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Kaum Anträge : Warum die E-Auto-Prämie floppt

Mit dem neuen Akku steigt die Normreichweite des i3 auf bis zu 300 Kilometer. Bild: ZB

Stell Dir vor, es gibt 4000 Euro vom Staat und kaum jemand will sie. So geht es mit der im Juli eingeführten Prämie für E-Autos. Warum greifen die Deutschen nicht zu?

          Ein halbes Jahr nach dem Start gibt es weiter kaum Interesse an der Kaufprämie für Elektroautos. Bis zum 1. Januar 2017 wurden insgesamt lediglich 9023 Anträge auf eine Prämie gestellt, teilte das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle am Montag mit. Davon entfielen rund 5100 auf reine Elektroautos und knapp 3900 auf Plug-In-Hybride.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Seit Anfang Juli gibt es für Fahrzeuge, die nach dem 18. Mai gekauft wurden, 4000 Euro, wenn es sich um ein reines Elektroauto handelt. Für Hybridautos, die per Stecker geladen werden und einen ergänzenden Verbrennungsmotor haben, sind es 3000 Euro.

          Mit den aktuellen Zahlen ist die Prämie weit von den postulierten Zielen entfernt. Die Bundesregierung hatte erwartet, so den Kauf von „mindestens 300.000 Fahrzeugen“ zu bewirken.

          Normalerweise sind die Deutschen sehr empfänglich, wenn es darum geht, eine Prämie oder einen Steuervorteil mitzunehmen. Warum aber nicht bei E-Autos?

          Die Antwort ist für einige Hersteller recht einfach. Volkswagen etwa bietet die Stromversion des Kleinwagens up! ab 26.950 Euro an. Die Benzin-Varinate gibt es schon für weniger als 10.000 Euro. Da bleibt selbst bei 4000 Euro Prämie noch eine Unterschied von bis zu 13.000 Euro. Anders ausgedrückt: Für den Preis des e-up! gibt es zwei herkömmliche up!. Da braucht man die Verbrauchskosten nicht mehr nachzurechnen. Wer nicht gut 500.000 Kilometer mit dem Auto zurücklegt, kann den höheren Preis wohl nicht herausfahren.

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          Vergleichsweise luxuriöse Ausstattung

          Ganz korrekt ist der Vergleich nicht immer. So kostet etwa der Kia Soul als Elektrofahrzeug mindestens 28.890 Euro, die einfachste Benziner-Ausstattung dagegen 16.990 Euro. Berücksichtigt man aber die Ausstattungsmerkmale des E-Fahrzeugs, so würde ein vergleichbarer Benziner eher 24.000 Euro kosten. Rechnet man die 4000 Euro Prämie ein, so schrumpft die Differenz in den Bereich von null.

          Die vergleichsweise luxuriöse Ausstattung der E-Fahrzeuge macht sie daher für das Massengeschäft von vornherein weniger interessant. Sie richten sich eher an Käufer, denen es nicht so sehr auf den Preis wie auf den Komfort ankommt. Auch deshalb stammt die Hälfte der Prämienanträge von Unternehmen.

          Allerdings lassen sich in der Ausstattung auch trefflich höhere Kosten der Technik verstecken. Denn mitunter sind die Preise für Extras von PKWs nicht ohne weiteres nachvollziehbar. Der Käufer erhält damit einen eher scheinbaren Gegenwert, wenn er in Wirklichkeit die teure Technik bezahlt. In diesem Fall erklärte sich das offenkundig eher geringe Interesse der Hersteller am Verkauf von E-Autos.

          Bild: F.A.Z.

          Wer auf ein E-Auto umsteigt, muss sein Verhalten ändern

          Weit bedeutender dürften aber im Endeffekt andere Faktoren sein. Die Technik ist immer noch neu und erfordert eine Verhaltensänderung. Es muss häufiger aufgeladen als getankt werden und dies dauert länger als bei einem kraftstoffbetriebenen Fahrzeug. Dies suggeriert nicht nur höhere Kosten – obgleich Strom weit billiger ist als Kraftstoff – sondern ist auch mit Zeit- und Organisationsaufwand verbunden. Die nächste Tankstelle kennt jeder, aber wer weiß schon, wo die nächste Ladestation steht?

          Zudem ist der Energieverbrauch weniger leicht nachvollziehbar. Zwar gibt es entsprechende Geräte, die den Preis der Ladung beim Laden errechnen, aber auch dies erfordert wieder eine Verhaltensänderung und zusätzliche Anschaffungen.

          Darüber hinaus bleiben Unsicherheiten. Das neueste Modell des BMW i3 erreicht eine Spitzenreichweite von 300 Kilometern. Im Alltagsbetrieb sind es noch 200 Kilometer, gesteht BMW ein. Witterungseinflüsse verändern den Verbrauch teilweise nicht unerheblich. Das gilt besonders, wenn die Heizung oder die Klimaanlage läuft.

          Für dies alles ist eine Rechnung, die gegenüber einer erprobten Technik auf null aufgeht, offensichtlich zu wenig. Andere Länder haben daher zu höheren Prämien gegriffen. So zahlt Norwegen für den Kauf eines E-Autos eine Prämie von 11.000 Euro. Im ersten Quartal hatten die Stromer dort einen Marktanteil von mehr als 17 Prozent.

          Erklärvideo : Wie funktioniert ein Elektroauto?

          Quelle: FAZ.NET

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