Home
http://www.faz.net/-hss-7hp20
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Charmeoffensive bei Ryanair „Wir pinkeln den Leuten unnötig ans Bein“

Der Billigflieger Ryanair ist für seinen schlechten Service bekannt. Das soll sich ändern, verspricht Chef O‘Leary. Er hat schon die ersten Ideen.

© picture alliance Vergrößern Die Leser des britischen Verbrauchermagazins „Which?“ wählten Ryanair zur unbeliebtesten von 100 großen Konsummarken.

Europas größte Billigfluggesellschaft Ryanair will mit einer Charmeoffensive um Passagiere buhlen. Die für ihren kargen Service, einen Katalog von Zusatzgebühren und strikte Gepäckregeln bekannte Airline müsse ihre „brüske Unternehmenskultur“ ablegen, gestand der Ryanair-Chef Michael O‘Leary am Freitag auf der Hauptversammlung des Unternehmens in Dublin ein. Es ist das erste Mal in der Geschichte des Unternehmens, dass Ryanair einräumt, ein Problem mit seinem seit langem umstrittenen Kundenservice zu haben. „Wir sollten versuchen, Dinge zu ändern, mit denen wir den Leuten unnötig ans Bein pinkeln“, sagt O’Leary jetzt. Unter anderem werde Ryanair künftig großzügiger sein, wenn Handgepäckstücke die Größenbeschränkungen leicht überschreiten. Außerdem seien „erhebliche Investitionen“ geplant, um die Website des Unternehmens kundenfreundlicher zu machen.

Marcus Theurer Folgen:  

Die angekündigte Serviceoffensive wäre eine überraschende Wende des Ryanair-Chefs: O‘Leary hat den Billigflieger in den vergangenen zwei Jahrzehnten zur profitabelsten europäischen Fluggesellschaft gemacht – und dabei keine Gelegenheit ausgelassen, herkömmliches Marketing-Latein mit Füßen zu treten: „Der Kunde hat angeblich immer recht. Was für ein Quatsch. Der Kunde hat oft unrecht und das muss man ihm auch sagen“, verkündete O‘Leary. Regelmäßig zieht der Ire nicht nur über Konkurrenten und Flughafenbetreiber her, sondern auch über die Kundschaft. Übergewichtige Passagiere beschimpfte O’Leary in der Vergangenheit als „Fettsäcke“ und solche, die seine Bordtoiletten benutzen, als „inkontinent“.

Onlineforum für Ryanair-Hasser

Mit seinen rüden Sprüchen und unnachgiebigen Regeln für die Passagiere hat sich O‘Leary Feinde gemacht. Die Leser des britischen Verbrauchermagazins „Which?“ wählten Ryanair kürzlich zur unbeliebtesten von 100 großen Konsummarken. Mit der Internetseite „I hate Ryanair“ gibt es sogar ein eigenes Onlineforum für Ryanair-Hasser. Bei den Investoren ist die Fluggesellschaft dagegen erst in den vergangenen Wochen unter Druck geraten, nachdem Ryanair Anfang September mitteilen musste, sein Gewinnziel im laufenden Geschäftsjahr wahrscheinlich zu verfehlen.

Die überraschende Meldung sorgte für einen Kurssturz, von dem sich die Aktie seither nicht erholt hat. Der jetzt versprochene bessere Service gefährde nicht das radikale Geschäftsmodell von Ryanair, versicherte O‘Leary am Freitag: „Viele dieser Dinge kosten kein großes Geld“, sagte er. Zur Kundenbindung setzt Ryanair neuerdings auch auf soziale Netze wie Twitter und versucht es mit einem Augenzwinkern. Der erste Tweet lautete diese Woche: „Es kostet keine Gebühren, uns auf Twitter zu folgen.“

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Fluggesellschaften Ryanair kann bei Lufthansa nicht landen

Europas größter Billigfluganbieter will künftig Zubringer für die etablierten Konkurrenten werden. Doch noch landet die Fluggesellschaft nicht an den großen Drehkreuzen - und es gibt auch andere Hürden. Mehr Von Ulrich Friese und Marcus Theurer

22.01.2015, 17:48 Uhr | Wirtschaft
Pilotenstreik Fast die Hälfte der Lufthansa-Flüge fallen aus

Die Lufthansa hat wegen des Pilotenstreiks 1.350 Flüge gestrichen. Damit fallen rund 48 Prozent der geplanten Verbindungen aus. Etwas mehr als 150.000 Passagiere seien von dem Ausstand betroffen, teilte die Fluggesellschaft mit. Mehr

01.12.2014, 10:51 Uhr | Wirtschaft
Amtsgericht Düsseldorf Mieter dürfen im Stehen pinkeln

Für den Vermieter war die Sache klar: Weil sein Mieter stets im Stehen urinierte, stumpfte der in Mitleidenschaft gezogene Marmorboden ab. Das sah auch der Richter so, den Mann zur Rechenschaft ziehen wollte er aber nicht. Ein Mann sei nunmal ein Mann. Mehr

22.01.2015, 07:50 Uhr | Gesellschaft
Secret-Service-Chefin tritt zurück

Vor knapp zwei Wochen hatte ein Mann den Zaun des Weißen Hauses überwunden und war bis ins Innere des Präsidentensitzes vorgedrungen. Darauf hin habe Obama entschieden, dass die für seine Leibwächter zuständige Behörde eine neue Führung benötige. Mehr

02.10.2014, 09:33 Uhr | Politik
Weitere Nachrichten Nahles möchte Hürde für Erhalt von Arbeitslosengeld I senken

Das Exportwachstum in Japan signalisiert eine Konjunkturerholung, das Justizministerium kritisiert Facebooks neue Datenschutzregeln und die Box-Aktie schießt bei ihrem Börsendebüt in die Höhe. Mehr

26.01.2015, 06:52 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 20.09.2013, 17:41 Uhr