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Veröffentlicht: 19.11.2014, 15:34 Uhr

Überflüssig oder nützlich? Ökonom Rogoff will Bargeld abschaffen

Bargeld? Das braucht doch kein Mensch! Das meint zumindest der amerikanische Harvard-Ökonom Kenneth Rogoff. Zentralbanken könnten leichter negative Zinsen durchsetzen, Steuerflüchtige und andere Kriminelle hätten es schwerer.

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© dpa Hält Scheine und Münzen mittlerweile für überflüssig: Harvard-Ökonom Kenneth Rogoff.

Der prominente amerikanische Ökonom Kenneth Rogoff hat sich dafür ausgesprochen, das Bargeld abzuschaffen. „Die Zentralbanken könnten auf diese Weise leichter Negativzinsen durchsetzen, um so die Wirtschaft anzukurbeln“, sagte der Harvard-Ökonom auf einer Veranstaltung des Ifo-Instituts in München, wie dieses am Mittwoch mitteilte.

Philip Plickert Folgen:

Erheben die Zentralbanken negative Zinsen, dann kostet es für die Geschäftsbanken Geld, ihre Ersparnisse bei den Zentralbanken zu parken. Im Idealfall verleihen die Banken ihr Geld dann lieber an Unternehmen und Privatleute in Form von Krediten. Mit diesen Krediten könnten Unternehmen investieren und so die Wirtschaft eines Landes wieder in Schwung bringen. So zumindest die Theorie, die allerdings umstritten ist.

Als weiteres Argument fügte Rogoff hinzu, dass Steuerflucht und Drogenkriminalität besser bekämpft werden könnten, wenn für derartige Transaktionen kein Bargeld mehr zur Verfügung stünden. Rogoff war früher Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds (IWF) und ist besonders durch seine Forschungsarbeiten zu Staatsschuldenkrisen bekannt geworden.

Besonders mit dem geldpolitischen Argument trifft er einen heiklen Punkt. Die großen Zentralbanken der Welt haben die Leitzinsen praktisch auf null Prozent gesenkt. Dies ist jedoch faktisch die nominale Untergrenze. Zinsen unter null Prozent können Banken oder Verbraucher ausweichen, indem sie statt Guthaben Bargeld horten. Gäbe es diese Alternative nicht mehr, hätten die Zentralbanken noch mehr Spielraum, um die Zinsen zu drücken. „Papiergeld ist das entscheidende Hindernis, die Zentralbank-Zinsen weiter zu senken“, sagte Rogoff. „Seine Beseitigung wäre eine sehr einfache und elegante Lösung für dieses Problem.“

Nach Rogoffs Angaben habe die amerikanische Zentralbank auf dem Höhepunkt der Finanzkrise zeitweise erwogen, Negativzinsen von 4 oder 5 Prozent einzuführen. Auch der frühere amerikanische Finanzminister und Harvard-Ökonom Larry Summers fordert reale Negativzinsen, andernfalls werde die westliche Welt in eine dauerhafte Wirtschaftskrise („Säkulare Stagnation“) fallen. Auch Summers hat zur technischen Umsetzung die Abschaffung von Bargeld angeregt.

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Jenseits der brisanten geldpolitischen Überlegungen geht es einigen Gegnern von Bargeld um eine bessere Überwachungsmöglichkeit der Gesellschaft und den Kampf gegen Kriminelle. In Schweden und Norwegen setzen sich Gewerkschaften, Banken und Handelsketten für eine völlige Abschaffung von Scheinen und Münzen ein. Nur alte Leute und Bankräuber wollten heute noch Bargeld, heißt ihr Schlachtruf. Stockholms Polizeipräsident bezeichnete es als „das Blut in den Adern der Kriminalität“. Rogoff sagte, dass jüngst bei einem mexikanischen Drogenbaron 250 Millionen Dollar gefunden worden seien.

In Skandinavien und in Amerika sind bargeldlose Zahlungsarten wie Kreditkarten sehr viel verbreiteter als in Deutschland. Hierzulande heben Verbraucher nach Angaben der Bundesbank im Jahr durchschnittlich 8072 Euro in bar an Bankomaten ab. Nach Angaben der Europäischen Zentralbank (EZB) sind 16 Milliarden Euro-Geldscheine im Wert von fast einer Billion Euro im Umlauf.

Die Bundesbank ist gegen Einschränkungen des Bargeldverkehrs, wie sie in einigen Ländern diskutiert werden. Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele hielt beim Bargeld-Symposium im Mai gegen jene, die Bargeld als „Relikt aus vergangenen Zeiten“ abtun. Bargeld habe eine Transaktions- und auch eine Wertaufbewahrungsfunktion. Der frühere Bundesbank- und EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing nannte Bargeld „geprägte Freiheit.“

Quelle: F.A.Z./ancs

 

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