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Sharing Economy : Fahrgemeinschaft im Taxi

Bild: Clevershuttle

Es muss nicht teuer sein: In immer mehr deutschen Städten teilen sich mehrere Fahrgäste ein Taxi.

          Ein ganz normaler Tag an einem Flughafen oder Hauptbahnhof: Die Schlange der wartenden Taxen ist lang und die der Taxisuchenden auch. Nur mühsam geht es voran, denn in jeden Wagen steigt nur eine Person ein. Was wäre es flott, wenn alle Taxen vollbesetzt davonbrausen würden! Und was wäre es günstig, wenn sich dann alle Mitfahrer den Fahrpreis teilen könnten! Eine Fahrgemeinschaft im Taxi also - das wäre innovativ.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Genau diese Idee wollen nun zunehmend moderne Fahrdienste verwirklichen. Nicht nur am Flughafen oder Bahnhof, sondern in der ganzen Stadt. Das Smartphone ist dabei unverzichtbar. Über eine App buchen die Fahrgäste ihre Wunschstrecke. Der Computer errechnet, ob andere Fahrgäste eine ähnliche Strecke fahren wollen, und bündelt sie zu einer Fahrt.

          Dabei schlägt er auch vor, ob es sich für den Fahrer lohnt, einen kleinen Abstecher in eine Nachbarstraße zu machen, um noch jemand zusätzlich aufzusammeln. Jeder Kunde bekommt dann über den Bildschirm seinen individuellen Fahrpreis angezeigt, der deutlich unter dem normalen Taxipreis liegt. Gezahlt wird entweder über Kreditkarte oder Paypal oder mit Bargeld.

          Abgasreduktion

          Ridesharing oder Pooling heißt dieser neue Trend. Er ist eine Variante aus der weiten Welt der Sharing Economy. Dabei wird alles geteilt und damit besser ausgelastet: die Wohnung über AirBnB, das eigene Auto über Carsharingfirmen wie DriveNow oder Car2go und nun eben das Taxi.

          Wird das Konzept optimal umgesetzt und in den bestehenden öffentlichen Nahverkehr integriert, könnten drei Kleinbusse mit fünf Plätzen 97 Pkw ersetzen, hat eine Studie der OECD ergeben. Dann wäre Ridesharing nicht nur billiger, sondern würde auch Staus reduzieren, die Abgase um ein Drittel senken und den Großteil der Parkplätze überflüssig machen.

          Die Idee ähnelt ein wenig dem guten alten Sammeltaxi. Das kontaktiert man aber in der Regel noch per Telefon, die Strecke ist oft vorgegeben, führt also nicht direkt zur Haustür, und im Hintergrund gibt es keine computergestützte Optimierung der Fahrstrecke.

          Bahn mitbeteiligt

          Im vergangenen Jahr gingen in Deutschland die ersten Ridesharing-Dienste an den Start, in diesem Jahr könnte hierzulande der große Durchbruch gelingen, der im Ausland, vor allem in Amerika, schon geschafft ist: Weitere Anbieter in Deutschland sind fast startbereit, die Fahrgastzahlen nehmen rasch zu.

          Vorreiter ist bisher das Unternehmen Clever Shuttle. Es hat im ersten Betriebsjahr 2016 immerhin 54.000 Menschen befördert. Jeden Monat werden es etwa ein Drittel mehr. Der Dienst ist bisher in Berlin, München und Leipzig aktiv, 2017 werden für diese drei Städte schon 250.000 Fahrten angestrebt.

          Bis zum Sommer sollen Frankfurt und Hamburg und bis Jahresende sieben weitere Städte dazukommen, darunter Stuttgart, Köln und Dresden. Langfristig soll es das Angebot in allen deutschen Städten mit mehr als 200.000 Einwohnern geben. An Clever Shuttle beteiligt ist neben den Gründern - drei ehemaligen Schulfreunden - und privaten Investoren auch die Bahn.

          Auch Taxi-Unternehmen dabei

          Viel kleiner ist der zweite Fahrdienst Allygator Shuttle, der sich auf die östliche Hälfte der Berliner Innenstadt konzentriert und nur am Freitagabend fährt. Er sieht sich als Pilotprojekt und plant keine Expansion in andere Städte. Man will die Machbarkeit zeigen, die zugrundeliegende Software soll dann öffentlichen Nahverkehrsunternehmen und Verkehrsverbünden für deren Ridesharing-Pläne angeboten werden.

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