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Mitflugzentrale Trampen an der Startbahn

Hobbypiloten nehmen auf ihren Reisen gern Passagiere mit. Die Mitflugzentrale im Internet vermittelt das. Teuer ist der Flug nicht. Ein Selbstversuch.

© Cunitz, Sebastian

Hätte ich doch nur vorher mal gefragt. Denn mein Chauffeur ist erst 19. Und er fährt mich nicht auf vier Rädern mal kurz durch die Stadt. Sondern er fliegt mich eine Stunde an den Bodensee - in einer wackligen Zweisitzermaschine.

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Sven Hannemann heißt er. Jugendliche Haut, Jeans, Fliegerbrille. Seit einem Jahr hat er die Fluglizenz. Der Aufdruck auf seinem T-Shirt „Trust me - I know what I’m doing“ beruhigt mich nicht wirklich. Ich habe den platten Fliegerwitz im Kopf: „Was ist der letzte Satz eines Piloten vor dem Absturz? Achtung, ich zeig’ Ihnen mal was.“ Und ich denke an die jüngsten Meldungen über die Abstürze von privaten Kleinflugzeugen. Bin ich als nächstes dran?

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Doch ein Rückzieher wäre jetzt uncool. Zum Glück schafft es Hannemann in kürzester Zeit, meine Sorgen zu zerstreuen. Obwohl ich ihn erst seit zwei Wochen kenne, und zwar über die Mitflugzentrale. Er hatte inseriert: „Biete Mitflugmöglichkeit von Egelsbach nach Konstanz an. 28. August morgens. Gepäck bis 20 Kilo.“

Das passte. Denn ich wollte meinen Urlaub auf der Insel Reichenau im Bodensee nicht mit einer anstrengenden Autofahrt beginnen. Der Zug von Frankfurt hätte aber 4,5 Stunden gebraucht. Eine Flugverbindung mit großen Linienmaschinen gibt es nur nach Friedrichshafen - zu weit weg. Und vor allem: Der Flugplatz von Konstanz liegt direkt am Bodensee. Bis zur Reichenau sind es fünf Autominuten. Perfekt. Und Egelsbach, 20 Minuten südlich von Frankfurt, ist nahe der eigenen Haustür.

Zeit nehmen

Ich rief Hannemann an, sprach kurz über die Bedingungen und sagte dann zu. „Ich fliege nicht gerne alleine“, hat er mir gestanden. „Schöne Flugerlebnisse möchte ich teilen.“ Doch einen Tag vor dem Abflug ruft er an: Gewitter droht. Er verschiebt den Flug in die kommende Woche - enge Zeitpläne sind bei Mitflügen verhängnisvoll. Zwar kann er auch im Regen fliegen, aber dann wird es unruhig. Wolken muss er meiden.

Der zweite Versuch glückt: Strahlender Sonnenschein. Ich parke mein Auto zehn Minuten vor dem geplanten Start direkt vor dem kleinen Flughafengebäude in Egelsbach. Hannemann holt mich an der Tür zum Vorfeld ab, allein zum Flieger darf ich nicht. Meine Reisetasche packe ich direkt ins Flugzeug. Kein Check-in, keine Kontrolle, kein halbstündiger Spaziergang zum Abfluggate - so muss Fliegen früher gewesen sein.

Nix für Lärmempfindliche

Ich fühle mich ein wenig wie ein Firmenmanager mit seiner Privatmaschine. Nur der dort übliche Luxus an Bord fehlt völlig. Unsere DA20 Katana, die kleine Schwester der viersitzigen Cessna, dem „Golf der Lüfte“, soll fliegen können - mehr nicht. Immerhin ist für Bordverpflegung gesorgt, Hannemann reicht mir einen Müsliriegel. Um die Ohren vor dem irren Lärm zu schützen, tragen wir Kopfhörer und sprechen über Mikrofon.

Meine Sorgen vertreibt nicht nur das gute Wetter. Sven Hannemann schafft Vertrauen. Auf jede Frage hat er eine kompetente Antwort. Er ist ruhig, nicht hektisch. Die Route ist gut vorbereitet und zur Sicherheit auch bei der Deutschen Flugsicherung hinterlegt, falls wir verlorengehen.

Im relativen Tiefflug

Es geht los, meine 1,95 Meter passen hinein, den Kopf muss ich etwas zur Seite neigen. Hannemann macht die vorgeschriebenen letzten Checks. Der Tower erteilt Startfreigabe. Die Katana gibt Vollgas. Wobei das auch nicht mehr ist als bei einem Mittelklassewagen: 100 PS, 180 Stundenkilometer in der Spitze, 10 Liter Sprit auf hundert Kilometer, rund 600 Kilometer Reichweite - lächerlich im Vergleich zu einer Verkehrsmaschine.

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Veröffentlicht: 09.09.2013, 14:50 Uhr