, weil es ihnen offenbar zu umständlich ist, vorher das benötigte Geld auf die Karte zu laden. Bei den neuen Kontaktlos-Karten wird das Geld direkt vom Konto abgebucht, wie bei der herkömmlichen Girokarte auch.

Doch birgt nicht gerade diese Vereinfachung erhebliche Risiken? Wenn die Karte zum Beispiel geklaut wird, kann der Dieb mit ihr einkaufen gehen, auch ohne die Pin-Nummer zu kennen – zumindest bis zu einem Betrag von 25 Euro, und das immer wieder. Nach Angaben des BVR-Sprechers haben die Karten ein Limit für Transaktionen ohne Pin. Wenn diese Grenze erschöpft ist, wird der Nutzer zur Eingabe seiner Pin aufgefordert. Das soll gewährleisten, dass bei unbemerktem Verlust kein allzu großer Schaden entsteht. Dieser werde in der Regel von der Bank ersetzt. Wie sonst auch muss der Inhaber den Verlust der Karte umgehend bei seiner Bank melden und sie sperren lassen.

Und wenn Kriminelle sich selbst Lesegeräte verschaffen, mit denen sie quasi im Vorbeigehen Geld von den Karten ziehen? So müsste ein Langfinger noch nicht einmal lange Finger machen, um den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen. Der Verbandssprecher wiegelt ab. Zum einen funktioniere die Abbuchung nur aus höchstens zwei bis drei Zentimeter Entfernung. Wenn die Karte im Portemonnaie in der Hosentasche stecke, reiche die Distanz also nicht mehr aus. Zudem könnten sich Kriminelle nicht einfach ein Gerät nachbauen oder ein ausrangiertes verwenden. „Alle Terminals benötigen einen Schlüssel, um Kontaktlostransaktionen durchführen zu können“, so der Sprecher. Und die stelle nur der Netzbetreiber zur Verfügung.

Quelle: F.A.Z.

 

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