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Post setzt auf Online-Handel : Paket-Boxen im Vorgarten

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Vorstandsvorsitzender der Deutschen Post, Frank Appel, will den zunehmenden Interne-Handel für sein Unternehmen nutzen. Bild: dpa

Wer oft Produkte im Internet bestellt, kennt das Problem: Wenn der Paketbote klingelt, ist meistens niemand zuhause. Die Post will jetzt Abhilfe schaffen: Mit einer Paket-Box für jedermann.

          Die Deutsche Post spricht von der „größten Erfindung seit dem Briefkasten“. Gemeint ist eine neue Paket-Box, die sich jeder ab Mai in seinen Vorgarten stellen kann. Das Grundmodell kostet rund 100 Euro, und die Farbe kann sich der Kunde online auswählen. Dieser neue Post-Kasten zeigt, worauf der Bonner Konzern in Zeiten des florierenden Internet-Handels setzt. Die Vormachtstellung im Paketgeschäft soll zementiert werden. Der Bereich erlebt einen beispiellosen Boom, während die Briefmengen durch die E-Mail stetig sinken.

          Am Mittwoch präsentiert Post-Chef Frank Appel in Frankfurt weitere Pläne, wie das Unternehmen vom Online-Handel profitieren will. Auch neue Finanzziele über das Jahr 2015 hinaus werden erwartet. „Das ist unser Kasten“, verkündete Briefvorstand Jürgen Gerdes unlängst und verband damit eine Kampfansage an die Konkurrenz um UPS, FedEx und TNT. Denn mit den Paketdepots im Vorgarten will sich die Post „die letzten Meter zum Verbraucher“ sichern. Konkurrenten sollen diese Box nicht nutzen dürfen. Damit entfällt für den Kunden nur bei Post-Paketen der Gang zum Nachbarn oder zur nächsten Abholstelle. Die etwa bei Amazon, Zalando oder anderen Online-Händlern bestellten Waren können rund um die Uhr abgeliefert werden. Positiver Nebeneffekt für Appel: Die Boten brauchen dann wohl weniger Zeit für die Auslieferung.

          Bei Analysten stoßen die Pläne auf Wohlwollen. „Die Überlegungen von Herrn Gerdes zu den Paketkästen sind smart“, sagt etwa Bankhaus-Lampe-Analyst Sebastian Hein. „Noch mehr Menschen bekämen einen Zugang zum Netzwerk.“ Vorteil für die Post: „Damit könnte sich der Konzern Marktanteile sichern.“ Und Gerdes will nicht nur die Bundesrepublik mit Paketkästen überziehen. Auch für das Ausland sei die Box bei erfolgreichem Start ein Modell. Appel und Gerdes wollen die Kunden aber nicht nur mit den Paketkästen im Vorgarten enger an die Post binden. Bis Ende des Jahres will der Konzern in Deutschland die Zahl der Paket-Annahmestellen auf insgesamt 50.000 fast verdoppeln, davon 20.000 Paketshops. Darin enthalten sind die bundesweit rund 2650 Packstationen - und auch deren Zahl dürfte weiter steigen.

          Appel dürfte dies in Frankfurt mit weiteren Daten untermauern. Der Paketmarkt hat Potenzial: Auf über 8 Milliarden Euro schätzt die Post das Volumen des Gesamtmarkts 2013 allein in Deutschland, rund 5 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Marktanteil des Bonner Konzerns liege dabei bei über 40 Prozent. 2013 transportierte die Post allein in Deutschland erstmals mehr als eine Milliarde Pakete. Das Wachstum soll sich auch in der Bilanz niederschlagen. Bislang wollte Appel das operative Ergebnis (Ebit) der Briefsparte, in dem auch das deutsche Paketgeschäft enthalten ist, bei rund einer Milliarde Euro stabilisieren. Experten rechnen aber damit, dass es nach oben geht. Helfen dürfte auch, dass das Paketgeschäft in vier Nachbarländern künftig in der Brief-Sparte angesiedelt ist. Positive Signale erwarten Analysten von Appel auch abseits des deutschen Marktes, der rund 30 Prozent des Jahresumsatzes von zuletzt 55 Milliarden Euro ausmacht.

          Die Tochter DHL sei in Wachstumsmärkten gut positioniert, bescheinigen etwa Morningstar-Analysten dem Konzern. DHL ist beispielsweise mit Abstand Marktführer in Asien. Insgesamt halten die Experten ein jährliches Umsatzwachstum bis 2018 in der Express-Sparte für möglich. Größere Übernahmen erwarten Analysten auch weiter nicht. Appel hatte bereits mehrfach deutlich gemacht, dass den große Konzern Zukäufe nicht wirklich weiterbrächten. Er hatte zuletzt 2009 eine Mittelfrist-Strategie vorgestellt. 2015 soll das Ebit demnach bei 3,35 bis 3,55 Milliarden Euro liegen nach einem operativen Gewinn von 2,86 Milliarden Euro 2013.

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